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Bauen mit Mehrwert

22.08.2013

Kurze Bauzeiten, höchste Energieeffizienz, beste Umweltverträglichkeit – das sind die Eigenschaften, die besonders dem Holzbau zugeschrieben werden. Erstmals untersuchte eine aktuelle Studie jetzt auch die wirtschaftlichen Aspekte bei der Verwendung von Holz als Baustoff.

Dass in Holz errichtete Gebäude höchste Ansprüche an Energieeffizienz erfüllen, geringe Emissionen in Herstellung und Verarbeitung aufweisen und am Ende ihres Lebenszyklus leicht zu entsorgen oder gut wiederzuverwerten sind, ist hinreichend bekannt und weitestgehend unumstritten. Der wirtschaftlichen Dimension beim Bauen mit Holz wurden dahingegen bisher wenig Bedeutung geschenkt – zumindest auf wissenschaftlicher Seite.

Eine unlängst veröffentlichte Fallstudie am Beispiel des Feuerwehrhauses Steinbach am Ziehberg brachte jedoch bemerkenswerte Ergebnisse für die regionale Wertschöpfung, wenn Gebäude aus dem vor Ort gewonnen und verarbeiteten Baustoff Holz errichtet werden. Ein Wertschöpfungsplus für die Unternehmen vor Ort von 162 Prozent im Vergleich mit einem mineralischen Standardbau brachte das Pilotprojekt zutage! In absoluten Zahlen bedeutet das beim Feuerwehrhaus Steinbach, dass rund 40.000 Euro Bruttowertschöpfung in der Gemeinde geblieben sind. Vergrößert man den Radius auf alle Gemeinden im Umkreis von 15 Kilometern, so kommt man auf circa 88.000 Euro. Dieses Ergebnis überraschte selbst die Experten des Kompetenzzentrums Holz, die in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur in Wien für die Erstellung der Studie verantwortlich zeichnen.

„Die vorliegende Fallstudie des Feuerwehrhauses Steinbach liefert eindrucksvolles und überaus überzeugendes Zahlenmaterial, welches bei zukünftigen Bauentscheidungen im öffentlichen Bereich dringend Beachtung finden sollte“, lautet die Empfehlung von Peter Schwarzbauer, Universität für Bodenkultur Wien, und Tobias Stern, Kompetenzzentrum Holz GmbH, die als Autoren an der Erstellung der Studie maßgeblich mitwirkten.

Naheliegend: Bauen mit Holz
„Es scheint, als hätte man das Naheliegende aus den Augen verloren. Anders ist es kaum zu erklären, dass es etwas Außergewöhnliches ist, wenn ein öffentliches Gebäude aus dem vor Ort gewonnenen und dem vor Ort verarbeiteten Material errichtet wird“, heißt es in der Ende März zum Tag des Waldes veröffentlichten Studie. Und so kommt es natürlich auch nicht von ungefähr, dass das neue Feuerwehrhaus in Steinbach ausgerechnet als Vollholzbau errichtet werden sollte. Immerhin arbeiten 35 Prozent der vor Ort beschäftigten Bevölkerung in der Holzwirtschaft und weitere 50 Prozent der Erwerbstätigen am Arbeitsort sind in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt.

Noch vor wenigen Generationen war es eigentlich selbstverständlich, das in der Region zur Verfügung stehende Material auch beim Bauen einzusetzen. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Umweltbewusstseins in breiten Bevölkerungsschichten und der Bewusstmachung der Verkehrsproblematik, die im Transport von Baumaterialien über weite Strecken steckt, gewinnt auch der Holzbau wieder zunehmend an Popularität. Unter dem Gesichtspunkt der regionalen Wertschöpfung und der Schonung von endlichen Ressourcen erfährt das Bauen mit lokal verfügbaren Materialien aber auch wieder wachsende Anerkennung. Hinzu kommt beim Holzbau schließlich noch die Tatsache, dass Holz als einziger nachwachsender Baustoff in Österreich in großen, wirtschaftlich gut nutzbaren Mengen nachwächst. Denn nach wie vor vergrößert sich die österreichische Waldfläche jährlich um rund 18 Millionen Kubikmeter Holz. Das ist rund dreimal so viel, wie für den gesamten heimischen Hochbau eines ganzen Jahres benötigt würde. Es wächst also wesentlich mehr Holz nach, als tatsächlich wirtschaftlich verbraucht bzw. verbaut wird.

