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Für die Zement­industrie zogen Rudolf Zrost (l.) und Sebastian Spaun, Vorstandvorsitzender und Geschäftsführer der VÖZ, Bilanz.

Zunehmend klimaschonend

17.07.2017

Die Vereinigung der österreichischen Zementindustrie zog Bilanz ob der jüngsten Erfolge der Branche. Zementprodukte werden umweltverträglicher und dienen als Energiespeicher.

Ein Umsatzplus von knapp drei Prozent und ein „historischer“ Tiefstand beim CO2-Ausstoß kennzeichnen das Jahr 2016 für die Zementindustrie. Man sei zudem „weltweit die Nummer eins bei der Verwendung von Ersatzbrennstoffen“, ziehen Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender, und Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der österreichischen Zement- industrie (VÖZ), Bilanz. Die acht produzierenden VÖZ-Mitglieder stellten 4,8 Millionen Tonnen Zement her – um etwa 200.000 mehr als 2015. Für den Umsatz (400 Millionen Euro) bedeutet das ein Plus von 2,9 Prozent. Deutlich über den Erwartungen – und auf Basis steigender Wohnbauaufträge: „Die Bauwirtschaft ist wieder Wachstumsmotor für die gesamte Wirtschaft“, stellt Zrost fest.

Nachhaltig wie nie zuvor

Zugleich produziere man umweltfreundlich wie nie zuvor: Pro Tonne Zement liege der Kohlendioxidausstoß in Österreich nun bei 548 Kilogramm. Der Vergleich mit anderen Ländern macht sicher, wobei die USA mit 806 Kilogramm CO2-Ausstoß pro Tonne Zement das obere Ende des Spektrums markieren und Österreich das untere. Der globale Durchschnitt wird von der VÖZ mit 645, der EU-Durchschnitt mit 623 Kilogramm pro Tonne angegeben. Um das Ganze zu verbildlichen, zieht die VÖZ einen Vergleich: Würden alle in der EU angesiedelten Hersteller nach hiesigen Standards produzieren, würden jährlich 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Noch dazu zeige eine Studie chinesischer und US-amerikanischer Forscher, dass zementgebundene Baustoffe 43 Prozent der CO2-Emissionen, die bei der Produktion entstehen, wieder aus der Atmosphäre aufnehmen. Da dieser Effekt laut Spaun eine relevante Größe für den globalen CO2-Kreislauf darstelle, „sollten Zement und Beton in der Ökobilanzierung künftig deutlich positiver bewertet werden und bei nationalen Treibhausgasinventuren als CO2-Senke Anerkennung finden.“ Auch beim thermischen Energiebedarf sei man Vorreiter. Dieser deckt sich zu knapp über einem Fünftel aus fossilen Energieträgern, 78 Prozent kommen aus Ersatzbrennstoffen. Neben Biomasse wie Holz werden dabei freilich auch industrielle Abfälle zugeführt. Die von der VÖZ genannten „Kunststoffschnitzel“ entpuppen sich auf Nachfrage als u. a. alte Autoreifen; also durchaus erdölhältige Produkte, wenn auch nicht ursprünglich zum Verheizen intendiert. Den gut 80 Prozent an Ersatzbrennstoffen hierzulande stünden im EU-Schnitt 41 und global betrachtet gar nur 16 Prozent gegenüber.

Umwelt und Wirtschaft im Clinch

Gleichwohl man, wie Zrost und Spaun betonen, stolz auf die nachhaltige Entwicklung der Mitgliedsbetriebe ist und diese nicht infrage stelle, wäre doch auch ein Konflikt zwischen umwelt- und wirtschaftspolitischen Zielen zu beobachten: Zwar sinkt der Anteil fossiler zugunsten alternativer Brennstoffe seit 20 Jahren kontinuierlich; aufgrund zusätzlicher Emissionsminderungsanlagen und des wachsenden Bedarfs an den Zementprodukten steige der spezifische Energieeinsatz. Die Forderungen, einerseits Emissionen, andererseits auch den Energieverbrauch zu senken, seien schwer vereinbar. „Wir erwarten uns von politischen Entscheidungsträgern, diese Zielkonflikte bei neuen Richtlinien und Gesetzen unter einen Hut zu bringen“, so Zrost.

Angesichts des Klimawandels und der damit steigenden Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen, heftigen Stürmen und Blackouts sei die Bedeutung von Beton als Energiespeicher zu betonen, Stichwort: thermische Bauteilaktivierung. Diese werde seit Jahren intensiv erforscht. Durch Rohre in Betongeschoßdecken wird dabei warmes oder kaltes Wasser geleitet. Überschüssige Energie aus (elektrischen) Kraftwerken kann so, kurz formuliert, in Gebäuden gespeichert und im Fall von Energieengpässen zur Heizung und Kühlung bereitgestellt werden.

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