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Welcher Terrassenboden?

06.05.2011

Alle Jahre wieder steigt zu Frühlingsbeginn die Nachfrage nach Böden für die Terrassen- und Balkongestaltung. Eine kurze Beleuchtung der derzeitigen Trends und angebotenen Lösungen.

rodukte für die Außenraumgestaltung sollen eine lang anhaltende, ansprechende Optik mit geringem Pflegeaufwand erfüllen. Durch die Lage von Balkonen und Terrassen sind diese höchsten Beanspruchungen ausgesetzt. Dazu zählen einerseits Temperaturunterschiede, welche beispielsweise bei plötzlichen Temperaturabfällen durch Niederschläge bis zu 50 Grad Celsius ausmachen können. Auch erfordert die ungeschützte Lage eine rasche Abfuhr der Wassermengen, wobei ein leichtes Gefälle erforderlich ist.

Die durchfeuchtete Kons­truktion hat mehrfache Frost-Tau-Wechsel-Zyklen unbeschadet zu überstehen, um eine lange Lebenszeit zu gewährleisten. Negativ wirken sich auch die Ablagerungen von Umwelteinflüssen wie Staub, Schmutz und Abgasen aus, indem diese sich zu einer dickeren Schicht an der Belagsoberfläche ansammeln.

Im Vordergrund steht damit das Nutzerinteresse für eine einfache und möglichst dauerhafte Reinigung der jeweiligen Fläche, wobei eine ausreichende Rutschhemmung vorhanden sein soll. Durch den Schichtaufbau der Konstruktion treten durch die Erwärmung unterschiedliche Ausdehnungen auf und es können Längenänderungen bis zu einigen Millimetern auftreten. Damit sind im Grenzbereich Schub- und Scherspannungen, welche an den kritischen Punkten eine Gleitschicht benötigen, um Konstruktionsschäden vorzubeugen. Einige grundlegende Möglichkeiten dazu nachfolgend im Überblick:

 

Edler Stein und Extrudierte Platten

In früheren Zeiten wurden oftmals großformatigen Fliesen oder Platten mit über 30 Zentimetern Kantenlänge in meist dunklen Farbtönen eingesetzt. Die dabei auftretenden Spannungen können sie nicht optimal aufnehmen und über die Fugen ausgleichen, wobei dies zu frühzeitigen Bauschäden führt. Der Einsatz von Naturstein-, Beton­stein-, Bodenklinker und Spaltplatten sowie Steinzeugfliesen ist möglich, sofern diese ­eine Wasseraufnahme unter drei Gewichtsprozent aufweisen. Des Weiteren sollte die Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse B, Rutschhemmung R8 und eine Beanspruchungsklasse höher Klasse drei erfüllt sein. Mit der Ausnahme von erdberührten Terrassen sollten keine Großformate eingesetzt und möglichst helle Farben verwendet werden.

Für die sogenannten extrudierten Platten sprechen viele Argumente:

 

Im Gegenzug zu Feinsteinzeugfliesen bieten stranggezogene (extrudierte) Platten durch ihre natürliche, stark strukturierte Rückseitenbeschaffenheit optimale Verzahnungseigenschaften und Haftzugfestigkeit. Im Vergleich zur Feinsteinzeugfliese bringt deren geringe Wasseraufnahme auch eine geringe Wasserabgabefähigkeit. Selbst eine kleine Menge Schwitzwasser, die sich aufgrund der Verlegeeigenschaften gebildet hat, kann nicht auf natürlichem Weg entweichen und sprengt sich deshalb den Weg durch die Fliese (Frostschaden). Fliesen sind daher für Länder wie Österreich, wo es im Winter sehr kalt sein kann, eigentlich nicht geeignet. Insgesamt sind die extrudierten Platten frostsicher, trittsicher, stilsicher, verlegesicher und beständig, belastbar, pflegeleicht, abriebfest und glut- wie feuerfest.

 

Holz in vielen Varianten

Terrassendielen werden meist in Lärche oder importierten Exotenholzarten angeboten. Neben der entsprechenden Auswahl des gewünschten Farbtons sollten auch die Nachhaltigkeit (FSC/PEFC-Zertifikat) und die Dauerhaftigkeitsklasse berücksichtigt werden. Diese wird in der ÖNorm EN 350-2 definiert und in Verbindung mit der ÖNorm EN 460 als Leitfaden für die Anwendung eingesetzt.

Traditionell wurden in mitteleuropäischen Breiten die Dielen immer glatt ausgeführt, da mit der natürlichen Verwitterung ohnehin eine strukturierte Oberfläche entsteht. Mit der verstärkten Einfuhr von exotischer Ware sind die Rillendielen von den Konsumenten mit der Begründung der Optik und Fußfreundlichkeit bevorzugt worden. Dabei ist an sich die in den Herstellländern genutete Rückseite die Sichtseite, wobei mittlerweile beidseitig gleich bearbeitete Varianten in gerillter Ausführung angeboten werden. Es tritt dadurch bei Nässe ein gefährlicher Schieneneffekt in Längsrichtung auf. Auch bedarf es einer regelmäßigen Reinigung, um Anlagerungen und Algenbewuchs vorzubeugen.

