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Achtung! Durchsturzgefahr!

29.10.2011

Eine der Hauptgefahrenquellen für Dachhandwerker – wenn auch oft unterschätzt – ist der Durchsturz durch nichttragende Wellplatteneindeckungen oder Belichtungselemente. Die eigenverantwortliche Umsetzung der wichtigsten Sicherheitsgrundregeln ist die beste Vorsorge.

Der Bau ist die Branche mit den meisten Unfällen. Eine von der Auva seit 2010 eingesetzte neue Systematik erlaubt nun auch die genaue Beschreibung des Unfallhergangs1. Hier beziffert die Auva die Anzahl der Arbeitsunfälle im engeren Sinn für 2010, den „Sturz oder den Absturz von Personen" mit 4.185 Unfällen und anschließenden 114.244 Krankenstandstagen. Das ist ein Durchschnitt von 27,3 Tagen je Unfall. Somit zählen Unfälle durch Fall aus oder in der Höhe, auf Dächern und Terrassen zu jenen mit der längsten Ausfalldauer. Auch in der Schweiz stehen Abstürze an der Spitze der Arbeitsunfälle mit schwersten und tödlichen Verletzungsfolgen. Durchschnittlich sind es in der Schweiz 9.000 berufsbedingte Absturzunfälle im Jahr, und 25 Unfälle davon enden tödlich

2 .Eine Vielzahl dieser Unfälle ereignet sich, wenn Arbeiter durch nichttragfähige Wellplattendeckungen oder Belichtungselemente brechen und oft aus großen Höhen abstürzen.

 

Wellplattendächer

Speziell das Thema „Arbeiten auf Wellplatten" hat hohe Brisanz. Wellplatten aus Faserzement sind nicht durchbruchsicher! Wenngleich es bei neuen Platten nur sehr selten zu gefährlichen Plattenbrüchen kommt, ist das ungesicherte Betreten von älteren Eindeckungen lebensgefährlich – ein Umstand, den auch die Dachprofis vielfach unterschätzen. Reparaturarbeiten, Montage von Solar- oder Photovoltaikanlagen, Schneeräumungen und Abtragarbeiten auf diesen Dächern gehören daher zu den gefährlichsten Dacharbeiten. Als ob die alternden Wellplatten selbst nicht schon gefährlich genug wären, sind es vor allem die Lichtplatten (dies gilt auch für Lichtplatten in Profilblechdächern), die verschmutzt und von oben nicht mehr als solche erkennbar sind – und regelrechte Fallen für den Handwerker darstellen. Die Beurteilung der Durchsturzsicherheit von Dächern kann nur von fachkundigen und dafür ausgebildeten Facharbeitern vorgenommen werden. Eine Checkliste dafür wird als Hilfe von der Auva zur Verfügung gestellt (www.auva.at unter Publikationen/Checklisten/nicht durchsturzsichere Dachelemente).

Dächer oder Dachteile aus nichtdurchbruchsicheren Materialien (Wellplatten aus Faserzement, Lichtplatten, Oberlichtbänder, Glasdächer) dürfen nur dann betreten werden, wenn geeignete Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden. Diese sind lastverteilende Beläge, Dachunterkonstruktionen wie volle Schalung, Unterspanntafeln, Drahtgitter, Fanggerüste, Fangnetze, Arbeitsplattformen oder allenfalls Sicherung durch Anseilen, sofern geeignete Anschlagpunkte vorhanden sind. Die „Planungsgrundlagen von Anschlagpunkten auf Dächern" von der Auva sieht daher bei allen neuen Wellplattendächern bereits die notwendigen Anschlagvorrichtungen vor.

FLachdächer.

 

Bei Flachdächern sind Randbereiche mit einer Absturzhöhe von mehr als drei Metern mit Geländern, Abgrenzungen oder sonstigen Schutzeinrichtungen auszurüsten. Die Sicherung dieser Bereiche setzt sich in der Praxis bereits recht gut durch. Nicht so bei den Belichtungselementen (Lichtkuppeln, Lichtbändern). Opale, nicht durchsichtige Kuppel und Lichtbänder vermitteln den Personen am Dach oder auf der Terrasse eine trügerische Sicherheit. Technisch sind diese Einbauteile wie Öffnungen zu behandeln und mit Geländern, Abgrenzungen oder Netzen zu sichern, sofern noch keine permanente Durchsturzsicherung vorhanden ist. Die ÖNorm B 3417 fordert, dass alle Belichtungselemente (z.?B. Lichtkuppeln, Lichtplatten, Lichtbänder) dauerhaft durchsturzsicher auszuführen bzw. mit entsprechenden Umwehrungen zu sichern sind. Bei den Ausstattungsklassen 3 und 4 sind alle Belichtungselemente begehbar oder mit Umwehrungen entsprechend den Arbeitnehmerschutzvorschriften bzw. Bauordnungen auszustatten. Anwendungsbeispiele dafür gibt es ja schon viele – mehr oder weniger wirksam.

 

Fazit

Vorhandene Grundlagen umzusetzen bringt Sicherheit für alle Beteiligen. In Österreich dokumentiert die ÖNorm B 3417 „Sicherheitsausstattung und Klassifizierung von Dachflächen für Nutzung, Wartung und Instandhaltung" den Stand der Technik für ständig am Dach angebrachte Sicherheitseinrichtungen. Die Norm bietet dem Planer und Ausführenden eine klare Grundlage für die Klassifizierung von Steil- und Flachdächern entsprechend ihrer Nutzung und schafft Rechtssicherheit für Auftraggeber und Auftragnehmer.

Die Auva-Planungsgrundlage ergänzt diese ÖNorm und unterstützt den Planer und den Dachfachman bei deren Umsetzung.

Weitere detaillierte Vorschriften würden nicht viel nützen. Viel wichtiger ist, die bestehenden Grundlagen allen Beteiligten näherzubringen und für eine eigenverantwortliche Umsetzung zu sorgen. Dieser Bericht soll auch dazu beitragen.

Autor/in:
Redaktion Dach Wand
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