Direkt zum Inhalt

Alles unter einem Dach

08.03.2018

Im April 2017 fand das offizielle Closing des Kaufs der Braas Monier Building Group durch das amerikanische Privatunternehmen Standard Industries statt. Durch diesen Schritt wurden Bramac Dachsysteme International und Villas Austria, die als Teil der Icopal-Gruppe bereits Anfang 2016 von Standard Industries erworben wurde, zu Schwesterunternehmen. Die Schirmherrschaft über die vereinten Unternehmen von Braas Monier und Icopal bildet die neugeschaffene BMI Group. Dr. Michael Utvary, Managing Director BMI Austria, erklärt im Inter view, was der Zusammenschluss dieser etablierten Unternehmen und Traditionsmarken für den heimischen Markt bedeutet.

Dr. Michael Utvary, Managing Director BMI Austria.

Der Name der neugeschaffenen BMI Group soll die neue Einheit von Braas Monier und Icopal symbolisieren. Beide ursprünglichen Unternehmen haben große Bedeutung am heimischen Dachmarkt. Wie werden die bestehenden, bewährten Produkte, die einerseits den Steildach-, andererseits den Flachdachmarkt bedienen, nun in der Praxis zusammengeführt?
Wir haben uns hier am Bekanntheitsgrad der jeweiligen Marken orientiert: Bramac hat inzwischen hohe Werte im B2C-Segment erreicht, während Villas stark im B2B-Segment verankert ist. Darauf haben wir unsere Produktstrategie aufgebaut und bereits im Letztverbraucher-Katalog 2018 umgesetzt: Unter der Marke Bramac findet der Konsument nun nicht nur Dachsteine, Dachziegel, Systemkomponenten und Solar, sondern auch Produkte aus dem Villas- und das Icopal-Portfolio wie Bitumenschindeln, die „Dichtdach“-Bahnen „Alpin“ und „Contur“ oder das Decra-Metalldachsortiment. In Zukunft werden wir das Markenprofil von Villas noch stärker in Richtung B2B schärfen und die Produktportfolios weiter entflechten.

Steil oder flach – ein ewiger Kampf um Dachflächen und Quadratmeter. Wie lässt sich diese Divergenz in einem Unternehmen vereinen?
Sehr gut, denn einerseits ergänzen sich die beiden Produktwelten hervorragend, anderseits hatten unsere Unternehmen in der Vergangenheit einen unterschiedlichen Fokus auf Zielgruppen. Nun haben sich ein systemorientierter Steildachanbieter mit Fokus auf Dachdecker und Zimmerer sowie ein projektorientierter Flachdachspezialist mit Fokus auf Architekten, Bauträger und Schwarzdecker vereint. Das ergänzt sich perfekt.

Welche Auswirkungen hat der Zusammenschluss auf die Kunden der bisherigen Geschäftspartner? Ist der Vertrieb getrennt organisiert, oder steht nun ein Ansprechpartner für Steildach- und Flachdachprodukte zur Verfügung?
Durch den schon angesprochenen unterschiedlichen Fokus der Unternehmen war es relativ leicht, den Vertrieb neu auszurichten. Dachdecker, Zimmerer und kleinere Baumeister werden von der Division Dach serviciert, die aus 15 Fachberatern besteht. Die Division Projekte und Abdichtung mit neun Fach- und technischen Beratern hat ihren Fokus auf Flachdachfirmen, Bauträger und Architekten. Unsere Kunden haben also nur einen Ansprechpartner, der jedoch bei komplexeren Projekten einen Kollegen aus dem jeweiligen Segment beiziehen kann.

Wie sehen die Pläne für die Marktbearbeitung im B2B- und B2C-Projektgeschäft aus? Welche Chancen und Risiken birgt es, ein Vollsortimentanbieter zu sein?
Ich denke, dass die Chancen überwiegen – wir müssen nur wie bisher unser Geschäft weiterentwickeln, das heißt, ohne Allüren, als verlässlicher Partner unserer Kunden. Wir werden weiterhin an unserem Service und der Qualität unserer Produkte arbeiten und auch in Zukunft Innovation einen hohen Stellenwert geben. Das größte Risiko ist, dass wir unsere Mitarbeiter mit dem riesigen Portfolio überfordern. Um das zu vermeiden, haben wir permanentes Training und intensive Kooperation in den Vordergrund gestellt.

