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Attraktive Hülle

04.02.2015

Langlebigkeit, geringe Instandhaltungskosten und eine große gestalterische Freiheit sind für Thomas Buchsteiner die Vorteile einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade. Der Geschäftsführer des erfolgreichen Unternehmens FDT – facade design technology – verrät Tipps, Tricks und Trends für die Praxis.

Was sind die Vorteile einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade? Mit welchen Argumenten können Planer und Ausführende den doch meist höheren Preis rechtfertigen?  
Thomas Buchsteiner: Die Vorteile einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade sind Langlebigkeit, geringe Instandhaltungskosten und große gestalterische Freiheit. Zudem können verschiedene Funktionen und Features wie Photovoltaik, Sonnenschutz oder Werbung integriert werden. Durch den mehrschaligen Aufbau bleibt die Wärmedämmung das ganze Jahr über nahezu trocken, was die perfekte Kühlung und Wärmehaltung mit sich bringt.

Die Kühlung wird durch die höheren Temperaturen in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Es ist ein falscher Ansatz, bei so einem wichtigen Gebäudeteil vorrangig über Mehrkosten zu sprechen. Zum besseren Verständnis: Stellen Sie sich ein altes Bauernhaus vor, das zwischen 300 und 400 Jahre alt ist. Bei dessen Errichtung stellte sich wohl keiner die Frage, wie man das Gebäude günstig bauen kann, um diese Lebensdauer zu erreichen. Schon zu diesem Zeitpunkt galt die Außenhülle als Gebäudeschutz. Es geht um die Grundeinstellung. Hier wurde offensichtlich schon in der Planung sehr viel Zeit investiert. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich einiges an der Grundeinstellung zur Gebäudehülle verändert, aber auch in den Einflüssen und Anforderungsprofilen der Gebäude.
 
Brandschutz ist im wahrsten Sinne des Wortes ein heißes Thema im Fassadenbau. Was gilt es, in der Montage zu beachten, um ausreichenden Brandschutz zu gewährleisten?
Grundsätzlich die Definition der „Gebäudeklasse“. Eigentlich ist es ist ganz einfach: Jeder hat sich an die Vorschriften zu halten, die von den Behörden vorgeschrieben werden.

Bleiben wir bei der Ausführung: Was sind die kritischen Punkte in der Baupraxis? Wo liegen die häufigsten Fehlerquellen? 
Oftmals haben kleine Veränderungen große Auswirkungen auf das Projekt, zum Beispiel werden ähnliche Bauteile vertauscht, manchmal mit weitreichenden Folgen. Immer wieder werden auch Lagerbestände bzw. Altbestände verwendet, die für dieses Projekt nicht geeignet sind. Wichtig ist es vor allem, ordentliche Baupläne auszuarbeiten. Und die laufende Betreuung und Kommunikation auf der Baustelle sollte nicht vernachlässigt werden. 
 
Dauerthema Energieeffizienz: Was vermag die VHF hier zu leisten? 
Umwelteinflüsse wie Wind, Regen und Temperaturschwankungen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. UV- und Staubbelastungen nehmen immer mehr zu und fordern das Material. Höhere Wassermassen müssen über die Gebäude fließen. Und: War früher Lärm kein Thema, ist er heute zu einem wichtigen Punkt in der Gebäudeplanung geworden. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden übernehmen die Kühlfunktion eines Gebäudes, ebenso den Kälteschutz.
 
Was muss beim Einbau der Dämmstoffe bzw. Dämmstärken beachtet werden? 
Am wichtigsten ist die Wahl des richtigen Materials. Die Wärmedämmung muss ordentlich mit Pressfugen verarbeitet werden. Der Idealfall wäre ein 
stoßversetzter, zweilagiger Aufbau. Die Dämmstoffstärken werden österreichweit bauphysikalisch abgestimmt. 

 Wo liegen die Grenzen in der Vorfertigung in Bezug auf Größen, Dimensionen, Gewicht oder Antransport?
Das ist immer objektabhängig. Jedes Projekt bedarf einer eigenen Planung und Logistik. Dabei sind Standort und Lage des Projekts vorab als wichtiger Faktor zu berücksichtigen. Die Planung und Vorbereitung eines Projekts in 3.000 Meter Höhe hat andere Anforderungen wie im Tal. Hier zählen gute Erfahrungswerte oder gute Partner.
 
Was sind die gängigen oder beliebtesten Materialien, die derzeit an der Fassade zum Einsatz kommen? 
In erste Linie zählt natürlich der Gedanke, den Kunden eine Toplösung zu bieten. Ob wetterbeständiges Aluminium, Zink oder Kupfer, edler Stahl, langlebiges Terracotta, natürliches Holz, sauerstoffspendende Pflanzen, vielfältiger Naturstein, flexibler Kunststoff, atmungsaktives Textilgewebe, innovatives Glas, nachhaltige Photovoltaik – wichtig ist eine kompetente Beratung und Planung in allen Bereichen. Im Optimalfall sollten alle angrenzenden Gewerke berücksichtigt werden.
 
Wohin geht der Trend? Welche Materialien sehen Sie an den Fassaden der Zukunft? 
Jedes Gebäude hat seine eigenen Anforderungen. Dadurch wird auf jedes einzelne Projekt eingegangen. Grundsätzlich muss es langlebige und möglichst wartungsfreie Materialien geben. Die Vielfalt an Materialien wird nie ein Thema sein, nur stößt die technische Ausführbarkeit öfter an ihre Grenzen. Dabei kann die Wahl des richtigen Partners eine große Rolle spielen.
 
Gibt es spezielle Kurse oder Schulungen für Ausführende im Bereich VHF? Besteht Bedarf dafür?
Schulungen sind meist recht allgemein gehalten. Aufgrund der Vielfalt der Objektarten, Materialien und Systeme empfiehlt es sich, den richtigen Partner zu finden. Dieser ist in der Planungsphase sehr wichtig, um Erfahrungen sammeln zu können. Ich setze am liebsten auf Learning by Doing.
 
Haben Sie zum Abschluss noch einen Expertentipp für unsere Leser?
Mein Fazit für die Fassade: Alle Wünsche können umgesetzt werden. Es stellt sich nur die Frage, welches Material gewählt wird und welche unterschiedlichen Spezialisten mit ins Boot geholt werden. Mein erster Tipp für die interne Abwicklung: Die Vorbereitungsphase jedes Projekts ist das A und O – unabhängig von Größe und Standort des Objekts. Tipp zwei für die externe Abwicklung: Teilen Sie die unterschiedlichen Arbeitspakete auf. Entscheiden Sie frühzeitig über den Partner. Je früher diese Entscheidung gefallen ist, umso einfacher können sich die Partner im Projekt einbringen.

Autor/in:
Birgit Tegtbauer
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