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Mit Erfahrung und Weitblick können ältere Mitarbeiter einen wertvollen Beitrag in jedem Unternehmen leisten.

In Alter Frische

12.07.2016

Mit Erfahrung und Weitblick können ältere Mitarbeiter einen wertvollen Beitrag in jedem Unternehmen leisten.

Ende Februar 2016 hat die Arbeitslosigkeit die Zahl von 405.722 vorgemerkten Personen erreicht. Damit beträgt die aktuelle Arbeitslosenquote gemäß Eurostat 5,9 Prozent, das bedeutet einen Anstieg um 0,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreswert.

Besonderes Sorgenkind unter den Arbeitslosen ist die Generation 50+. Klischees und Vorurteile älteren Mitarbeitern gegenüber halten sich hartnäckig. Seit Jahren sind Politik und Wirtschaft bemüht, das Bild zurechtzurücken. Denn ältere Mitarbeiter bieten viele Vorteile für das Unternehmen, die die Entscheidungsträger nicht unterschätzen sollten. „Die Erwerbsquote älterer Menschen liegt zurzeit in Österreich bei 41,1 Prozent und ist damit eine der niedrigsten in der Europäischen Union. Eine wertvolle und wichtige Ressource für Österreichs Unternehmen wird damit nicht annähernd ausgeschöpft“, so Christoph Leitl, Wirtschaftskammerpräsident. Ältere Arbeitnehmer verfügen über viel Erfahrung und tragen substanziell zum österreichischen Wirtschaftswachstum und zur Produktivitätsentwicklung bei. Von der verstärkten Erwerbseinbindung aller Alters- und Bevölkerungsgruppen profitieren nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern auch die Gesellschaft insgesamt. Langjährige Arbeitnehmer bieten ihren beschäftigenden Unternehmen Vorteile wie Erfahrungswissen, Marktkenntnisse und Kontakte. „Ältere Mitarbeiter sind oft ‚wandelnde Lexika‘. Ihr wertvolles Erfahrungswissen stellt eine wichtige Ressource dar. Durch Lernen in generationsübergreifenden Teams findet Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch statt“, erklärt Maria Kaun, Autorin der Broschüre „Ältere Arbeitnehmer: Das Herzstück im Unternehmen“, der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich. Zudem haben sie ein geringeres Freizeitunfallrisiko und sind zumeist sogar seltener krank. Mit dem Alter kommt ein Wandel der Leistungsfähigkeit, aber kein Leistungsabfall – Lernbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit bleiben erhalten, soziale Kompetenzen wie beispielsweise Teamfähigkeit nehmen erwiesenermaßen sogar noch zu. „Ältere Arbeitnehmer verfügen über wertvolles Erfahrungswissen wie Marktkenntnisse, Kundenkontakte und interne Betriebsabläufe. Daher haben wir bei der Restrukturierung unseres Unternehmens – trotz der Empfehlung, uns von älteren Mitarbeitern zu trennen – gerade auf dieses Wissen zurückgegriffen. Mit Erfolg“, bestätigt Gabriela Petrovic, Statistik Austria.

Dennoch sind ältere Arbeitskräfte besonders von der Langzeitarbeitslosigkeit bedroht, wenn sie ihre Beschäftigung verlieren. Speziell Arbeitnehmer über 50 sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit überproportional betroffen.

Situation am Arbeitsmarkt

Ein immer größerer Teil der Bevölkerung besteht aus älteren Menschen. Zahlreiche Berechnungen gehen davon aus, dass in wenigen Jahren fast die Hälfte der Arbeitskräfte über 40 Jahre sein wird. Gleichzeitig sind Beschäftigte bereits ab dem 45. Lebensjahr von einem Risiko der Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt bedroht. So waren in Österreich im Jahr 2014 im Jahresdurchschnitt pro Monat knapp über 80.000 Personen beim AMS als arbeitslos gemeldet, die mindestens 50 Jahre alt waren.

In den letzten Jahrzehnten kam es zu zahlreichen strukturellen Veränderungen am Arbeitsmarkt. Als Folge dieser Veränderungen entstehen neue Anforderungen an die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Mobilität, Flexibilität und Digitalisierung sind nur ein paar Schlagwörter, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen.

Häufig wird angenommen, dass junge Mitarbeiter schneller und besser auf derartige Veränderungen im Arbeitsprozess reagieren können, wohingegen ältere Mitarbeiter häufig als weniger leistungsfähig und belastbar gelten. Obwohl dieses Bild vom älteren Menschen bereits in den 1970er Jahren durch Studien widerlegt bzw. relativiert wurde, prägt es nach wie vor das Handeln vieler Personalverantwortlicher. So haben ältere Arbeitnehmer beispielsweise ein höheres Risiko des Arbeitsplatzverlustes, wenn wegen Veränderungen im Unternehmen Mitarbeiter gekündigt werden.

