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Licht in Form gegossen

02.03.2015

Decke, Wand und Licht wie aus einem Guss – die Leuchten aus der kleinen Manufaktur von Georg Bechter Licht verschmelzen mit dem Innenraum zu einer gestalterischen Einheit.

Kaum fünf Jahre ist es her, dass der Vorarlberger Tischler, Architekt und (Licht)Designer Georg Bechter die ersten Prototypen für seine innovativen Lampen entworfen und gebaut hat. Unzufrieden mit dem vorhandenen Angebot an handelsüblichen Standardleuchten entwickelte er eine kleine Kollektion, mit der er Licht und Raum in eine neue Beziehung setzt: „Leuchten, die sich aus der Raumoberfläche heraus entwickeln und der Architektur bzw. dem Raum die Bühne überlassen“, erklärt Bechter das reduzierte Design seiner archetypischen Kreationen. Mit seinen von Hand gefertigten Kleinserien hat er exakt den (Design)Puls der Zeit getroffen. Das beweisen nicht nur die vollen Auftragsbücher mit Bestellungen bis weit über die erste Jahreshälfte hinaus, sondern das bestätigen unter anderem auch diverse Designpreise, die er in den vergangenen Jahren für seine Lichtlösungen gewonnen hat. „Eine längst überfällige Innovation“, lautete beispielsweise das Urteil des deutschen Rats für Formgebung. Mit der Auszeichnung „Best of Best“ im Rahmen des Iconic-Awards verlieh die Jury Bechters Baldachin – der Designalternative zum klassischen Plastik-Deckenanschluss, einen der begehrtesten Gestaltungspreise der internationalen Designszene. 

Licht auf den Punkt gebracht

Knapp über 1.000 Leuchten waren es, die im vergangenen Jahr in der kleinen Manufaktur hergestellt und verkauft wurden. Das sind rund doppelt so viele wie im Jahr davor. Jährliche Zuwachsraten von 100 Prozent seit der Unternehmensgründung im Jahr 2010, in einem mit Industrieprodukten dicht besetzten Markt und in wirtschaftlich unruhigen Zeiten – das sind die Fakten, die seine beispielhafte Erfolgsgeschichte beschreiben.

Vorrangig aus der Not heraus oder besser aufgrund der Tatsache, dass er keine Produzenten für seine Entwürfe finden konnte, startete er mit seiner eigenen Produktion. So wurde die Scheune hinter seinem Haus kurzerhand zur Produktionswerkstatt umfunktioniert und bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt bastelte er seine erste Kleinserie: Verve - eine reduzierte Leuchte, die mit der Wand bzw. der Decke verschmilzt und nur als Lichtpunkt in Erscheinung tritt. „Ein Licht, das aus der Wand kommt, das die Wand zum Leuchten bringt und mit ihr verschmilzt. Ein Licht, das keine Leuchte ist, sondern eben nur Licht“, zeigt er seine Leidenschaft für reduziertes Design. „Eigensinnig wie wir Bregenzerwälder nun mal sind, mietete ich mir unter dem Label Georg Bechter Licht im darauffolgenden Jahr auf der Light + Building, der größten europäischen Lichtmesse, einen winzigen Stand zwischen all den großen Lichtkonzernen“ erinnert sich Bechter an sein Debut als Lampendesigner. Das Interesse war riesig: Alle sechs Messetage hindurch riss der Besucherstrom nicht ab. Mit seinem reduzierten Standkonzept und einer einzigen Leuchte stahl er den übergroßen Mitbewerbern die Show.

Technische Feinheiten

Nach diesem durchschlagenden Erfolg ging es zurück in die Scheune, wo er nicht nur an weiteren Entwürfen arbeitete, sondern vor allem an der Weiterentwicklung. Die Designlinie mit ihren weichen Kanten und fließenden Übergängen, die sich in der Fläche verlieren, war festgelegt. Nun galt es noch an der Funktionalität zu feilen und dem Design entsprechende, technische Antworten zu finden. Hunderte Arbeitsstunden später hat sich aus den ersten Prototypen nicht nur eine kleine Leuchtenfamilie, sondern neben der Architektur auch ein zweites berufliches Standbein entwickelt. Durch seine Lehrausbildung als Tischler verfügte Bechter über das notwendige Rüstzeug um seine Ideen und Visionen in vermarktbare Produkte zu verwandeln. „Meine handwerkliche Grundausbildung hat mir in der Startphase sehr geholfen. Ich kann mit den Handwerkern auf Augenhöhe sprechen und weiß in der Regel sehr genau, was sich realisieren lässt oder wo man in der Fertigung an die seine Grenzen stößt. Deshalb sind wir vergleichsweise schnell zu Produkten gelangt, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch wirtschaftlich herstellen lassen“, gibt Bechter das Geheimnis seines Erfolgs preis.

Heute verfügen alle Bechter-Leuchten über einen Retrofit-Sockel, der sich für den Einsatz von handelsüblichen LED-Lampen eignet. Denn klassische Glühbirnen produzieren zu viel Hitze, wodurch die feine Gipsoberfläche im Lauf der Zeit verkohlen würde.   

Design aus dem Zahnlabor

Aus der Scheune ist die kleine Manufaktur mittlerweile längst herausgewachsen. Vier Mitarbeiter sind heute in Vollzeit in der Produktion beschäftigt. Für frische Ideen und neue Designs steht das Team aus dem Architekturbüro zur Verfügung. So ist in den vergangenen Jahren eine kleine Leuchtenfamilie herangewachsen, die aus sechs unterschiedlichen Leuchten und Lichtobjekten besteht.

Das Material, dass er für die weichen Formen und Rundungen seiner Lampen verwendet, stammt ursprünglich aus dem Zahnlabor und wird üblicherweise für die Herstellung hochwertiger Keramik-Zahnkronen verwendet. Der spezielle Hart- bzw. Dentalgips zeichnet sich durch seine extreme Härte und ein minimales Schwindverhalten aus. Das bringt nicht nur beim Feinschleifen der Oberfläche nach dem Ausformen erhebliche Vorteile mit sich, sondern auch in der Montage. Kratzer oder Dellen durch den Einbau sind so gut wie ausgeschlossen. Dank des geringen Schwindens lassen sich die Lichtmodule ganz einfach mit Gewebeband und Flächenspachtel so mit der Wand oder Decke verbinden, dass auch auf lange Sicht keine unschönen Fugenrisse entstehen.

Eingebaut werden die einzelnen Module vom Trockenbauer – vorrangig in Gipskartondecken bzw. –wänden. Aus der simplen Trockenbauoberfläche wird so ein Gestaltungselement, dass die Raumstimmung und Atmosphäre nachhaltig bestimmt. Für einen stimmigen Gesamteindruck werden die Leuchten mit den Wand- und Deckenoberflächen in der entsprechenden Farbe mit einer Strukturwalze gemalt – fertig. Für besondere Effekte kann beispielsweise aber auch die Innenfläche der Kugelleuchte Vlobe vom Maler mit der Farbe des Interieurs gemalt oder mit Blattgold belegt werden, dass den Raum über die Reflektion in einen warmen, goldenen Schimmer taucht. 

An der Erweiterung der „Familie“ wird laufend gearbeitet, wenngleich sich Bechter auch in Zukunft auf Kleinserien in Handarbeit konzentrieren wird. Eine industrielle Fertigung kommt für Bechter-Leuchten nicht in Frage – dafür steckt viel zu viel Liebe zum Detail und zur unverwechselbaren, handwerklichen Qualität in seinen Entwürfen.   

Autor/in:
Tom Cervinka
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