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 Montage der Attikaelemente aus Purenit-Platten. Fotos Puren, Charwat.Attikaelemente aus Purenit sind Bindeglieder zwischen Flachdach- und Fassadendämmung. Fotos Puren, Charwat.Hocheffiziente PUR/ PIR-Dämmung für das Flachdach. Fotos Puren, Charwat.Keine Angst vor  Flamme: PUR/PIR-Dämmstoffe vertragen hohe Temperaturen. Fotos Puren, Charwat.Monolithisch erbautes Passivhaus mit 62 Apartments. Fotos Puren, Charwat.

Autark wohnen

07.11.2014

Im deutschen Kelsterbach, unweit des Frankfurter Flughafens, entstand dieses Jahr ein Apartmenthaus der Superlative. Das Gebäude ist mit den 62 Wohneinheiten deutschlandweit das zurzeit größte Passivhaus in monolithischer Bauweise. Attikaelemente und hochwärmedämmende Flachdächer leisteten einen erwähnenswerten Beitrag zu diesem gelungenen Objekt. 

Text: Gerhard Halama

Die Mieter werden sich wundern. Die Wohnungen besitzen keine klassische Heizung, sondern elektronisch geregelte Elektrodirektheizkörper, eine hocheffiziente kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und immer warmes Wasser im Tagesspeicher. Eine Kaltmiete gibt es in diesem Wohnhaus nicht. Die selbstversorgenden Bauherren haben beschlossen, dass es nur eine Warmmiete gibt. So spart man sich sogar die ungeliebte Heizungsabrechnung. 
Damit das alles auch so funktioniert, griff Planer Erwin Charwat konsequent auf die neueste verfügbare Technik zurück. Doch der Baupreis von weniger als 1.800 Euro pro Quadratmeter belegt eindrucksvoll, dass hier ein Realist am Werke war. Das Rezept klingt eigentlich einfach: Dreifachverglasung der Fenster, 49 Zentimeter dickes Ziegelmauerwerk, hochwertige Attika- und Flachdachdämmung und solide Dämmdicken in Keller und Dach. Die U-Werte der Wände liegen bei 0,14 W/m²K, der Flachdächer bei 0,1 W/m²K. Der Primärenergiebedarf beläuft sich auf lediglich 7,5 kWh/m²a. In einem Jahr wird man wissen, ob die auf dem Dach montierte 100-kWp-Photovoltaikanlage und die Steuerung der Ströme aus diesem Objekt vielleicht sogar ein Plusenergiehaus machen. 
Die Wohnungen benötigen so gut wie keine Heizung. Der größte berechnete Energieverbraucher ist mit prognostizierten 67 Prozent der Lüftungswärmebedarf. Deshalb wurden von den Haustechnikern hocheffiziente Wohnungslüftungssysteme mit mehr als 90-prozentiger Wärmerückgewinnung gewählt. 12,8 Prozent der Energie gehen durch die Fenster und 8,7 Prozent durch die Wände verloren. Das große Dach ist mit insgesamt nur 3,9 Prozent am Energieverbrauch beteiligt. Dazu haben entscheidend auch die modernen Attikalösungen von Puren beigetragen. 

Wärmebrücken vermeiden

Monolithische Mauerwerke, sind sie auch noch so dick und dämmend, offenbaren systembedingt Schwächen an Durchbrüchen aller Art. Mit partiellem Einsatz von Zusatzdämmungen lässt sich die Schwäche jedoch ausgleichen. Im Attikabereich erzeugt beispielsweise die oberste Betondecke, die das dämmende Mauerwerk komplett durchdringt, eine erhebliche Wärmebrücke. Hier setzte Planer Charwat auf das Attikaelement von Puren. Es dient als dämmendes Verbindungselement zwischen der sehr guten Dämmung des Flachdachs und der Zusatzdämmung der Wand.

Aus Schwächen werden Stärken

Bei hochwärmegedämmten Gebäuden fällt dieses Detail als geometrische, konstruktive und materialbedingte Wärmebrücke gleich dreifach ins Gewicht. Wärmebrücken fließen im Normalfall mit einem Psi-Wert in die Wärmeberechnung eines Gebäudes ein. Ein Psi-Wert von 0,3 besagt beispielsweise, dass der Wärmeschutz eines Bauteils um den Differenzbetrag 0,3 W/mK schlechter ist als das ungestörte Bauteil. Das Attikaelement von Puren weist hingegen im besten Fall mit –0,01 einen negativen Psi-Wert auf. Das bedeutet, dass ein mit dem Attikaelement gedämmtes Gebäudedetail bessere Dämmeigenschaften aufweisen kann als die angrenzenden ungestörten Dämmlagen des Flachdachs und der Fassadendämmung.

Flachdachdämmung ohne jegliche Kompromisse

Alle Flachdächer des Wohnhauses sind mit bis zu 290 Millimeter dicken PUR/PIR-Gefälledämmungen mit einem Lambda von 0,026 W/mK hochisolierend ausgeführt. Die Platten wurden auf einer bituminösen Dampfsperre verlegt und abschließend zweilagig mit bituminösen Dachbahnen abgedichtet. PUR/PIR-Dämmstoffe können kurzzeitig Temperaturbelastungen bis zu 250 Grad Celsius vertragen, und so dürfen die Bitumenbahnen problemlos mit dem Gasbrenner auf die Dämmstoffe geklebt werden. Die bituminöse Abdichtung ist auf die Attikaelemente hochgeführt und dort auf die mit einem bituminösen Haftanstrich behandelten Attikaelemente geklebt. 

Ströme in Schächten

Der Bau eines Apartmenthauses, das sich selbst versorgt, fordert vom Planer und Haustechniker neue Lösungen. Die Energie aus der eigenen Photovoltaikanlage muss vom Dach sicher in die Steuerzentrale im Keller geführt und in die Wohnungen weitergeleitet werden. Dazu entwickelte der Planer Erwin Charwat brandsichere vertikale Kanäle in den Treppenfluren und gut zugängliche Kanäle in der Außenfassade. 
Ende 2014 beginnt die Vermietung des Apartmenthauses. Alle Beteiligten sind gespannt, wie sich dieses große Haus mit 62 Mietparteien im ersten Winter ­verhält.

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