Situation im Betrieb

Häufig sind auch die Strukturen in den Betrieben nicht altersgerecht. „Produktivität ist nicht vom Alter abhängig, sondern von der Organisation der Tätigkeit“, bringt es Juhani Ilmarinen, Mitgestalter des finnischen Nationalprogramms für ältere Arbeitnehmer, auf den Punkt. Das heißt, ab einem bestimmten Alter können ältere Arbeitnehmer oft nicht mehr an Weiterbildung teilnehmen und stehen karrieretechnisch am Ende. Wenn es zu wenig Gesundheitsförderung im Betrieb gibt, sind ältere Mitarbeiter weitaus stärker betroffen als ihre jüngeren Kollegen. Zudem sind die Belastungen je nach Beruf und Branche unterschiedlich. So sind ältere Arbeiter der Baubranche eher von Verschlechterung der Gesundheit betroffen. Andere leiden mehr unter häufigen Änderungen in Bezug auf Organisation und Ablauf der Arbeit. Das Einsparen von Personal, sodass die gleiche Arbeit von weniger Personen gemacht werden muss, belastet ältere Mitarbeiter schneller und intensiver. Quer durch alle Branchen zeigt sich eine zunehmende Belastung durch Stress und Zeitdruck sowie durch den steigenden Kostendruck.

Wie in vielen Fällen, ist vor allem die Durchmischung der Schlüssel zum Erfolg: „Sogar für junge Firmen stellt sich heraus, dass ein Altersmix notwendig ist. Ältere Arbeitnehmer müssen sich nicht mehr beweisen und es besteht kaum eine Konkurrenz zu den jüngeren. Im Gegenteil – oft fördern ältere Mitarbeiter ihre jungen Kollegen“, weiß Josef Siess, Europäisches Service für Personalvermittlung und Unternehmensgründung.

Beschäftigung Älterer steigern Im Rahmen eines umfassenden Arbeitsmarktpakets sollen ältere arbeitslose Personen möglichst dauerhaft in den Erwerbsprozess reintegriert werden – das ist eines der wichtigsten Ziele der Arbeitsmarktpolitik 2013 bis 2018. Gezielte Förderungen des Arbeitsmarktservice für ältere Personen reichen von der Aktualisierung veralteter Qualifikationen über Höherqualifizierung und Lohnkostenzuschüsse bis hin zu Beschäftigung in sozialen Unternehmen.

Die Fördermittel für ältere Arbeitslose wurden deutlich aufgestockt. 2015 standen für die Initiative 50+ rund 120 Millionen Euro zur Verfügung. Sowohl heuer als auch 2017 werden jeweils 250 Millionen Euro aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung bereitgestellt, um über 50-Jährige, die länger als sechs Monate auf Jobsuche sind, wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das sieht eine No­velle zum Arbeitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz vor, die 2015 vom Nationalrat einstimmig gebilligt wurde. 60 Prozent der Fördermittel können demnach für Eingliederungsbeihilfen und Kombilohn und 40 Prozent für sozialökonomische Betriebe und gemeinnützige Beschäftigungsprojekte verwendet werden. Für Kurzarbeit werden in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils 20 Millionen Euro aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung bereitgestellt.

Wichtige Know-how-Träger

Die Erhöhung und Erhaltung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen ist nicht nur angesichts der demografischen Entwicklung, sondern auch aufgrund der zunehmenden Fachkräfteengpässe unerlässlich. Die Industriellenvereinigung hat in diesem Zusammenhang die Broschüre „Perspektive 50+ Best Practice-Beispiele der österreichischen Industrie“ zusammengestellt. Abgesehen von politischen Forderungen enthält die Broschüre 27 betriebliche Best Practice-Beispiele. Bei den Best Practice-Beispielen wurde vor allem auf die Bereiche Arbeitsorganisation, Führung, Weiterbildung und Gesundheit ein besonderer Fokus gelegt. Ziel der Broschüre ist es, das Engagement der österreichischen Indus­triebetriebe zur Gestaltung einer altern(s)gerechten Arbeitswelt aufzuzeigen, gleichzeitig aber auch wichtige strukturelle Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitskräfte anzuregen.

Gütesiegel Nestor Gold

Auch das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz setzt einen entsprechenden Schwerpunkt, mit dem Gütesiegel Nestor Gold. Ziel der Initiative ist es, in österreichischen Unternehmen und Organisationen das Bewusstsein für den besonderen Wert aller Generationen zu stärken, sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Förderung des Generationendialogs und -managements zu unterstützen und zu forcieren. In diesem Zusammenhang hat das Sozialministerium gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, den Sozialpartner-Organisationen und dem AMS das Gütesiegel entwickelt.

Im Laufe des Nestor Gold-Prozesses erhalten Unternehmen Handlungsanweisungen für den Umgang mit der demografischen Herausforderung, Begleitung bei der Qualitätssicherung und Förderung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses des Generationenmanagements sowie öffentliche Anerkennung der Aktivitäten und Programme zur Alters- und Generationengerechtigkeit.

Das Gütesiegel wird an Unternehmen und Organisationen verliehen, deren gesamte Organisationsstruktur generationen- und altersgerecht gestaltet ist und in denen die Potenziale und Bedürfnisse der Mitarbeiter in allen Lebensphasen berücksichtigt werden. Der ganzheitliche und nachhaltige Ansatz, der auf das aktive Einbringen der Erfahrungen aller Mitarbeiter sowie auf den Erhalt der Arbeitsfähigkeit abzielt, wird in vier Handlungsfeldern abgebildet. Insgesamt 27 Indikatoren unterstützen bei der Einschätzung des derzeitigen Standes und zeigen weitere Handlungs- und Verbesserungsmöglichkeiten auf. Die Indikatoren wurden vom Zertifizierungsbeirat entwickelt.

Autor/in:
Diana Danbauer
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