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"Jeder Euro, der in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert wird, rechnet sich langfristig doppelt oder dreifach", Georg Jungwirth, FH Campus02

Know-how made in Austria

31.08.2015

Im Kampf um das gesunde Wachstum können Innovationsstrategien helfen, die eigene Marktposition zu stärken – und machen auch kleinere Unternehmen fit für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung.

Sascha Ruhland, KMU Forschung Austria
Florian Wiesinger, Raumaustattung Wiesinger

Marktführerschaft, Innovationskraft, Internationalisierung: es sind scheinbar immer die großen Player, die mit ausgeklügelten Strategien den Weg zum unternehmerischen Gewinn ebnen. Dabei zeigen unzählige Kleinbetriebe, wie man in ihrer Branche zum nationalen oder auch internationalen Vorzeigebetrieb wird. Mit viel Engagement und klaren Zielen bietet das „Kompetenzzentrum KMU“ starke Wettbewerbsvorteile. „Die größte Triebkraft für einen andauernden Unternehmenserfolg ist der Faktor der Innovation“, erläutert Georg Jungwirth vom Campus02. Seit 2007 setzt sich der Betriebswirt und Marketingprofi im Rahmen zahlreicher Studien an der FH für Wirtschaft in Graz mit der Entwicklung heimischer KMU in verschiedensten Größen auseinander. Neben den Erfolgsfaktoren von so genannten Hidden Champions (siehe Kasten) liegt ein klarer Forschungsschwerpunkt auch in der Analyse von Erfolgsstrategien heimischer Familienbetriebe. Über 80 Prozent aller Familienunternehmen in Österreich haben weniger als zehn Mitarbeiter, viele davon arbeiten mit Strategien, die ihnen zu einer höchst starken Position innerhalb ihrer Branche verhelfen. All diesen Unternehmen ist gemein, dass sie Handlungsempfehlungen von den Hidden Champions konsequent umsetzen, und das unabhängig von der Betriebsgröße.

Langfristige Investition

„Jeder Euro, der in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert wird, rechnet sich langfristig doppelt oder dreifach“, skizziert Jungwirth. „Und das gilt auch für kleinere Betriebe.“ Innovationen in den Bereich F&E seien gerade in einem Hochlohnland wie Österreich unumgänglich, um national und international erfolgreich zu sein. Der Fokus auf innovative Produkte, die höchsten Qualitätskriterien entsprechen, verhilft den Betrieben auch zu einer guten Eigenkapitalrentabilität und teilweise zu einer unabhängigen Positionierung gegenüber Drittkapitalgebern. „Das gilt auch für Kleinbetriebe, die Investitionen aus dem eigenen Cashflow finanzieren.“ Dabei sind keine aufgeblasenen Strukturen im Rahmen eigener Entwicklungsabteilungen nötig. Wichtig ist, dass es jemanden gibt, der voll und ganz hinter der Innovationskraft des Betriebs steht. „Der Chef muss eine Unternehmenskultur vorleben, wo jeder Mitarbeiter willkommen ist, seinen Input zu Verbesserungen zu liefern, sei es im Produktbereich, beim Kundenservice oder bei internen Strukturen.“ Dabei dürfe man sich gedanklich gar nicht den Weg zur Innovation versperren, indem man die Entwicklung zu groß dimensioniert. „Es geht nicht immer um die weltbewegenden Erfindungen, sondern um kleine, stetige Verbesserungsschritte, die letzten Endes zur Innovation führen“, so Jungwirth. Diese schrittweise Verbesserung, die interne Abläufe oder Herstellungsprozesse betreffen kann, nennt man „inkrementelle“ Innovation. „Im Gegensatz zur radikalen, die so neu ist, dass sie den Markt komplett verändert, bietet die inkrementelle den Vorteil für viele kleinere Unternehmen, durch Tüfteleien und stetigen Fortschritten zu einer Innovation zu gelangen“, erklärt Sascha Ruhland von der KMU Forschung Austria. „Das bringt auch Kleinbetrieben langfristig den so viel gelobten Wettbewerbsvorteil.“

