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Wie alte Leute wohnen (wollen)

26.11.2018

Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Das gilt für alle Altersgruppen. Kosten, Komfort und Klima sind dabei die wichtigsten Aspekte. Die Politik ist gefordert, dem demografischen Wandel mit zukunftsträchtigen Lösungen zu begegnen

Österreichs Bevölkerung wird älter. Exakt 8.823.054 Menschen lebten laut Aussendung der Statistik Austria zu Jahresbeginn 2018 in Österreich. 2021 wird gemäß Vorausschätzung die Neun-Millionen-Marke überschritten werden und in weiterer Folge sollte das Land im Jahr 2040 bereits 9,56 Millionen Einwohner zählen. Die stärksten Zuwächse werden für die Altersgruppe der über 65-jährigen Bevölkerung prognostiziert. Ihr Anteil wird für 2040 mit 26 Prozent vorausgesagt. Dieser Zuwachs basiert auf der ständig höher werdenden Lebenserwartung und dem Nachrücken von Männergenerationen, die von Kriegsverlusten unversehrt geblieben sind.

Der demografische Wandel, technologische Entwicklungen und Klimawandel werden uns in sämtlichen Bereichen unseres Lebens beeinflussen. Vor allem elementare Bereiche wie „Wohnen“ werden sich ändern. Wir werden künftig mehr barrierefreien, altersgerechten Wohnraum brauchen.

Smart Home für 60+

Ältere Menschen möchten so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Für Angehörige stellt dies meist eine große Herausforderung dar, weil sie sich um das Wohlbefinden der oft alleine lebenden Senioren Gedanken machen.

Alarm- und Videoüberwachungsanlagen sowie anderen Systeme, die zur Sicherheit im trauten Heim beitragen, werden zunehmend vom Staat, den Bundesländern und Gemeinden gefördert. Die Voraussetzungen und Zuschüsse variieren allerdings von Bundesland zu Bundeland. Am besten fragt man also gleich beim Kauf nach. Dirk Geigis, Pressesprecher Somfy Österreich: „Unsere Fachpartner können hier oft weiterhelfen. Und sie empfehlen die individuell am besten passenden Produkte.“ Diese können im Smart Home sehr einfach miteinander verbunden werden.

Mittlerweile vernetzt etwa die digitale Steuerbox Somfy TaHoma Premium über 200 Produkte – von motorisierten Rollläden über die Beleuchtung bis zur Alarmanlage. Mit der grafischen Benutzeroberfläche der Steuerbox erstellen die Bewohner selbst oder gemeinsam mit Angehörigen rasch und einfach individuellen Wohlfühlszenarien und Abläufe. Sämtliche Informationen und Steuerungsbefehle werden von der TaHoma-Box erfasst und weitergeleitet. Es können auch Bewegungsmelder oder Kameras in das TaHoma-System eingebunden werden. Geigis: „Natürlich erfolgt der Einbau solcher Systeme meist anlassbezogen. Aber wer möglichst lange unabhängig sein möchte, kann und soll rechtzeitig diese Maßnahmen mitdenken. Und sich nicht vor der mobilen Bedienung scheuen. Schließlich surft die Generation 60+ zunehmend mit dem Mobiltelefon im Internet oder lädt sich hilfreiche Apps für den Alltag runter. Warum also nicht diese für sinnvolle Systeme im eigenen Heim nutzen?“

Wohnen in Zukunft

Laut einer Umfrage von ImmobilienScout24 mit dem Titel: „Wie wohnen wir in 20 Jahren?“ zeigt sich, dass die Österreicher angesichts steigender Mieten und Immobilienpreise beim Thema Wohnen mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken. Anlässlich seines 20. Geburtstags befragte ImmobilienScout24 über innofact 500 Österreicher nach ihren Erwartungen an das Wohnen in 20 Jahren. Die Ergebnisse zeugen von der Angst der heimischen Bevölkerung: Die Mehrheit geht davon aus, dass die Preise weiter steigen, Geringverdiener aus Innenstädten verdrängt werden und alle mit weniger Platz auskommen müssen. Das Zuhause wird noch mehr zum Zufluchtsort in einer schnellen Welt.

