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Zurück auf die Schulbank

16.09.2011

Die 18 verschiedenen Fachhochschulen in  Österreich bieten zahlreiche Aus- und  Weiterbildungsmöglichkeiten für die Bau- und  Immobilienbranche. In praxisnahem und zeitlich überschaubarem Rahmen versprechen die  Ausbildungswege zu dem begehrten Titel und dem damit einhergehenden Karrieresprung zu verhelfen.

Von Diana Danbauer

Fachhochschulen etablieren sich immer mehr am heimischen Bildungsmarkt. Viele Studierende schätzen vor allem den intensiven Bezug zur Praxis, der – im Gegensatz zu den wissenschaftlich orientierten Universitäten – an den FHs ganz groß geschrieben wird. Zahlreiche Studiengänge und Fachhochschulstudien werden berufsbegleitend angeboten und sind auch dementsprechend konzipiert. Der Studienalltag, neben dem Beruf, ist eine zeitliche und energetische Herausforderung. Dennoch wagen viele Berufstätige den Schritt in die Weiterbildung. Auch für die Bauwirtschaft bieten die 18 verschiedenen Fachhochschulen, die in ganz Österreich verstreut sind, unterschiedliche Möglichkeiten der Vertiefung, Fort- und Weiterbildung in technischen bzw. wirtschaftlichen Bereichen, die als Bachelor- beziehungsweise Masterstudiengängen abgeschlossen werden können.

 

Fachhochschule versus Universität

Die erste Frage, die auftaucht, wenn mit einer Aus- oder Weiterbildung geliebäugelt wird, ist die Wahl der richtigen Institution. Fachhochschulen und Universitäten haben beide auf ihre Art attraktive Angebote und weisen naturgemäß Vor- und Nachteile auf. Der wohl augenscheinlichste Unterschied ist die jeweilige Struktur: „Bei negativer Formulierung könnte man die FHs als ‚schulischer‘ bezeichnen. Das Studium hat mehr Klassencharakter, als es an den Universitäten der Fall ist. Dafür ist man an den Unis meist nur eine ‚Nummer‘ in einer Lehrveranstaltung", so Helmut Floegl, Leiter des Zentrums für Facility-Management und Sicherheit an der Donau-Universität Krems. Floegl war vor einigen Jahren selbst federführend an der Implementierung von FH-Studiengängen beteiligt und bezeichnet sich selbst als Verfechter der Fachhochschulen, obgleich er selbst an der Universität beschäftigt ist. Floegl betont, dass FHs grundsätzlich straffer organisiert sind als klassische Universitäten. Den Vorteil sieht der Experte in der Planung des Studiums bzw. vor allem des rechtzeitigen Abschlusses: „Die straffe Organisation gewährleistet, dass die Studierenden rechtzeitig fertig sind", so Floegl.

 

Straffes System

In dieselbe Kerbe schlägt auch Otto Bammer, Institutsleiter für Immobilienwirtschaft an der FH Wien – Studiengänge der WKW: „Der größte Vorteil der Fachhochschule ist das straff organisierte System, das es ermöglicht, das Studium in der Mindeststudienzeit abzuschließen, weil die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. An den Universitäten herrscht zwar der freie Zugang, während an den FHs nur eine begrenzte Anzahl an Studierenden aufgenommen wird, aber dafür hat jeder Studierende an der FH einen Sitzplatz im Hörsaal", betont Otto Bammer die Vor- und Nachteile in einem Atemzug.

Eine, die es wissen muss, ist Veronika Lang, ehemalige Studentin an der FH Wr. Neustadt und mittlerweile wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Immobilienwirtschaft der FH Wien. Ein Jahr hat Lang auch an der Wirtschafts­universität Wien studiert, so hat sie auch den direkten Vergleich: „Der große Vorteil an der FH ist, dass die Studierenden nicht einfach eine ‚Nummer‘ sind, sondern tatsächlich persönlichen Bezug und Kontakt zu Lektoren und Institutsmitarbeitern haben", so Lang. Aber nicht nur der angenehme Effekt, als Mensch wahrgenommen zu werden, steht für Lang hierbei im Vordergrund, sondern die Konsequenz, die sich daraus ergibt: „Durch den persönlichen Kontakt ist es möglich, in Einzelfällen auch auf private Probleme oder Schwierigkeiten Rücksicht zu nehmen.

