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Die große Depression

09.06.2015

Der KSV1870 hat eine Umfrage zur Wirtschaftslage, Investitionsbereitschaft und dem Anleihekaufprogramm der EZB bei den heimischen Unternehmen durchgeführt.

Top 10 Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft laut Umfrage vom KSV1870.

77 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die heimische Wirtschaft vom Anleihekaufprogramm der EZB profitieren wird– besonders skeptisch ist das Gewerbe, etwas zuversichtlicher die Industrie. Auf die Frage, welche bisher ausstehenden Maßnahmen die österreichische Wirtschaft hingegen spürbar beleben würden, nannten 32 Prozent Bürokratieabbau/Verwaltungsvereinfachung, 25 Prozent Lohnnebenkosten senken, 20 Prozent Steuern senken und zehn Prozent günstige Kredite für Unternehmen/erleichterte Vergabe. Die allgemeine Wirtschaftslage in Österreich wird nur von zehn Prozent der rund 1.200 Befragten KSV1870 Mitglieder und Kunden als gut oder sehr gut eingeschätzt. Daran soll sich auch 2015 nichts mehr ändern.

„Für die Unternehmen ändert sich in Österreich kaum etwas zum Positiven – es herrscht Stillstand bei den schwelendsten Problemen und es gibt so gut wie keine Aussicht auf Reformen zur Entlastung der Betriebe“, resümiert Roland Führer, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH. „Schon vor einem Jahr haben wir die Unternehmen gefragt, wo sie der Schuh am stärksten drückt und die Antworten sind auch heuer wieder dieselben: Bürokratieabbau, Lohnnebenkosten senken, Steuern senken, vereinfachte Kreditvergabe – alles ‚alte Bekannte‘.“

Deprimierende Aussichten

Nur zehn Prozent meinen, der Wirtschaft in Österreich gehe es aktuell gut oder sehr gut. 38 Prozent der mehr als 1.200 Umfrage-Teilnehmer bezeichnen sie derzeit sogar als explizit schlecht bzw. sehr schlecht. Für 52 Prozent stellt sich die Situation nur als befriedigend dar. Und daran soll sich dieses Jahr auch nichts mehr ändern: Nur 13 Prozent rechnen mit einer guten bzw. sehr guten Entwicklung für das Gesamtjahr 2015. Noch immer 37 Prozent meinen, die Lage bleibe schlecht bzw. sehr schlecht. Die Hälfte prognostiziert bestenfalls eine befriedigende wirtschaftliche Performance. Am negativsten bewerten Kleinstunternehmen die Aussichten. Große Unternehmen sind zuversichtlicher – diese erwarten auch noch am ehesten, eine positive Auswirkung des

Eigene Auftragslage positiv

Bedeutend besser schätzen die Befragten die eigene Auftragslage ein: Für 49 Prozent der Befragten ist sie aktuell gut oder sehr gut. 35 Prozent bewerten sie als befriedigend und 16 Prozent als schlecht bzw. sehr schlecht. Und auch die Prognose für das Gesamtjahr gleicht der aktuellen Einschätzung im Wesentlichen: 46 Prozent erwarten eine gute oder sehr gute Auftragslage für 2015, 40 Prozent erwarten eine befriedigende und 14 Prozent eine schlechte bzw. sehr schlechte Auftragslage. Am positivsten gestimmt sind auch hier große Unternehmen ebenso wie die Branchen Elektronische Datenverarbeitung, Lebens- und Genussmittel, Chemie/Pharmazie/Kunststoffe/Gummi und der Freizeitwirtschaft. Besonders pessimistisch sind die Bereiche Papier/Druck/Verlagswesen sowie Textilwirtschaft/Schuhe/Leder/Pelze und auch das Gastgewerbe. Positiv für die Beschäftigen: 67 Prozent planen für 2015 keine Änderung beim Personalstand. 17 Prozent werden ihn voraussichtlich erhöhen und 16 Prozent wollen Stellen streichen.

Kaum Optimismus spürbar

„Die Unternehmen scheinen gespalten zu sein. Ihre eigene Lage bzw. die Entwicklung für dieses Jahr bewerten die Befragen im Schnitt positiv, ganz anders aber die Gesamtwirtschaftslage, die sehr emotional beurteilt scheint. Hier zeigt sich ein Pessimismus, der die allgemeinen negativen Wirtschaftsprognosen widerspiegelt. Die Probleme der Unternehmen sind seit Jahren tendenziell dieselben und sie wünschen sich politische Lösungen und Reformen, die einfach nicht angegangen werden. Hinzu kommen viele Jahre mit bestenfalls mäßiger Konjunktur und ein verengter Spielraum bei der Kreditvergabe. Insgesamt scheint das viele Betriebe mürbe gemacht zu haben“, so Roland Führer.

Investitionen rückläufig

Heuer planen nur 55 Prozent Investitionen durchzuführen, das ist ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders motiviert zeigen sich mittlere und große Unternehmen wie auch die Branchen Elektronische Datenverarbeitung, Lebens- und Genussmittel, Chemie/Pharmazie/Kunststoffe/Gummi und die Freizeitwirtschaft. Zurückhaltender wollen 2015 die Bereiche Holz/Möbel, Textilwirtschaft/Schuhe/Leder/Pelze, Bergbau/Energie und die Bauwirtschaft agieren. Der Großteil der vorgesehenen Mittel soll 2015 in Sachinvestitionen fließen. Nur 18 Prozent wollen explizit in Forschung & Entwicklung allgemein bzw. in die Entwicklung neuer Produktbereiche investieren und 56 Prozent wollen in andere immaterielle Investitionen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit investieren. 7 Prozent liebäugeln mit Finanzinvestitionen.

Autor/in:
Redaktion Color
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