Klares Konzept gefordert

Zwei Drittel der Befragten glauben, dass die Mietpreise weiter steigen und Wohnen unbezahlbar wird. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) geht davon aus, dass Einkommensschwache immer weiter in Randlagen abgedrängt werden, während Wohnraum in Innenstädten nur für Gutverdienende erschwinglich bleibt. Eine weitere knappe Hälfte (47

Prozent) der Befragten denkt, dass sich in 20 Jahren alle mit weniger Wohnraum begnügen müssen als jetzt – insbesondere in den Städten.

„Es braucht ein klares Konzept für das Bauen und Wohnen in der Zukunft, die richtigen Weichen dafür müssen jetzt gestellt werden. Bei ImmobilienScout24 wissen wir, was die Österreicher suchen – und das ist nicht unbedingt die Eigentumswohnung im Luxussegment, es braucht leistbare Alternativen“, so Christian Nowak, Geschäftsführer von ImmobilienScout24 in Österreich.

Zuhause als Rückzugsort

Dass das Zuhause insgesamt an Bedeutung verliert, weil wir immer mobiler und flexibler leben werden, können sich nur zehn Prozent der Befragten vorstellen – und das sieht auch die junge Generation unter 30 Jahren so. Im Gegenteil: 41 Prozent meinen, dass das Zuhause als Rückzugsort und Ruhepol in einer immer schneller werdenden globalisierten Welt noch wichtiger sein wird als heute. Dass es alle in die Stadt zieht und die Urbanisierung zunimmt, das vemutet nur ein knappes Viertel der Befragten (23 Prozent). Wohneigentum wird aus Sicht der Befragten kaum weniger erstrebenswert sein als heute – nur 14 Prozent können sich das vorstellen. Und eine Landflucht von den (Innen-)Städten hält nur etwas mehr als jeder Zehnte für denkbar.

Zukunft Wohnen

Eine Studie von Silver Living zum Thema „Herausforderung Alter, Politik und Institutionen“, zeigt ein ähnliches Bild. Uneingeschränktes Vertrauen beim Thema Leben im Alter gegenüber Politik und Institutionen ist bei den Österreichern nur gering vorhanden. Knapp drei Viertel der Befragten glauben, dass die Politik die österreichische Bevölkerung eher nicht bzw. auf gar keinen Fall ausreichend über das Thema Leben im Alter aufklärt. Ebenfalls knapp drei Viertel sagen, dass sich die Politik eher nicht genug bzw. auf gar keinen Fall um das Thema kümmert. Defizite werden vor allem, neben der Pensionssicherung, in einer generellen Pensionsreform gesehen.

Durchgeführt wurde die Studie von Peter Filzmaier, Geschäftsführer des Instituts für Strategieanalysen: „Im politischen Bereich genießen Lokalpolitiker mehr Vertrauen als Politiker auf Bundesebene, beide Werte bleiben allerdings klar unter 50 Prozent. Ältere Personen äußern im politischen Bereich und gegenüber Kirchen mehr Vertrauen, jüngere vertrauen eher der Gewerkschaft. Der Seniorenrat ist unter beiden Gruppen in gleichem Ausmaß bekannt bzw. unbekannt.“

40 Prozent der Befragten meinen, dass sich die Lebenssituation von Pensionisten in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. 56 Prozent sagen, dass ihre Lebenssituation im Ruhestand einmal schlechter sein wird, als die der Menschen, die heute in Pension sind; an eine Verbesserung glauben nur vier Prozent.

Die Befragten erwarten sich vor allem mehr Aktivität der Politik bei der Sicherung des finanziellen Auskommens und beim Thema Wohnraum für ältere Menschen. Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderung ist der Gesetzgeber gefordert, Maßnahmen wie Steuererleichterungen, schnellere Genehmigungsverfahren umzusetzen, Angleichung der österreichischen Förderlandschaft für freifinanziertes Seniorenwohnen an Vorbild Steiermark und Anpassung der gesetzlichen Bestimmungen bei der 24-Stunden-Betreuung an die tatsächlichen Erfordernisse in der Praxis, fordert Studienauftraggeber Silver Living.

