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Dachbegrünung – wohin geht der Weg?

13.05.2020

Die vergangenen fünf Jahre haben deutlich gezeigt, dass der Dachbegrünungsmarkt in Österreich pro Jahr verlässlich um rund zehn Prozent zulegt. Gleichzeitig sind auch die Anforderungen an Dachbegrünungen als innovative und multifunktionale Bauweisen im Kontext der Klimawandelanpassung gestiegen. Ein Überblick der aktuellen Trends in der Dachbegrünung.

Das stetige Wachstum in der Dachbegrünung ist auf vielfältige Faktoren zurückzuführen: Einerseits werden die Vorteile und Wirkungsweisen von Dachbegrünungen immer bekannter und transparenter, daher auch attraktiver für Investoren. Andererseits werden Dachbegrünungen von einer wachsenden Anzahl von Gemeinden und Städten bei Neubau und Sanierung vorgeschrieben und teilweise auch gefördert. Und gerade in Zeiten von Covid-19 wird deutlich: Gebäudeintegrierte Freiräume in nächster Nähe zum Wohn- und Arbeitsplatz spielen eine große Rolle für unsere physische und mentale Gesundheit und unser Regenerationsvermögen.
Die 2010 beim Austrian Standards Institute erschienene ÖNORM L 1131 regelt als Standard grundsätzliche Anforderungen an Dachbegrünungen, wobei hier zwischen extensiven und intensiven Bauformen unterschieden wird. Für Dachbegrünungskomponenten und Gesamtaufbauten vergibt der Verband für Bauwerksbegrünung als Qualitätsmerkmal das Gründach Gütesiegel, welches Bauherren und Planern als Hilfe dient. Geprüft wird hier im Wesentlichen nach den im Anhang der ÖNORM L 1131 definierten Kennwerten für Komponenten und Aufbauten.

State of the Art-Klimawandelanpassung
Gleichzeitig sind auch die Anforderungen an Dachbegrünungen als innovative und multifunktionale Bauweisen im Kontext der Klimawandelanpassung gestiegen. Eine Dachbegrünung muss daher noch viel mehr leisten können als bisher. Sie muss mit Energieerzeugung kombinierbar sein, Mehrfachnutzung pro Quadratmeter Fläche zulassen, mikroklimatische Kühlleistung erbringen, die Energieeffizienz des Gebäudes in Verbrauch und Produktion steigern, Starkregenereignisse speichern und ein attraktives Umfeld für die Nutzung durch uns Menschen, aber auch die Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität bieten können. Das folgende Kurzprofil soll einen ersten Einblick für Interessierte in die Kombinationsbauweise von Dachbegrünungen und Solaranlagen ermöglichen.

Erneuerbare Energien und grüne Infrastrukturen
Um speziell bei Photovoltaikanlagen verschattende Vegetation zu vermeiden, müssen die Aufbauhöhe der extensiven Dachbegrünung, das Artenspektrum und die Distanz zur PV-Anlage optimal in Einklang gebracht werden. Bauformen mit einem Abstand von Substrat zur Unterkante des PV-Paneels größer 30 Zentimeter haben sich bewährt. Namhafte Systemlieferanten und Verarbeiter setzen auf diese Bauweise, da sie nicht nur Wasserrückhalt, ökologischen Ausgleich und eine Effizienzsteigerung der Solaranlage mit sich bringt, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt leistet. Die Halterung für die Paneele ist direkt in die Drainage- und Speicherebene des Gründachaufbaus integriert, Substrat und Pflanzen übernehmen die Auflasthaltung. Es müssen dementsprechend keine Durchdringungen vorgenommen werden. Eine Nutzung durch den Menschen ist hier nicht vorgesehen. Durch die teilbeschatteten Bereiche entstehen jedoch wertvolle ökologische Nischen – so können beispielsweise Wildbienen und Vögel von dieser Bauweise profitieren.
Ein deutlich höherer Abstand von über zwei Metern unter der Verwendung von Pergolastrukturen mit intensiver Dachbegrünung in auflastgehaltener Bauweise und der Bedeckung mit semitransparenten PV-Modulen kommt zur Anwendung, um auch für den Nutzer attraktive Dachstandorte bereitzustellen. Unter dieser Photovoltaikanlage wird Gemüse angebaut oder intensiv, ähnlich einem Garten, begrünt. Es entstehen beschattete Aufenthaltsbereiche, und Regenwasser wird direkt in die Dachbegrünung eingeleitet, durch Verdunstung über Pflanzen und Substrate entstehen kühle Rückzugsorte. Speziell im Wohn- und Arbeitsumfeld oder auch in der Bestandsaufwertung gewinnt diese effiziente Bauform derzeit an Attraktivität.

Was hält die Zukunft bereit?
In der Schweiz widmet sich ein Team aus Forschern und Systemanbietern derzeit der Aufgabenstellung, für Lagen mit erhöhtem Schneeaufkommen und vermehrtem Energiebedarf in den Morgen- und Abendstunden neue Lösungen anzubieten. Die vertikal-bifaciale Aufständerung ermöglicht einen vereinfachten Umgang mit Schneebedeckung, und durch die Verwendung von hellen Substraten und silberlaubigen Pflanzenarten wird die Reflexion und damit der Ertrag in den Morgen- und Abendstunden gesteigert.

Hinweis:
Der Verband für Bauwerksbegrünung und das Team von Grünstattgrau informieren Sie gerne: www.gruenstattgrau.at

Autorin: Vera Enzi

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