Innovationsmotor Kunde

Durch den Fokus darauf, was der Kunde will, entsteht auch unweigerlich ein großes Bewusstsein für den eigenen Qualitätsanspruch, denn nur gute, ausgeklügelte Produkte begeistern und sorgen so für eine enge Bindung und Folgeaufträge. „Wenn die Kundennähe groß ist, kommt der Kunde auch schneller mit Spezialfragen und Problemen, deren Lösung zu neuen Produktideen und damit zu einer Innovation führen kann“, so Jungwirth. Dabei muss in erster Linie dem Chef ganz klar sein, was der Kunde will – je näher die Idee am Betrieb und auch am Kunden ist, desto eher ist man damit auch nachhaltig erfolgreich. „Um das unternehmerische Risiko zu minimieren, steht am Anfang immer die Frage: was wollen die Kunden? Oft scheitern Betriebe bei der Kommerzialisierung eines Produkts, wenn es nicht zum Unternehmen passt“, bemerkt Ruhland. „Genauso wichtig wie der Enthusiasmus ist aber auch eine intensive Nachfragebetrachtung. Denn Kundenbedürfnis und passende Nachfrage sind nicht ein- und dasselbe.“ Dabei lohnt sich der Blick über den Tellerrand in Richtung Konkurrenz: eine gelungene Kooperation mit einem Branchenkollegen erleichtert oft die Umsetzung einer Idee, weil geteilte Personalressourcen und ein minimierter Kapitaleinsatz das unternehmerische Risiko verringern. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche Förderungen auf Bundes- und Landesebene. „Die Wirtschaftskammern sind hier die erste Anlaufstelle – sie wissen in der Regel sehr gut Bescheid, welche Förderungen es gibt und ob es sinnvoll ist, Förderbegehren einzureichen.“

Go international

Beratungskompetenz und Glaubwürdigkeit am Markt steigen auch mit einer klaren Spezialisierungsstrategie. „Wenn ich ein Produkt mit höchsten Qualitätsstandards für eine Nische mit entsprechender Nachfrage biete, kann unter Umständen der Heimmarkt schnell zu klein werden“, erläutert Jungwirth. Laut einer Studie der KMU Forschung Austria aus dem Jahr 2013 exportieren nur rund 24 Prozent der österreichischen Familienunternehmen Waren und Dienstleistungen ins Ausland. „Hier wäre definitiv Luft nach oben, denn der Schritt ins Ausland ist oft die logische Konsequenz einer Spezialisierungsstrategie und kann für viele Unternehmen langfristig den Erfolg sichern.“ Besonderes Plus: der Fokus auf einen speziellen Produktbereich hilft auch, das eigene Unternehmen stärker gegenüber großen Industriebetrieben zu positionieren.

Alles aus einer Hand

Als traditioneller Familienbetrieb mit einer langjährigen Geschichte zeigt die Firma Wiesinger Raumausstattung mit Sitz im oberösterreichischen Eferding, wie unternehmerischer Erfolg funktioniert. Dabei war der Anfang für Firmenchef Florian Wiesinger alles andere als leicht: „Als ich nach dem plötzlichen Tod meines Vaters den Betrieb übernahm, hat uns ein langjähriger Kunde mit einem Großauftrag in Linz über die schwierige Anfangszeit hinweggeholfen. Das ambitionierte Projekt konnten wir gut und professionell abschließen – das hat uns in weiterer Folge viele Aufträge beschert“, so Florian Wiesinger im Gespräch mit color. Mittlerweile ist der Familienbetrieb, der 1983 als Tapezierer und Raumausstatter startete, vorwiegend im Großprojektbereich tätig und beschäftigt in der Firmengruppe Wiesinger + Leitner Bautechnik gut 150 Mitarbeiter mit Standorten in Eferding und Asten. „Als einziges Unternehmen in Mitteleuropa sind wir in der Lage, von der Rohbetondecke bis zum fertigen Boden alles aus einem Haus anzubieten“, so Wiesinger. Betreut werden dabei auch Projekte im benachbarten Deutschland, vom Estrich über Systemböden, Sonderlösungen bis hin zur Raumausstattung und Tapezierung. Dabei ist ganz klar, dass sich auch die Mitarbeiter bis ins kleinste Detail mit den Produkten identifizieren. „Nur so können wir unsere Kunden bestens beraten und Qualität, Präzision und Sauberkeit liefern – egal, ob im Großprojektbereich oder im Privatkundenbereich.“

Erfolg motiviert

Schlanke Strukturen und klare Ziele schaffen eine Vertrauensbasis für alle Mitarbeiter – und die Kundenorientierung nach außen funktioniert nicht ohne die Mitarbeiterorientierung nach innen: „Wenn der Chef klar voranschreitet und die Werte des Unternehmens vertritt, schafft das bei den Mitarbeitern Vertrauen. Und das führt zu Motivation, geringer Fluktuation, höherer Produktivität und Qualität und somit auch zu mehr Kundenzufriedenheit“, bringt es Jungwirth auf den Punkt. Mit 25 Millionen Euro Jahresumsatz in der Firmengruppe schafft der Eferdinger Traditionsbetrieb den Spagat zwischen starken Zahlen und kontinuierlicher Mitarbeiterzufriedenheit – auch das gelingt laut Florian Wiesinger nur durch ein professionelles Miteinander. „Ich gehe täglich mit ganz klaren Schritten voran und lebe unsere Unternehmenswerte und Ziele. Das vermittelt unseren Mitarbeitern Sicherheit und Erfolg. Und Erfolg motiviert.“

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Autor/in:
Christina Mothwurf
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