Direkt zum Inhalt

Zukünftige Entwicklungen sichern

06.05.2009

Mineralische Rohstoffe sind sowohl im täglichen Leben als auch für eine funktionierende Wirtschaft unverzichtbar. Der Großteil fließt in die Bauwirtschaft – konkret in Verkehrs- und Infrastrukturbauten.

Mineralische Rohstoffe begegnen uns im alltäglichen Leben nicht nur in Form von Baurohstoffen, sondern auch in Produkten wie etwa Zahnpasta und Scheuermilch. Österreichweit werden jährlich zwischen 95 und 105 Millionen Tonnen an mineralischen Rohstoffen wie Sand, Kies, Naturstein, Kalk, Lehm, Ton oder Gips gebraucht. Etwa 90 Prozent davon fließen in die Bauwirtschaft. Der Großteil davon findet Verwendung in Verkehrs- und Infrastrukturbuten, beispielsweise im Straßen-, Gleiskörper- und Wasserwegebau oder bei Kläranlagen. Insgesamt werden für die Errichtung von Infrastruktur, Hoch- und Tiefbau pro Jahr mehr als 80 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe benötigt. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich liegt zwischen sieben und 14 Tonnen jährlich.

Österreichischer Rohstoffplan

Das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage an mineralischen Rohstoffen ist nicht zuletzt aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl mittlerweile eng gewichtet. Nicht nur die Wirtschaftskammer Niederösterreich sieht auf diesem Sektor Handlungsbedarf. Bei dem kürzlich stattgefundenem Symposium „Rohstoffsicherung in Niederösterreich“ wurde dieses Thema ausgiebig diskutiert. „Bei mineralischen Rohstoffen ist ein gelenkter Abbau notwendig. Gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Unterstützung und Motivation für die heimischen Betriebe sind in diesem Zusammenhang unabdingbar“, ist Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich überzeugt.

Einer der wohl wichtigsten Aspekte in diesem Zusammenhang ist die optimale Nutzung und der Abbau der Rohstoffvorkommen in Österreich. Damit beschäftigt sich unter anderem der kurz vor der Fertigstellung befindliche Österreichische Rohstoffplan. Aber auch die Europäische Kommission hat sich mittlerweile der Problematik mittels einer Versorungsrichtlinie angenommen.

Masterplan findet Anerkennung

„Eine intakte Wirtschaft ist von einer sicheren und ausreichenden Versorgung von Rohstoffen abhängig.“, ist Leopold Weber, Leiter der Abteilung 7 – Roh- und Grundstoffpolitik der Sektion IV – Energie und Bergbau im Bundesministerium für Wirtschaft, überzeugt. Da mineralische Baurohstoffe ein geringeres Preisniveau aufweisen, sind diese nur regional handelsfähig. „Durch raumordnerische Überplanung ist in manchen Bereichen Österreichs die Zugriffsmöglichkeit bereits derart eingeschränkt, dass eine ausreichende Versorgung der Wirtschaft nur mehr für wenige Jahre gegeben ist“, erklärt Weber. Aus diesem Grund wurde vom österreichischen Gesetzgeber die Ausarbeitung eines Österreichischen Rohstoffplanes zur Sicherung der knappen Rohstoffvorkommen veranlasst. Mit diesem Rohstoffplan sollen die Lagerstätten der benötigten Rohstoffe dokumentiert werden. Auf der Basis dieser ermittelten Lagerstättenkarte soll in Relation zum jeweiligen Bedarf mit den Ländern und Gemeinden in weiterer Folge ein bundesweiter Abbauplan für Rohstoffe erstellt werden, der die Basis für künftige Gewinnungsbetriebspläne darstellen soll.
Somit soll der Österreichische Rohstoffplan fachlich fundiert und in objektiver Weise im Vorfeld der Unternehmen potenzielle Rohstoffgebiete identifizieren und diese nach sorgfältiger Konfliktbereinigung und Interessensabwägung mit Natur- und Umweltschutz, dem Grundwasserschutz und anderen berechtigten Ansprüchen an den Naturraum in der Raumordnung so gesichert werden, dass diese auch künftig widerspruchsfrei genutzt werden können, wie Weber erläutert. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Unternehmen von ihrer Pflicht der eigenen Rohstoffsicherung entbunden werden.
Weber versteht den Österreichischen Rohstoffplan als „zukunftsweisenden Masterplan“, der nicht nur in den Nachbarländern, sondern auch bei der Europäischen Kommission Interesse geweckt und Anerkennung gefunden hat.