In ökologischer Hinsicht punktet der Holzbau vor allem als CO2-Lagerstätte. Denn durch die vermehrte bauliche Verwendung von Holz und des damit nachwachsenden Baumbestandes wird der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid entzogen und Kohlenstoff in Holzgebäuden langfristig gespeichert. „Der Holzbau kann damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, der zukünftig auch im Rahmen des Kioto-Protokolls angerechnet wird“, erklären Schwarzbauer und Stern.

Regionale Werte
Das Feuerwehrhaus in Ziehberg ist nicht nur Vorzeigeprojekt für ökologisches Bauen, sondern stellt auch ein Paradebeispiel für die Förderung der lokalen Wirtschaftsbetriebe dar. Das gesamte Gebäude wurde in Vollholz errichtet, was für sich allein genommen noch nicht außergewöhnlich ist. Die Besonderheit liegt aber darin, dass das gesamte für den Bau benötigte Holz ausschließlich aus der Region stammt und auch regional verarbeitet wurde. Die Bäume stammen aus den Wäldern einer Liefergemeinschaft, der neun Steinbacher Waldbesitzer angehören, und wurden allesamt unweit vom Standort des Feuerwehrhauses geschlägert. In einem ortsansässigen Sägewerk wurden die Bäume zu Schnittholz weiterverarbeitet und anschließend vom Holzbaubetrieb Bammer Holzbau in der Nachbargemeinde Scharnstein zu vorgefertigten Wand-, Decken- sowie Dachelementen weiterverarbeitet. Um die Errichtungskosten zu reduzieren, legten die Feuerwehrleute von Steinbach beim Bau des Zeughauses selbst mit Hand an und erbrachten eine Eigenleistung von circa 60.000 Euro.

Für die Projektkoordination und gesamtbauliche Umsetzung wurde die Linzer GWB (Gesellschaft für den Wohnungsbau) als Generalübernehmer engagiert. Diese übernahm nicht nur die Ausschreibung und den Architekturwettbewerb, sondern sorgte auch für die Zwischenfinanzierung. Für die architektonische Gestaltung zeichnet das Architektenteam von Zellinger Gunhold + Partner mit Sitz in Linz verantwortlich, die den Architekturwettbewerb für sich entscheiden konnten.

Konstruktiver Holzbau
Mit Errichtungskosten von etwa 1,1 Millionen Euro wurde das knapp kalkulierte Baubudget überschritten. Ausschlaggebend für die Mehrkosten war aber nicht die Errichtung in Vollholz, sondern der vorab nicht kalkulierbare Mehraufwand, der bei der Gründung des Gebäudes in Hanglage und dem erforderlichen Bau eines Retentionsbeckens entstand.

Der Baukörper selbst besteht aus dem zweigeschoßigen Zeughaus, einer Halle für drei Einsatzfahrzeuge und dem Schlauchturm. Im Obergeschoß des Zeughauses befindet sich neben einer Küche und einem Schulungsraum auch ein Raum für die Jungfeuerwehr. Das neue Feuerwehrhaus ist so in den Hang gesetzt, dass es sowohl über den großzügigen Vorplatz als auch über das Obergeschoß an der Rückseite betreten werden kann.