Herausforderungen

Bis 2030 werden rund 23 Prozent der österreichischen Bevölkerung älter als 65 Jahre alt sein“, erklärt Walter Eichinger, Geschäftsführer Silver Living, der Marktführer im freifinanzierten Wohnbau für Seniorenwohnanlagen in Österreich. „Derzeit sind es nur 18,5 Prozent und bis 2040 steigt dieser Anteil auf 26 Prozent. 2015 waren rund 450.000 Österreicher pflegebedürftig, für 2050 werden in etwa 750.000 erwartet.“ Eichinger erwartet zudem eine stark wachsende Nachfrage bei Betreutem Wohnen: „Derzeit gibt es einen Bedarf von 70.000 Betreuten Wohnungen, dem gegenüber ein Angebot von 13.600 Wohnungen steht. Bis 2028 werden aber rund 100.000 Einheiten benötigt werden. Bei einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von 157.000 Euro pro Wohnung bedeutet dies bis 2028 einen Investitionsbedarf von rund 14 Milliarden Euro. Schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Politik nicht umhinkommen verstärkte Anstrengungen zu setzen.“ Zudem stehe die Politik vor der Herausforderung, dass in den nächsten Jahren ein Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Pflege und Betreuung droht. Gründe genug, dass das Thema „Herausforderung Alter“ an vorderster Stelle bei den Verantwortlichen gerückt wird.

Schlecht vorbereitet

Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass Österreich auf eine älter werdende Gesellschaft schlecht vorbereitet ist, nur vier Prozent zeigen sich sehr optimistisch. Eine sehr gute Vorbereitung Österreichs auf die unterschiedlichen Herausforderungen attestieren jeweils weniger als zehn Prozent, 20 bis knapp 40 Prozent sehen eine teilweise gute Vorbereitung. Besonders kritisch werden die Themen finanzielles Auskommen, Einsamkeit und Wohnraum für ältere Menschen gesehen. Eine Ausnahme ist die Gesundheitsversorgung älterer Menschen, bei der eine Mehrheit eine gute Vorbereitung sieht.

Angst vor Einsamkeit

Auch letztes Jahr hat Silver Living eine Umfrage durchgeführt. „In der von Silver Living 2017 durchgeführten Studie ‚Die Angst vor der Einsamkeit‘ befürchteten 50 Prozent der 60 – 69-Jährigen zu wenige Freunde und Bekannte im Alter zu haben und 33 Prozent partnerlos zu sein“, so Walter Eichinger. „14 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind überzeugt, dass sie einsam sein werden und zwei Drittel der Österreicher haben Angst vor Einsamkeit. Hauptängste der über 60-Jährigen sind Pflege, Demenz und Unselbstständigkeit. Darüber hinaus wurde Betreutes Wohnen von der österreichischen Bevölkerung als einig akzeptierte Alternative zur Betreuung im eigenen Haus gesehen.“

Forderungen an die Politik

Walter Eichinger leitet aus der Studie fünf Forderungen an die Politik ab:

  1. Pflege und Betreuung müssen als öffentliches Gut der Gesellschaft und Politik anerkannt werden, wie es auch der Europäischen Normenausschusses CEN/TC 449 des Europäischen Komitee für Normung (CEN) plant. Beispielsweise durch Förderung des Miteinanders der Generationen und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen zum Thema „Herausforderung Alter“ wie Aufklärungskampagnen, Vermittlung von Achtung für das Alter im Schulunterricht etc..
  2. Steuerliche Erleichterung für Unternehmen im Seniorenbereich, um mehr Projekte für die Senioren umzusetzen. Schon allein vor dem Hintergrund, dass derzeit beispielsweise die Bau- und Grundstückpreise steigen, könnte der Gesetzgeber aktiv werden.
  3. Bevorzugung in Ländern und Gemeinden durch eine schnelle Genehmigungsabwicklung für Unternehmen im Seniorenbereich. Beispielsweise schnellere Genehmigungen für Seniorenwohnheime.
  4. Anpassung der derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen bei der 24-Stunden-Betreuung an die tatsächlichen Erfordernisse in der Praxis.
  5. Österreichweite Angleichung der Förderlandschaft für freifinanziertes Betreutes Wohnen an Vorbild Steiermark (subjektbezogene und objektbezogene Subventionen).
Autor/in:
Diana Danbauer
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