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Zerstörerische Kraft

24.09.2010

Ein Generationswechsel im Abbruch: Drei kraftvolle, elektrische Abbruchhämmer der Gewichtsmittelklasse stellten sich dem Praxistest und bewährten sich im Vergleich zu ausgedienten Pressluftgeräten.

Wenn sie antreten, bleibt kein Stein auf dem anderen: Abbruchhämmer setzen sich selbst gegen Beton konsequent durch, sind im Straßenbau genauso im Einsatz wie auf den klassischen Baustellen. Gerade in der Gewichtsmittelklasse von 15 bis 20 Kilogramm erweisen sich die Kraftlackel als überaus vielseitig: Mit den Abbruchhämmern können verschiedenste Abbruch- und Stemmarbeiten erledigt werden, selbst Betonpfeiler und Fundamente weichen der rohen Gewalt. Egal ob vertikal angesetzt oder beim seitlichen Stemmen im 45-Grad-Winkel: Mit Flach-, Spitz- und Spatenmeißel stellen sich die Abbruchhämmer jeder Herausforderung.

Flexibel ohne Kompressor
Abseits des Vergleichs zwischen den Geräten der jeweiligen Hersteller stehen die neuesten Abbruchhämmer aber vor allem einer entscheidenden Frage wegen auf dem Prüfstand: Können sich die elektrischen Alternativen gegen­über herkömmlicher Pressluftmaschinen bewähren? So weit vorweg – sie können. Und sie zeigen glasklar ihre immensen Vorteile gegenüber den altgedienten Werkzeugen. Allen voran: Der überaus unpraktische und kostspielige Kompressor kann bedenkenlos auf den Schrottplatz verfrachtet werden. Allzeit bereit ersetzen die elektrischen Abbruchhämmer ihren greisen Vorfahren dort, wo sie sich an eine Steckdose anstecken lassen. Also eigentlich überall. Und auch in puncto Kraft steht die neue Generation ihren Vorfahren um nichts nach. Respektlos hacken sie sich in den Beton, reißen mit jugendlichem Elan alles auf, was weg muss. Dabei sind sie zudem längst mit moderner, benutzerfreundlicher Technik ausgestattet: In Sachen Vibration lassen diverse Konzepte längere, weit geringer ermüdende Arbeitszeiten zu.

Dem aktuellen bauzeitung-Praxistest in der BauAkademie der Wiener Bauinnung in Guntramsdorf stellten sich Hiltis TE 1500 AVR, der GSH 16-32 von Bosch und Makitas HM1317C. In den fachkundigen Händen der Ausbilder Axel Liedtke und Franz Lehrner offenbarten sie, allesamt Spitzengeräte, ihre Stärken und Schwächen vor allem im Detail. Der zu bewältigende Prüfstand: Jede Maschine muss vertikal einen nicht armierten Betonblock (105 x 80 x 15 Zentimeter)  vollständig zerlegen, bei einem 30 Zentimeter dicken Block gilt es, die Armierung an den Ecken in 45-Grad-Haltung freizulegen. Nach jedem einzelnen Durchgang wurden die Geräte betreffend Benutzerfreundlichkeit und Handling besprochen und von den Fachleuten bewertet. Keine Frage, eine beim diesmaligen Praxistest stark subjektive Benotung nach Punkten. Während etwa bei Bohrern durchaus die gemessene Zeit zur Bewältigung einer fixen Zahl an Bohrungen als Leistungsmerkmal herangezogen werden kann, lässt die Zerstörung von Betonblöcken dies nur bedingt zu.

Erstaunliche Bestzeiten
Frisch ans Werk macht sich Lehrner an den ersten Durchgang, die komplette Zerlegung der Betonblöcke. Erstes Fazit: Keine Frage, die Geräte können absolut mit den altgedienten Pressluftvarianten mithalten. „Die elektrischen Abbruchhämmer sind weit besser als die mit Pressluft. Sie sind einfach leichter zu handeln, vor allem ohne Kompressor“, wissen die Experten aus langjähriger Erfahrung am Bau. Der wesentlichste technische Faktor bei Abbruchhämmern ist sicherlich die Schlagenergie, bezeichnet in Joule. Und die ist bei den neuesten, elektrischen Abbruchämmern mit 30 bis 45 Joule durchaus ansehnlich.
Zügig krachen die Abbruchhämmer von Hilti und Makita auf den massiven Block ein. In rund fünf Minuten liegen nur noch kleine Bruchstücke auf dem Boden. Kleine Anmerkung: Um einen halbwegs objektiven Vergleich zwischen den Geräten zu ermöglichen, versuchen die „Testarbeiter“ die Bruchstückgröße bei allen Testkandidaten möglichst gleich zu halten. Dann ist der dritte Teilnehmer, der Bosch GSH 16-32, an der Reihe. Und der überrascht vollkommen: In nur 3,22 Minuten liegt der Betonblock in Trümmern. Ein erstaunliches Ergebnis. Lehrners Urteil über den Sieger des ersten Testlaufs: „Das Stärkste der Geräte. Bei angenehmer, geringer Vibration.“

Ein ganz anderes Bild beim zweiten Praxistest. Beim seitlichen Einsatz im 45-Grad-Winkel erweist sich naturgemäß weniger Gewicht als vorteilhaft. Das Leichtgewicht unter den Testkandidaten ist Hiltis TE 1500 AVR mit nur 16,30 Kilogramm samt Meißel. Dementsprechend rasch kann der die Aufgabe erfüllen und die Armierung einer Ecke am schnellsten freilegen. Die Konkurrenz bleibt doch deutlich hinter der Bestzeit von 2,36 Minuten. Tester Liedtke kommt ordentlich ins Schwitzen: „Beim seitlichen Stemmen ist jedes halbe Kilo weniger von Vorteil.“ Er hat aber trotz schnellster Zeit auch Kritik an der Hilti zu äußern: „Sie geht brav, aber man merkt es: Die Vibrationen sind stark. Wenn ich die kaufe, krieg ich dann eine Physiotherapie dazu?“ Wohlgemerkt, im Vergleich zu den extrem vibrationsarmen Konkurrenzprodukten. Und auch Bosch bleibt nicht verschont. Die GSH 16-32 hat im Gegensatz zu den anderen Abbruchhämmern den Startschalter mittig unter dem Hauptgriff.

