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Das Oberhammerhaus in Hollenstein. Die Hanfdämmung erlaubt eine authentische Fassaden-Anmutung und sorgt für Niedrigenergie-Standard.

Hanf fürs Herrenhaus

04.12.2017

Wie man architektonische Ursprünglichkeit und eine behutsame Komplett-Sanierung von historischem Bestand vorbildlich unter einen Hut bringt, zeigt das Beispiel eines Hammerherrenhauses im Mostviertel in Niederösterreich.

Um die Gebäude-Struktur nicht aufzubrechen, wurden Holzbalkone aufgesetzt.
Typisches Sgraffito, wie sie in der Renaissance oft zur Dekoration von Hausfassaden zum Einsatz kam.

Das Hammerherrenhaus ist eine in Niederösterreich beheimatete Bauform, die in der Renaissance entstanden ist. Damals verbreiteten sich in der Eisenwurzen die sogenannten Eisenhämmer, die auf der Ausnutzung der hier vorhandenen Wasserkraft zur Verarbeitung des Eisenerzes beruhten. Die Besitzer der Hammerwerke – die sogenannten „Schwarzen Grafen“ – waren sehr wohlhabend geworden und ließen sich wuchtige Wohnhäuser errichten, die an Renaissanceschlösser erinnern.

Sensible Sanierung

Ein typisches Beispiel findet man in Hollenstein an der niederösterreichischen Eisenstraße. Das 1634 erbaute „Oberhammerhaus“ war nach dem Niedergang der Eisenindustrie in der Region mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben, die Substanz des Haupthauses desolat und eigentlich abbruchreif. Nur ein um 1770 errichteter Zubau war noch bewohnbar.

Für die Eigentümer-Familie stellte sich die Frage: alles abreißen oder von Grund auf sanieren. Als der Entschluss zur Wiederherstellung mit zeitgemäßer Adaptierung gefallen war, wollte man diese so feinfühlig wie möglich und mit authentischen Materialien vornehmen. Vorher bedurfte es allerdings einer grundlegenden Feuchtigkeitssanierung mit einer Trockenlegung der Kalkstein-Mauern und eine Drainage rund ums Haus.

„Zwar steht das Haus nicht unter Denkmalschutz, für uns war aber von Anfang an klar, dass bei der Sanierung keine grobe Verfälschung des historischen Charakters stattfinden darf“, erzählt Bauherr Friedrich Steinbacher, Ziviltechniker und Holzbau-Experte. Deshalb wurde dem alten Dachstuhl einfach ein neuer stabiler Dachstuhl darüber gebaut und mit neuen Lärchenschindeln gedeckt. Die jahrhundertalten Holzdecken und alle sichtbar bleibenden Dachstuhlhölzer in den Innenräumen wurden sandgestrahlt, blieben aber sonst unbehandelt. Bei den Kunstschmiede-Fenstergitter wurden der Rost entfernt, diese verzinkt und neu lackiert.

Zeitgemäßer Wohnstandard

Gleichzeitig wollte man einen modernen Wohnstandard in den Wohneinheiten erreichen und dabei so ökologisch wie möglich vorgehen. Die selbstgemachten Kastenfenster aus Holz bekamen Thermoglas. Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe sorgt für modernen Heiz- und Warmwasser-Komfort. Eine vom Haus aus nicht sichtbare Photovoltaik-Anlage auf einem Nebengebäude erzeugt den Strom.

Um den Niedrigenergiestatus zu erreichen, war eine thermische Fassaden-Dämmung unumgänglich. „Uns war wichtig, dass so weit wie möglich nur natürliche Materialen wie Glas, Stein, Holz und Eisen zum Einsatz kamen. Da kam für uns eine EPS-Dämmung nicht in Frage“, so Steinbacher.

Mit Hanf ummantelt

Hier kommen die Fassaden-Platten aus Hanf vom Perger Produzenten Capatect ins Spiel. Die stießen beim Bauherrn sofort auf Sympathie. „Die Hanfplatten waren relativ problemlos zu verarbeiten. Ein wenig komplizierter waren die gerundeten Gesimse zwischen Mauer und Dachvorsprung“, erzählt Steinbacher. „Wir bekamen aber besten Support von Leo Grenl, Capatect-Vertriebsmitarbeiter von der Niederlassung Amstetten“. Dieser stellte auch das geeignete Schneidegerät zur Verfügung.

Auf den Preisunterschied zu EPS angesprochen meint der Bauherr: „Bei kleineren Fassadenflächen spielt der höhere Preis der ökologischen Dämmstoff-Alternative gegenüber den Arbeitszeit-Kosten keine Rolle“.

Um dem historischen Gebäudestil treu zu bleiben, engagierte Steinbacher eigens den Fresko-Maler Andreas Lengauer aus Gresten für die Gestaltung der schwarz-weißen Sgraffito-Bänder, die sich als Weinlaub-Muster um die Fassade schlängeln.

Als Armierungsmörtel diente ein hoch-belastbarer mineralischer, carbonfaserverstärkter, weißer Werktrockenmörtel speziell für Capatect Wärmdämm-Verbundsysteme. Als Putz – Innen wie Außen – kam ein hochvergüteter, mineralisch gebundener Edelputz-Trockenmörtel auf Kalk-/Zement-Basis zur Anwendung.

Für die stilgetreuen Nachbildungen der historischen Gesimse und Profile sorgen Dekoprofile aus Recycling-Altglas – ebenfalls aus dem Capatect-Portefeuille.

Autor/in:
Redaktion Color
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