Das Erdgeschoß wurde aufgrund der Hanglange durchgehend in Massivbauweise ausgeführt. Das Obergeschoß, das Flachdach sowie der Schlauchturm ab Obergeschoßkante wurden als konstruktiver Holzbau errichtet. Für die Wände, Zwischendecken und das Flachdach kamen Dübelholzelemente zum Einsatz, die aufgrund der Vorfertigung einen schnellen Baufortschritt sicherstellten. Die mit dem Tieflader an die Baustelle angelieferten Einzelelemente bestehen aus einzelnen Vollholzteilen, die lediglich verdübelt wurden und so eine stabile Massivholzwand bzw. Massivholzdecke bilden. Die tragenden Elemente besitzen Wandstärken zwischen zwölf und 18 Zentimetern, nichttragende Innentrennwände haben eine Dicke von acht Zentimetern. Alle Außenwände wurden mit Zellulose gedämmt und mit einer hinterlüfteten Fassade aus vertikalen Lärchenholzbrettern verkleidet. Eine spezielle, einmalig aufgebrachte Lasur ahmt die natürliche Vergrauung des Lärchenholzes unter Sonneneinstrahlung nach und sorgt somit für ein einheitliches Erscheinungsbild, ohne dass durch die Bewitterung Wartungsanstriche erforderlich werden. Im Innenraum sind nahezu alle Holzoberflächen naturbelassen und sorgen für eine angenehme Raumatmosphäre. Fast nebenbei bleibt damit auch der konstruktive Holzbau im Inneren ablesbar.  

Ökonomisch und ökologisch ­überzeugend  
Im Fokus der Studie des Kompetenzzentrums Holz und der Universität für Bodenkultur stand der Vergleich unterschiedlicher Bauweisen am konkreten Standort des Feuerwehrhauses in Steinbach am Ziehberg. Konkret wurde der errichtete Vollholzbau mit einem Alternativbau, der ausschließlich aus mineralischen Baustoffen hergestellt wurde, theoretisch verglichen.    
In ökonomischer Hinsicht erweist sich das Feuerwehrhaus als Gewinn für die gesamte Region: 162 Prozent höhere Bruttowertschöpfung des Holzbaus im Vergleich mit der mineralischen Alternative sprechen eine deutliche Sprache.

Einer in Zahlen ausgedrückten regionalen Wertschöpfung von mehr als 88.000 Euro steht beim mineralischen Bau ein Wert von knapp unter 34.000 Euro gegenüber. Wobei zu erwähnen ist, dass diese Wertschöpfung allein durch den Baumeister erwirtschaftet werden würde, da sonst kein weiterer Akteur in der Region zum Zuge gekommen wäre. Aber auch in ökologischer Hinsicht weiß der Vollholzbau zu überzeugen. So wurde beispielsweise das Prinzip der kurzen Wege beim Feuerwehrhaus in nahezu idealtypischer Weise umgesetzt. Der Vergleich mit der ausschließlich mineralischen Bauweise führte zu drei wesentlichen Kernaussagen:

Erstens könnten ausgehend vom Ressourcenverbrauch für ein Objekt in mineralischer Bauweise die konstruktiven Elemente von drei Vollholzgebäuden produziert werden. Zweitens könnten – in Bezug auf die Treibhausgasemissionen – als Äquivalent zum Standardgebäude die konstruktiven Elemente von sieben Vollholzbauten hergestellt werden. Und drittens ist der Primärenergiebedarf für die Standardgebäudevariante viermal so hoch wie beim Einsatz von Holz als überwiegenden Baustoff.

Dabei wurden bei diesen Ergebnissen die Auswirkungen der Kohlenstoffspeicherung im Holz und der Energieinhalt des verbauten Holzes noch nicht einmal berücksichtigt. Dass der Bau des Feuerwehrhauses aber kein Einzelfall mit speziellen Rahmenbedingungen und einer einmaligen, örtlichen Konstellation von Unternehmen an einem bestimmten Standort in Oberösterreich ist, weiß proHolz-Geschäftsführer Markus Hofer: „In fast jeder oberösterreichischen Gemeinde gibt es Wald. Etwa 42 Prozent der Landesfläche sind mit Wald bedeckt. Fast überall gibt es in der näheren Umgebung auch ein Sägewerk und einen Holzbaubetrieb. Die in Steinbach aufgezeigte Methode könnte hierzulande also so gut wie überall zur Anwendung kommen.“

Text?Tom ?ervinka

Autor/in:
Redaktion Dach Wand
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