Der macht jetzt beim seitlichen Arbeiten im Winkel Probleme, zumindest wenn man Arbeitshandschuhe trägt: Ausbilder Liedtke kommt mehrfach mit der Hand an – und schaltet das Gerät mitten während der Arbeit versehentlich aus. Und auch an der Makita gibt es etwas Grundsätzliches auszusetzen. Die ist mit 715 Zentimeter ein Stück kleiner und damit in der vertikalen Anwendung je nach Größe des Arbeiters gebückter zu bedienen. Der Faktor Lautstärke ist bei allen Geräten ein Thema: Meißeln geht leider weiterhin nicht ohne. Der Schalldruckpegel, bei den Tests gemessen, ist jedoch bei allen Abbruchhämmern in etwa gleich – bei rund 105 Dezibel.

Gesamtkonzept zählt
Im Detail zeigt sich, dass bei den Abbruchhämmern das Gesamtkonzept zählt. Zwar sind mit Hilti, Bosch und Makita drei absolute Spitzenprodukte angetreten, die Stärken – und auch kleinen Schwächen – sind jedoch unterschiedlich. Technisch dürfte eben nicht alles möglich sein: enorme Kraft bei geringer Vibration und geringem Gewicht gibt es nicht im vollem Ausmaß. Aber auch das liegt irgendwie in der Natur der Abbruchhämmer.

Die Hilti TE 1500 AVR kann – abseits von wenigen Punkteabzügen beim Leistungstest und aufgrund etwas stärkerer Vibration – generell beeindrucken und erhielt von unseren Experten ansonsten überall die Höchstpunkte. Größe, Aufbau, Ergonomie und Verarbeitung sprechen an. Und auch in der Ausstattung kann der Abbruchhammer punkten: Neben Servicelampe, Anlaufsperre und einer optionalen Staubabsaugung ist sogar eine elektronische Diebstahlsicherung eingebaut, der mitgelieferte Polygonmeißel ist selbstschärfend. Der Wermutstropfen: Mit einem Listenpreis inklusive Mehrwertsteuer in Höhe von 2.227 Euro ist der Hilti-Abbruchhammer doch um einiges teurer als die Konkurrenz. Als am Stärksten wurde die Bosch GSH 16-30 empfunden. Das half aber beim seitlichen Stemmen nicht. Hier machten zwei Kilogramm Mehrgewicht zu schaffen. Höchstnoten gibt es für die Bosch neben dem sensationellen ersten Leistungstest auch in puncto Meißelaufnahme, Anti-Vibration und Ergonomie. Und selbstverständlich ist das Gerät wie alle Testkandidaten ausgezeichnet verarbeitet. Die Mankos sind neben der als ungünstig bewerteten Schalterposition ein nur gering justierbarer Seitengriff sowie fehlende Ausstattung wie Servicelampen oder Extras wie bei Hilti. Wer die aber nicht braucht, ist auch bei Bosch bestens bedient.

Die Makita glänzt vor allem durch die geringste Vibration. Das bestätigen schon die Herstellerangaben. Nur 8,6 Meter pro Sekunde2 bewegt sich der Abbruchhammer während der Arbeit. Ein doch deutlicher Vorsprung gegenüber den Mitwerbern. Auch die HM1317C ist ausgezeichnet und ergonomisch verarbeitet. Kleine Abzüge gibt es für die geringere Länge und für die etwas geringere Ausstattung im Vergleich zur Hilti-Maschine. Makita hat seinem Gerät aber Service- wie Netzlampen spendiert. Als einziges Testgerät ist eine Leistungseinstellung vorhanden. Die wird aber wohl selten gebraucht, ist doch zumeist volle Power beim Abbruch gefragt. Von Bosch und Makita gibt es einen praktischen Trolly mit dazu, bei Hilti muss ein üblicher Koffer ohne Rollen ausreichen.

Und noch eines spricht für Makita: ein Top-Preis für ein absolutes Konkurrenzprodukt. Unterm Strich spricht das Gesamtkonzept von Hilti – mit besonders durchdachtem Aufbau, geeignet platziertem Schalter und geringstem Gewicht bei toller Leistung und umfangreicher Ausstattung – für sich, auch wenn der Abbruchhammer beim nicht unwesentlichen Faktor Vibration etwas auslässt. In der Gesamtbeurteilung ist Hiltis Vorsprung aber minimal. Denn auch die Abbruchhämmer von Bosch und Makita können trotz kleiner Abstriche zugunsten Anti-Vibration und Kraft absolut überzeugen. Das wesentliche Fazit der zugegeben subjektiven Vergleichsreihe ist jedoch der Vorteil der elektrisch betriebenen Abbruchhämmer gegenüber den üblichen Lösungen mit Druckluft per Kompressor. Hier sprechen Faktoren wie Flexibilität, Kosten und Aufwand einfach für sich.

Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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