Weitere Varianten aus Massivholz sind die stabverleimte Art als auch die extrabreite Ausführung im dreischichtigen Aufbau. Diese zeichnen sich durch eine fußsohlenfreundliche Strukturhobelung und eine vergleichsweise hohe Formstabilität aus. Als weitere Alternative werden Hölzer (meist Esche) einer Thermobehandlung (TMT) ausgesetzt, welche neben einer höheren Formbeständigkeit eine Einstellung des Farbtons ermög­licht und die Resistenz gegenüber Pilzen und Holzschädlingen erhöht.

Eine weitere Verfeinerung wird durch eine Imprägnierung mit Naturharzen und Wachs (Natwood) erzielt, welche die Sprödigkeit und verminderte Druckstabilität durch die TMT-Behandlung aufhebt und ein Ausbleichen der Farbe verzögert. Diese Dielen werden bereits werkseitig oberflächenfertig geölt und mit einer stirnseitigen Nut-/Federverbindung für die Endlosverlegung vorbereitet.

Die Oberflächenvergütung erfolgt im Regelfall durch einen nicht filmbildenden Ölanstrich vor Ort. Um einer Vergrauung entgegenzuwirken, ist eine regelmäßige Nach­ölung notwendig und eine Behandlung mit Grauschleierentferner empfohlen. Dazu sind mittlerweile maschinelle Kombinationslösungen für Reinigung und Ölen erhältlich, welche dem Kunden im Zuge eines Wartungsvertrags die wesentliche Grundpflege abnimmt. Dabei wird im ersten Schritt die Oberfläche trocken gereinigt sowie angeraut. Als zweite Maßnahme wird das Öl über eine Düse aufgetragen und über eine Walze eingearbeitet. Die Lebensdauer des Belags hängt unter anderem von der verwendeten Holzart ab und beträgt von 15 bis über 25 Jahren.

WPC (Wood-Plastics Composites)

Diese Holz-Verbund-Werkstoffe sind Verbundmaterialien, welche aus thermoplastischen Kunststoffen und Holzfasern bestehen. Ein typisches Verhältnis für Terrassendielen in der Herstellung sind 70 Prozent Holzfasern, 25 Prozent Polyethylen oder Polypropylen und 5 Prozent Additive. Letztere werden für die Optimierung der Materialeigenschaften wie Fließfähigkeit, Farbgestaltung, Schädlingsbeständigkeit, Witterungs- und UV-Schutz benötigt. Das Material hat gegenüber der Holzvariante eine höhere Dichte mit einer geringeren Steifigkeit. Die Wasseraufnahme ist im Vergleich dazu verlangsamt, wobei eine höhere Dimensionsstabilität, geringe Riss- und Schieferbildung und Resistenz gegenüber Pilzbefall vorherrscht.

Bei WPC-Produkten wird derzeit an einer Verbesserung der UV- und Feuchtigkeitsbeständigkeit geforscht, wobei bereits von einzelnen Herstellern eine Lebensdauer von mehr als 25 Jahren zugesichert wird.

Derzeitige Produkte weisen ein anfängliches Ausbleichen der Oberfläche und mäßige Feuchtigkeitsaufnahme als zu erwartendes Materialverhalten aus. Schäden am Materialgefüge wurden durch hohe Temperaturwechselbeanspruchungen sowie durch Korrosion durch zu geringe Beimengung von Antioxidantien bei einzelnen Produkten festgestellt. Die Rutschsicherheit kann weitgehend mit Holzdielen verglichen werden. Die Gleitreibungskoeffizienten sind stark von der Oberflächenausbildung abhängig, wobei diese als mitunter geringer als bei Holz einzustufen sind.

 

Reisdiele

Dieser neue Werkstoff besteht aus Reishülsen, Steinsalz und Mineralöl und ist speziell für die Außenanwendung entwickelt. Die Witterungsbeständigkeit wird vom Hersteller Resysta auf 15 Jahre garantiert, wobei kein Reißen, Quellen, Splittern auftritt und er dauerhaft formstabil bleibt. Das extrudierte, salzwasserbeständige Material ist optisch und haptisch Tropenholz nachempfunden und kann wie Holz verarbeitet werden. Durch die Zusammensetzung wird Insekten- und Pilzbefall ausgeschlossen und eine lange Lebensdauer mit minimalem Pflegeaufwand gegenüber Holzbelägen für vielfältige Outdoor-Anwendung zugesichert. Die Verlegung kann je nach Profil verklebt, verschraubt oder genagelt werden wie bei herkömmlichen Systemen. Durch umweltfreundliche Lasuren in verschiedenen Nuancen wird eine individuelle Farbgestaltung auf der offenen, wetterfesten Oberfläche erreicht. Bei Langzeitbewitterungsversuchen wurde festgestellt, das nach über drei Jahren kaum sichtbare Veränderungen aufgetreten sind.

 

Werkstoffkombinationen

Als neuartiges Produkt gelten Holzelemente aus Robinie und Lärche in Verbindung mit Naturkautschukverbindern, welche durch ein einfaches Stecksystem aufgelegt werden. Die Matten können in beliebiger Größe vorkonfektioniert werden und sorgen für gute Durchlüftung und raschen Wasserablauf. Für die Randbereiche werden abgeschrägte Elemente für eine stolperfreie Ausführung angeboten und bei den Holzdecklagen können verschiedene unbehandelte Verbundoptiken ausgewählt werden. Sie erfordern keine weitere Unterkonstruktion und ähnliche Click-Verlegesysteme werden auch für WPC-und TMT-Produkte meist für den Balkonbereich angeboten.

Autor/in:
Redaktion Color
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