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Dachdurchdringungen

22.03.2018

Neben den üblichen bauphysikalischen Herausforderungen an die luft- bzw. winddichte Ausführung und Hinterlüftung der Dachhaut werden besonders in puncto dehnungsgerechte Ausführung hohe Anforderungen an den ausführenden Spengler gestellt.

TEXT DI WILFRIED RUBENZ / RHEINZINK AUSTRIA GMBH

Dachgeschossausbauten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Bis dato ungenutzte Dachböden werden für Wohnzwecke zu Wohlfühloasen umgebaut. Um die Wohnqualität unter dem Dach sicherzustellen, ist neben einer langlebigen Dachdeckung mithilfe von Dachflächenfenstern für ausreichend Licht und Luft zu sorgen. Nach wie vor werden viele dieser Dächer mit Stehfalzdeckungen versehen, da diese Deckungsart weitverbreitet ist und in einem Dachneigungsbereich von drei bis 90 Grad eingesetzt werden darf. Dadurch lassen sich auch Gaupenaufklappungen sicher herstellen. Neben den üblichen bauphysikalischen Herausforderungen an die luft- bzw. winddichte Ausführung und Hinterlüftung der Dachhaut mit ausreichenden Zuund Abluftöffnungen werden besonders in puncto dehnungsgerechte Ausführung hohe Anforderungen an den ausführenden Spenglerbetrieb gestellt.

Der Doppelstehfalz ist eine der beliebtesten Techniken, um die Schare regendicht zu verbinden. Leider wird aber oft vergessen, dass im Falle einer Verbindung der Schare mit dieser Verbindungstechnik eine unterschiedliche Bewegungsaufnahme der Bahnen aufgrund verschiedener Fixpunktlagen ausgeschlossen ist. Das Dach muss vielmehr als homogenes Ganzes gesehen werden. Fixhafte zur Lagesicherung der Bahnen befinden sich bei steilen Dachneigungen zumeist am oberen Scharende und hindern die Bahn am Abrutschen (Abb. 1 + 2).

Die Folge davon können Welligkeiten sein, die nicht selten zu Dehnungsrissen und in weiterer Folge zu Wassereintritten führen. Provisorien mit Flüssigkunststoffen sind zwar eine gute Alternative, um vorhandene Risse möglichst rasch abzudichten, aufgrund der zu erwartenden Bewegungen kann man aber nicht von dauerhaften Lösungen sprechen. Noch dazu wird man sich vermutlich auch vom Bauherrn Kritik gefallen lassen müssen, da er ein Metalldach mit all seinen Vorteilen und womöglich mit einer wartungsfreien Oberfläche beauftragt hat und keine Beschichtung, die erfahrungsgemäß eine geringere technische Lebensdauer erreicht (Abb. 3 + 4).

NACHGEFRAGT BEI NAMHAFTEN HERSTELLERN VON DACHFENSTERN

Nach Rücksprache mit namhaften Herstellern von Dachflächenfenstern ist man zu dem Schluss gekommen, dass aufgrund der geringen Einbauhöhe und der hohen Passgenauigkeit der Formteile mit keiner Bewegungsaufnahme im Einfassungsbereich gerechnet werden kann.

Zitat Roto: Grundsätzlich dürfen Dachfenster – wie auch sonst jede feststehende Durchdringung im Dach – nur „indirekt“ mit dem benachbarten Deckmaterial (zum Beispiel Stehfalzbahnen) befestigt beziehungsweise eingedeckt werden. Die einschlägigen ÖNormen und die Spengler-Fachregeln Abschnitt 8 sind dementsprechend zu befolgen, damit der Dehnungsausgleich beim Dachfensteranschluss beziehungsweise beim Eindeckrahmen gegeben ist. Eine Bewegungsaufnahme im Bereich der Einfassung selbst ist nahezu ausgeschlossen (Abb. 5).

Zusammengefasst kann gesagt werden, Dachflächenfenster sind als Fixpunkte zu betrachten. Die Einfassungen, die entweder direkt ab Werk geliefert oder vom Spengler vor Ort gefertigt werden, sind vergleichbar mit Maßanzügen im Slim-fit-Design: Ausdehnungen beziehungsweise Bewegungen sind verboten oder wären nur dann möglich, wenn es sich um „Stretchmaterialien“ handelt. Nur leider ist in den Legierungen der Metalle noch kein Elasthan enthalten.

UNTERBRECHUNG DER HINTERLÜFTUNG DURCH DURCHDRINGUNGEN

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob aufgrund von Durchdringungen eigene Abluftöffnungen im Brustblechbereich und Zuluftöffnungen im Nackenblechbereich erforderlich sind? Dabei ist die Antwort ganz einfach und sogar klar und deutlich in der „Unterdachnorm“ ÖNorm B 4119 geregelt: „Eine örtlich begrenzte Reduktion der Höhe oder Breite des Belüftungsraumes bei Durchdringungen und dergleichen ist bis maximal 50 Prozent des erforderlichen Querschnittes zulässig.“

Das bedeutet, dass streng genommen ab einer Doppelkombination (nebeneinanderliegend) mit eigenen Ab- und Zuluftöffnungen im Duchdringungsbereich gearbeitet werden muss. Beim Velux- Gebäude in Wolkersdorf haben wir uns schon vor Ausführung im Jahr 2006 Gedanken zu diesem Thema gemacht und Details zu vertieften und nicht vertieften Dachflächenfensterkombinationen entwickelt. Die Dachdeckungen selbst wurden als Winkelstehfalz ausgeführt, dadurch sind unterschiedliche Bewegungen der seitlich verlaufenden Bahnen dauerhaft möglich (Abb. 6).

FAZIT

Zusammengefasst kann gesagt werden: Durchdringungen erfordern entsprechendes Können und Handwerker, die mitdenken. Auch die Einfassung von Dachflächenfensterkombinationen, bestehend aus Zwischenrinnen, Nackenblechen, Seitenteilen und Brustblechen, muss dehnungsgerecht gelöst werden. Entsprechende Trennungen im Bereich der unteren Fensterecken beziehungsweise in Fenstermitte können auch hier zu dauerhaften dehnungsgerechten Lösungen führen. Besonderes Augenmerk muss man auf nachträglich aufgeklemmte Systeme wie zum Beispiel Schnee- und Blitzschutz-, Solar- oder Laufrostanlagen legen.

Werden durch Klemmen jene Bauteile mit unterschiedlichem Ausdehnungsverhalten verbunden, muss erst recht wieder an eine technische Trennung oberhalb gedacht werden. Aus diesem Grund ist eine Ausführung mit durchgehenden, traufenparallelen Quernahtausbildungen unmittelbar oberhalb von Durchdringungen in jedem Fall zu bevorzugen (Abb. 7).

Autor:
DI WILFRIED RUBENZ

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