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Unterschätztes Geschäftsfeld Dachfenstertausch? Alleine in Wien liegt das Potential von benötigten Dachfenstern im Bereich der Sanierungen und Ausbauten bei rund 10.000 Dachfenstern jährlich.

Altes raus – Neues rein

10.09.2019

Dachhandwerker und Dachfensterproduzenten haben es derzeit nicht leicht im Steildachbereich. Wurden in den letzten drei bis vier Jahrzehnten mehrere Millionen Dachfenster in Österreichs Steildächer verbaut, so ist dieser Boom derzeit abgeflaut. Deshalb legen innovative Zimmereibetriebe und Hersteller ihren Fokus verstärkt auf Sanierungen und Dachfenstertausch.

In den frühen 1970er-Jahren gab es nur wenige Dachfensterproduzenten, und Dachelemente wurden meist ohne außenliegende Dämmung direkt auf die Dachlatten gesetzt. Nahezu unbeachtet blieben damals bauphysikalische Hintergründe wie Winddichtheit, Taupunkt und Kältebrücken, starke Kondensatbildung war oft die Folge. Daraus resultierten schlechte Dämmwerte und hohe Heizkosten, denn bei unsanierten Eigenheimen gehen rund 30 Prozent des Wärmeverlusts über die Dachfenster verloren. Im Winter war der Wärmeverlust oft deutlich zu sehen. Weitere Anzeichen für mangelnde Dichte waren die oft spürbare Zugluft. Auch die falsch ausgebildeten Innenleibungen unterstützten die Bildung von Kondensat enorm.

Die Krux mit dem Facharbeitermangel
Bis ins Jahr 2000 boomte die Dachfensterbranche. Im Wissen um die Bauphysik hat sich seither viel geändert, vor allem in Bezug auf geltende Normen und Dachhöhen sowie Dachunterkonstruktionen. Mittlerweile werden weniger Steildächer gebaut, die Branche ist im Umbruch. Was aber tun, um Dachfenster auf den Markt zu bringen? Und welche Möglichkeiten haben Dachhandwerker, neue Kundensegmente zu finden? „Prinzipiell ist die Antwort darauf recht simpel“, sagt Georg Pehn, Geschäftsführer von Roto Österreich: „Spezialisierung auf Sanierungen mit Fokus auf den Ausbau von Dachböden, vor allem in der innerstädtischen Verdichtung“. Doch viele Betriebe haben volle Auftragsbücher bis in den Spätherbst und suchen händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Viele Holzbauer und Dachecker beschränken sich deshalb auf ihr tägliches Business und haben oft gar nicht die Kapazitäten, sich mit dem Austausch einzelner Dachfenster auseinanderzusetzen. Obwohl der Markt enorm ist.

Millionen Dachfenster sanierungsbedürftig
Seit den 2000er-Jahren haben Dachfenster eine regelrechte technische Revolution erlebt. Produzenten sprangen auf den Ökologie- und Dämmzug auf und entwickelten „Dachfenster 2.0“ inklusive außenliegenden Wärmedämmblöcken, Kunststoff-Hohlkammerprofilen – wie im Fassadenfenster üblich – und Bedienbarkeit mittels BUS- und Fernsteuerungssysteme. Diese technologischen Neuerungen, verbesserte Einbausysteme, Adaptierungen an der Verglasung sowie die Verwendung alternativer Materialien haben in den letzten acht Jahren zu einem Quantensprung in der Entwicklung der Dachfenster beigetragen. Diese Entwicklung kam gerade zur richtigen Zeit – denn seit einigen Jahren müssen laut Schätzungen weit über eine Million Dachfenster der ersten Generationen generalsaniert werden.

Komplettangebot bei Sanierungen
Deshalb gibt es in Österreich einige Dachhandwerksbetriebe, die sich auf diese Sanierungen spezialisiert haben. Ein Unternehmen, das seit vier Jahren seinen Fokus rein auf Sanierungen von in die Jahre gekommenen Dachfenstern legt, ist die  Zimmerei Urban aus Hollabrunn (NÖ). Mit drei Mitarbeitern werden jährlich hunderte Dachfenster ausgetauscht. Nach der Besichtigung beim Kunden wird ein Angebot gelegt, das neben dem Austausch und der Reinigung auch die Entsorgung der alten Dachelemente inkludiert. „Jedes Dachfenster muss im Vorfeld besichtigt werden. Bei fast allen Fällen werden Dachfenster getauscht ohne die Laibung – in Österreich besteht sie zu 95 Prozent aller Fälle aus Gipskarton – zu ändern. Die Laibung wird gemessen, der Kunde sucht sich das passende Dachfenster, ein Schwing- oder Klapp-Schwingfenster, aus und wir liefern es millimetergenau angepasst“, beschreibt Franz Urban. Durch die richtige Vermessung der Messpunkthöhe können aufwändigen Brech- und Putz-Arbeiten vermieden werden. Franz Urban zeigt es vor. Dabei garantiert er einen Dachfenstertausch innerhalb eines Tages.

Bauboom in den Ballungszentren
Um die 2000er-Jahre wurden laut Angaben von Dachfensterherstellern in Österreich über 100.000 Dachfenster pro Jahr verbaut. Ein ähnlicher Boom spielt sich derzeit in den Ballungszentren ab, wo unzählige Dachböden ausgebaut werden. Alleine in Wien liegt das Potential von benötigten Dachfenstern im Bereich der Sanierungen und Ausbauten bei rund 10.000 Dachfenstern jährlich, weiß Georg Pehn von Roto.
Wo liegt nun das wirkliche Geschäft – bei Sanierungen oder Dachausbauten? „Bei den Sanierungen. Der Endkunde sieht oft sehr deutlich, wenn sein Produkt an Ende des Lebenszyklus angekommen ist und sucht dann jemanden, der sich auch ,nur’ um den Austausch eines Dachfensters kümmert. Und wie man am Beispiel der Zimmerei Urban sieht, lässt sich mit einer Spezialisierung darauf sehr gutes Geld verdienen. Da das sogenannte Objektgeschäft oft heiß umkämpft ist, haben Betriebe bei Sanierungsaufgaben meist mehr Spielraum. Natürlich vorausgesetzt, man ist hier fachlich kompetent und weiß genau, welche Handgriffe nötig sind – wie beim Boxenstopp in der Formel 1“, erklärt Pehn. 

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