Können Sie uns etwas zum Mutterunternehmen Standard Industries (SI) erzählen, das in Österreich eher unbekannt ist? Wer steht dahinter, was treibt ein amerikanisches Privatunternehmen nach Europa?
SI blickt auf ein mehr als 100-jähriges Bestehen zurück. Schon in den 1890er-Jahren wurden erste Abdichtungsbahnen auf Asphaltbasis produziert, 1912 kamen Schindeln dazu. Heute ist unsere Schwester GAF der größte Dachmaterialhersteller Nordamerikas. Die Vision der Eigentümer, ein global führendes Unternehmen mit starken lokalen Wurzeln zu schaffen, war wohl die wesentliche Triebfeder für den Sprung über den Teich.

Wie ist das Managementteam der BMI Group in Österreich aufgestellt? Sind bekannte Namen darunter?
Die meisten Kolleginnen und Kollegen kennt man schon seit vielen Jahren: Nicole Heher-Huber, bis dato Finanzchefin der Bramac Dachsysteme, hat nun als CFO die Gesamtverantwortung für die Finanzen der BMI Österreich übernommen und Alexander Koch in der Geschäftsführung der Bramac abgelöst. Thomas Schöffer leitet die Division Dach, Otto Lauritsch die Division Projekte und Abdichtung. Unterstützt wird das Kernteam von Renate Hörlezeder (Marketing), Jürgen Sedlmayer (Supply-Chain), Markus Fellinger (Produktion Villas) sowie Thomas Gassner (Produktion Bramac).

»Nun haben sich ein systemorientierter Steildachanbieter mit Fokus auf Dachdecker und Zimmerer sowie ein projektorientierter Flachdachspezialist mit Fokus auf Architekten, Bauträger und Schwarzdecker vereint. Das ergänzt sich perfekt.«

Wie lauten die Visionen und Ziele der BMI Group in Österreich und international für die nächsten fünf bis zehn Jahre?
Ständige Verbesserung unseres Service, marktorientierte Produktinnovation und die Entwicklung von Systemen stehen im Vordergrund unserer mittelfristigen Strategie.

Welche Rolle spielen Forschung und Entwicklung (F&E) in einem Unternehmen dieser Größe? Wie läuft die Produktentwicklung ab? Gibt es aktuelle Neuheiten, und welche Innovationen erwarten uns in nächster Zeit?
F&E hat einen sehr hohen Stellenwert, aber immer in Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Nehmen wir den Leichtdachstein „Classic Aerlox“ als Beispiel: Bei diesem Projekt haben wir unsere Dachdecker früh eingebunden, um ihre Ansprüche – hohe Bruchfestigkeit und Passung mit bestehendem Zubehör – in die Entwicklung einfließen zu lassen. Bei mehreren Pilotprojekten Ende 2017 waren die ausführenden Partner von der Qualität und dem Handling begeistert, sodass wir der in Kürze stattfindenden Markteinführung mit Spannung entgegensehen. Diese Kultur des Entwickelns mit unseren Marktpartnern wollen wir unbedingt beibehalten, denn nur so wird F&E nicht zum Selbstzweck, sondern schafft Werte, von denen alle profitieren.

Autor/in:
Birgit Tegtbauer
Werbung

Weiterführende Themen

Das Feedback unserer Kunden zeigt, wie sehr Regionalität und Kundennähe geschätzt werden.« Franz Kolnerberger
Markt & Menschen
09.05.2017

Mit dem Zusammenschluss der Wienerberger Ziegelindustrie GmbH mit der Tondach Gleinstätten AG ergeben sich neue Perspektiven für die Baustoffbranche. Ein Gespräch mit den Geschäftsführern Franz ...

Werbung