Bewusstseinsbildung forcieren

Michaela Hinterholzer, Obfrau der Landesinnung der Bauhilfsgewerbe Niederösterreich, bedauert vor allem das mangelnde gesellschaftliche Bewusstsein für mineralische Rohstoffe: „Klimabilanz und Rohstoffbedarf sind zwei sehr zentrale Themen. In der Bevölkerung ist das Bewusstsein für die Themen Wasser und Umweltschutz bereits sehr weit verbreitet. Bei den Rohstoffen haben wir in dieser Hinsicht enormen Nachholbedarf“, ist Hinterholzer überzeugt. Um diese notwendige Bewusstseinsbildung zu forcieren, hat die Montanuniversität Leoben unter Federführung von Günter Tiss im Auftrag der Landesinnung der Bauhilfsgewerbe für Niederösterreich zur ursprünglich geplanten „Ausweisung wasserwirtschaftlicher Vorranggebiete für die Sicherung der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich im Hinblick auf Materialentnahmen“ seitens des Niederösterreichischen Wasserwirtschaftlichen Planungsorgans 2005 eine darauf bezugnehmende Positionsbestimmung „Nassgewinnung von Sand und Kies in Niederösterreich im Einklang mit der Sicherung der Trinkwasserversorung“ durchgeführt. Im Zuge dessen wurde eine konkrete Projektstudie „Bedeutung der Nassgewinnung von Sand und Kies in Niederösterreich für die nachhaltige Sicherung der Mineralversorgung in Niederösterreich durch die gewerblichen Betriebe“ abgeschlossen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass grundsätzlich keine Gefährdung des Grundwassers durch die Rohstoffgewinnung vorliegt.

Internationaler Vergleich

Jacques Schleifer, Forschungsingenieur bei GeoSciences/Ecole des Paris/Armines stellte beim Symposium in St. Pölten ein Modell für die langfristige Vorhersage des Zugangs zu Baurohstoffen in Frankreich vor. „Während der letzten 30 Jahre hatte der Verbrauch an Baurohstoffen jährlich einen durchschnittlichen Anstieg von 0,8 Prozent zu verzeichnen“, berichtet Schleifer. „Es stellt sich die Frage nach der Zukunft dieser aus verschiedenen Produktionsquellen stammenden Rohstoffe, nach deren Zusammenhang sowohl mit der Produktion als auch mit dem Transport und den damit verbundenen Umwelteinflüssen – CO2, Energiebedarf, Bodenbesetzung“, so Schleifer weiter. Insgesamt sieht Schleifer „prinzipiell einen gleichen Zugang zur Problematik in Frankreich wie in Österreich. Die Probleme werden kritischer werden“, ist er überzeugt.
Das künftige Ziel in Österreich ist für Leopold Weber klar vorgegeben: „Der Rohstoffplan soll für das gesamte Bundesgebiet zum Abschluss gebracht werden. Wichtig ist dabei die dynamische Weiterentwicklung. Der Österreichische Rohstoffplan ist kein endgültiges Produkt. Vor allem soll dadurch die Bedeutung des mineralischen Rohstoffes gehoben werden“, ist Weber überzeugt. Günter Tiss hob bei seinem abschließenden Statement die positive Diskussionsbereitschaft aller Beteiligten hervor: „Rohstoffplan und Rohstoffpolitik sind zentrale Themen – in dieser Hinsicht haben wir künftig noch viel vor.“

Diana Danbauer

aus: bauzeitung 18/09, S. 12 f.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung
Werbung