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3.680 Unikate aus Edelstahl

12.04.2018

Die außergewöhnliche Form des Paneum stellte alle am Bau Beteiligten vor große Herausforderungen. Auch die Bekleidung des Gebäudes mit Edelstahlschindeln war für die spezialisierte Lummel GmbH & Co. KG kein alltäglicher Job. Spenglermeister Georg Lummel gibt Einblicke in die Ausführung.

KONSTRUKTIONSDETAILS

Die tragende Konstruktion ist ein in 3D-gefräster Holzkörper in einer Dicke von ca. 40 Zentimetern. Der Holzkern ist mit einer Dampfsperrbahn abgedichtet, auf der dann eine weitere formgebende Distanzunterkonstruktion in Form von gestanzten 2,0 Millimeter Stahlblechteilen mit einer Distanz von 200 Millimeter aufgesetzt wurde. Diese Distanzunterkonstruktion ist im gesamten Aufbau gedämmt. Die folgende Trägerschale aus formgestanzten Stahlblechen ist der Geometrie der Unterkostruktion angepasst und auf der Distanzunterkonstruktion befestigt. Zwei Abdichtungsbahnen gewährleisten die Dichtheit der Gesamtkonstruktion. Abschließend wurden die außenliegenden Edelstahlschindeln (ca. 3.680 Stück), jede ein Unikat, formgenau erstellt, gekantet und positionsgenau platziert. Material: Edelstahl 1,0 mm WST 1.4404 (Aperam) mit glasperlgestrahlter Oberfläche (Mirrorinox).

Die Lummel GmbH & Co. KG mit Sitz im deutschen Karlstadt ist ein weltweit agierendes Unternehmen für Bedachungen und Fassaden in Metall, Denkmalpflege, Innenausbau, Sonderbauteile, Flachdächer und klassische Spenglerarbeiten. „Wir entwickeln klassische Techniken der Spenglerzunft weiter und verbinden handwerkliche und industrielle Perfektion. Wir liefern nichts aus einem Produktkatalog“, beschreibt Geschäftsführer Georg Lummel die Firmenphilosophie. Die verarbeiteten Materialien sind Edelstahl, Stahl, Aluminium bis Titan.

Die Lummel GmbH & Co KG hat sich von einer traditionellen Spenglerei zu einem modernen Unternehmen für die Bereiche Fassadenverkleidung und Dacheindeckung mit verschiedenen Werkstoffen entwickelt. Heute klopfen immer wieder Stararchitekten wie die Schweizer Herzog & de Meuron, der Amerikaner Daniel Liebeskind, der Kanadier Frank O. Gehry oder das Wiener Architektenteam Coop Himmel(b)lau an. Sie suchen Einzellösungen für die Fassaden ihrer Vorzeigeobjekte. Dazu gehört seit kurzem auch das Haus des Brotes, das Paneum in Asten bei Linz.

INTERVIEW MIT SPENGLERMEISTER GEORG LUMMEL

Wie komplex war es, diese Fassade zu gestalten? Wo lagen die größten Herausforderungen? Die Gestaltung kommt vom Architekten, die Konzeptionierung mit allen funktionsbedingten Schichten ist bei solchen Geometrien die Herausforderung. Entsprechende Spezialisten im 3DBereich erbringen nach Konzeptfestlegung/Systemaufbau die notwendigen Daten, die zur Herstellung der Bauteile notwendig sind. Der Aufwand liegt wie immer in der formgebenden Unterkonstruktion. Die Schindeln sind dann nur noch Show.

Was spricht für das Material Edelstahl aus Spenglersicht? Das ist ein optischer Aspekt, das Material Edelstahl ist sicher nicht der beste Freund von uns Spenglern. Wobei wir eigentlich, ob Dach oder Fassade, grundsätzlich mit diesem Werkstoff die besten Erfahrungen haben.

Gab es Bedenken bezüglich Reflexionen, besonders angesichts der nahen Autobahn, des Flugverkehrs? Nein, es gibt keine Reflexion, da die Oberfläche glasperlgestrahlt ist.

Welche Form der Befestigung wurde gewählt? Es wurden mittels Konsolen formgebende Spanten in klar definierten Abständen auf dem formvorgebenden Holzkern befestigt. Diese Distanz-UK aus Spanten ist ausgedämmt. Auf die formgebenden Spanten (L-Winkel, Distanz- UK) wurden geometrisch ermittelte und formgeschnittene Stahlbleche/Tägerblech (orangenschalenförmig) stoßüberlappend aufgenietet. Des Weiteren folgte eine wasserführende Abdichtung. Das Ganze wurde als einschalige, nichthinterlüftete Fassaden-/Dachkonstruktion ausgeführt. Die ca. 3.680 unterschiedlichen Schindelbleche wurden dann mittels Dichtnietverbindung auf die Trägerschalen befestigt.

Können Sie uns Details zur Be- und Verarbeitung der eingesetzten Edelstahlschindeln verraten? Die Berarbeitung der Edelstahlschindeln war sehr aufwendig in der Geometrieerstellung und Fertigung. Abweichungen vor Ort am Gebäude hätten nicht funktioniert. Ständige Einmessarbeiten waren notwendig.

Wie wurde der Schneeschutz gelöst? Über eine Sonderlösung von Eisstoppern und über rückseitig aufgeklebte Heizmatten aus dem Fußbodenbau.

Warum hat Ihr Unternehmen den Zuschlag für diesen Auftrag bekommen? Weil der Bauherr von der ersten Minute wusste, dass wir die Vision umsetzen können. Ein Bauherr wie Peter Augendopler weiß, was er macht.

Autor/in:
Birgit Tegtbauer
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