In schwierigen Situationen kommt einem die FH entgegen, während man im Uni-Betrieb vermutlich durchfällt" Und auch wenn nicht gerade eine Katastrophe im Spiel ist, ist die Rücksichtnahme oft von Vorteil, wie Veronika Lang erzählt: „Man hat während meiner Studienzeit im administrativen Bereich so weit versucht die Studierenden zu unterstützen, dass sogar auf Fahrgemeinschaften Rücksicht genommen wurde", erinnert sich Lang. Die von den Herren Floegl und Bammer gepriesene „straffe Struktur" kann man auch anders auslegen, zeigt Lang: „Darüber lässt sich streiten, ob es ein Vor- oder ein Nachteil ist, in einem ‚strukturierten Schulbetrieb‘ zu sein. Das hängt schließlich von der Persönlichkeit ab. Manche bevorzugen bestimmt auch die Freiheit, die auf der Uni geboten wird, wo man sich die Zeit und den Aufwand selber einteilt", so Lang.

 

Die Mischung macht’s

Einen weiteren großen Vorteil sieht Helmut Floegl in der Nähe zur Praxis. „Die meisten Vortragenden sind Leute aus der Praxis, dadurch ist die Beziehung zwischen Wissenschaft und Anwendung gegeben." Kritiker betonen häufig, dass ob des vorrangigen Praxisbezuges an den Fachhochschulen der wissenschaftliche Aspekt oft zu kurz kommt. Diesen Einwand lässt Floegl jedoch nicht gelten. „Ganz so einfach ist es nicht. Auch die FHs haben wissenschaftlich einiges drauf und betreiben ebenso Forschung wie die Universitäten. Ich denke, es ist immer abhängig vom Engagement der Professoren. Ein Indikator für die Qualität ist letztlich die Mischung aus unterschiedlichen Vortragenden und Einblick in verschiedene Aspekte – fächerübergreifendes Wissen ist heutzutage gefragt."

„Die FH ist sicher praxisorientierter als die Uni. Aber die Universitäten sind im wissenschaftlichen Bereich – zumindest, was die Grundlagenforschung betrifft – wahrscheinlich besser als die Fachhochschulen", meint Otto Bammer. Aus Sicht der Institutsleitung weiß Bammer: „Durch die Praxisorientierung der FH sind wir gezwungen, Vortragende aus der Praxis zu liefern. Vortragende, die auf dem aktuellen Wissensstand sind. An den Unis ist das nicht immer der Fall. Bei uns ist es klar: Wenn ein Vortragender dieser Anforderung nicht gerecht wird, dann ist er oder sie halt nicht mehr Vortragender.

An den Universitäten ist es durch die traditionellen Strukturen und den Pragmatisierungsmöglichkeiten oft der Fall, dass transportierte Inhalte mit dem aktuellen Wissensstand nicht viel zu tun haben, und dennoch sind diese Mitarbeiter häufig nicht entfernbar." Den Umkehrschluss sieht Bammer darin, dass FH-Personal grundsätzlich vermutlich leistungsorientierter agiert. Veronika Lang ergänzt: „Ein Vorteil ist auch, dass einen die Lektoren aufgrund des guten Kontakts zum Teil auch nach Abschluss des Studiums noch unterstützen. Auch die Gemeinschaft unter den Studierenden ist eine innigere, da man im gleichen Jahrgang kontinuierlich in Kontakt ist und sich dadurch gute Beziehungen oder Freundschaften entwickeln", so Lang.

 

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Ebenso wie beim eigentlichen Ablauf während des Studiums sind sich die Experten einig, dass das Wichtigste vor dem Entschluss, ein berufsbegleitendes Studium zu beginnen, die Abklärung mit dem privaten Umfeld unablässig ist. Häufig unterschätzen die angehenden Studierenden das tatsächliche Pensum bzw. den Aufwand, den ein FH-Studium mit sich bringt. Denn vernachlässigte Kinder, verärgerte Partner und unzufriedene Vorgesetzte sind gerade unter Zeitdruck kein guter Nährboden für ein erfolgreiches Studium. „Das Wichtigste ist, sich mit dem Partner und den Kindern gut abzustimmen und deren Unterstützung zu haben.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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