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Dämmstoffe für Dachflächen

06.08.2010

Die bisherige Betrachtungsweise zum baulichen Wärmeschutz von Dachflächen hat sich aufgrund der Forderung nach Energieeffizienz geändert: Es ist nicht mehr allein der Heizwärmeverlust zu reduzieren, sondern auch das Gebäude im Sommer vor intensiver Wärmeeinstrahlung zu schützen.

Deshalb sollte beim Dämmen von Dächern wesentlich mehr auf schwere, wärmespeichernde Baustoffe und eine zusätzliche Dämmung gegen Hitze und Kälte geachtet werden. Bei dieser Betrachtungsweise bildet das Dach, wie es heute üblicherweise gebaut wird, den größten Problembereich. Um Kosten zu minimieren, werden Dächer konstruktiv immer leichter gebaut. Dicke Dämmstoffpakete und eine luftdichte Ausführung mindern bei dieser Konstruktionsweise den Heizwärmeverlust im Winter.
Um Bauherren zu zwingen, solche Bauweisen zu akzeptieren, wurden von der EU Energieeinsparverordnung und ein „Energieausweis” eingeführt, der von den Ländern entsprechend ratifiziert werden muss. Die traditionellen Maßnahmen zielen allein darauf ab, Heizenergie im Winter zu minimieren.

Im Sommer dagegen heizt die Sonneneinstrahlung solche – normativ richtig ausgeführten – Dachgeschosse unerträglich auf. Das kann es beispielsweise bei Tagestemperaturen von +30 Grad Celsius in Dachgeschossräumen zu Raumtemperaturen von mehr als +50 Grad führen. Deshalb empfiehlt es sich, auch im Dachbereich schwere Konstruktionen anzuwenden, die zusätzlich wärmespeichernde Eigenschaften mitbringen.

Klimaschutz beim Dach. In ihrer Beratung sollten Dachdecker ihre Auftraggeber – egal ob beim Neubau oder bei der Sanierung von Altgebäuden – aufmerksam machen, dass neben dicken Dämmstoffpaketen eine gute Wärmespeicherung der Dachkonstruktion das Wohlbefinden beeinflusst. Selbst alte Holzdachstühle lassen sich baulich darauf anpassen. So bringen z. B. schwere Dämmstoffe, zementgebundene Leichtbauplatten oder Gipskartonplatten ein gewisses Maß an Masse ins Dachgeschoss, die eine sommerliche Amplitudendämpfung (Verschiebung der Wärmeeinstrahlung) bewirken können. Besonders in den Ballungsräumen der Großstädte, im Weltklimabericht der UN dokumentiert, ist zunehmend mit sehr hohen sommerlichen Temperaturen zu rechnen. Außerdem nehmen Stürme und hohe Regenmengen in unserer mitteleuropäischen Klimazone ebenso zu, wie im Winter starke Schneefälle. Alle Ereignisse werden kurzzeitig, dafür umso intensiver, auftreten. Sie alle setzen besonders dem Dach zu.

Ein Grund mit, warum wir Dachgeschosse künftig nicht allein auf guten winterlichen Wärmeschutz, sondern auch auf Windsogsicherung, Regen- und Luftdichtheit sowie sommerlichen Hitzeschutz ausrichten müssen. Die teilweise einseitige Meinung der Industrie, dass beispielsweise mit Dachziegeln oder Dachsteinen gedeckte Dachflächen ausreichend Schutz vor Windsog und Aufheizung bieten, ist ebenso irreführend, wie allein dicke Dämmstoffpakete im Dach uns künftig vor Hitze und Kälte dauerhaft schützen können.

Unter dieser Betrachtungsweise, bei weiterem Einsatz leichter Holzdachtragwerke im Alt- oder Neubau, wäre es überlegenswert, dicke Dämmstoffpakete allein auf der Dachaußenseite aufzubringen. Beim Steildach über dem Sparren, beim Flachdach über der Tragkonstruktion, zur Wärmespeicherung darunter eine schwere Baustoffplatte, die gleichzeitig das wasserführende Unterdach bilden kann, anzuordnen.

Zwischen den Sparren wird die gesamte Sparrenhöhe mit einem schwergewichtigen mineralischen Dämmstoff ausgefüllt. Raumseitig folgt dann ebenfalls eine schwere zementgebundene Leichtbauplatte oder eine Gipsbauplatte, deren glatte Oberfläche gestrichen oder tapeziert werden kann.

Beim Neubau ist zu überlegen, ob die tragende Dachkonstruktion nicht gleich als wärmespeichernde Betonplatte ausgeführt wird, was beim Flachdach oft der Fall ist. Witterungs-seitig werden darauf ein entsprechend dimensioniertes Dämmstoffpaket und die Dacheindeckung verlegt, raumseitig entsprechend geeignete Leichtbauplatten. Eine solche Dachkonstruktion erfüllt – gegenüber den leichten Holzdachkonstruktionen – wesentlich besser die gemäß dem UN-Klimabericht geforderten Maßnahmen zum Schutz vor Kälte und Hitze. Zusätzlich werden die Forderungen des Brandschutzes, Schallschutzes und der Windsogsicherung kostengünstig erfüllt.

In der DIN 4108 Teil 2 wird ein so genannter „Sonneneintragskennwert” benannt, der einer übermäßigen Aufheizung von Räumen vorbeugen soll. Dieser Höchstwert darf nicht überschritten werden. Ist das der Fall, ist der sommerliche Wärmeschutz eines Gebäudes nicht in Ordnung. Die Planung bzw. Bauausführung muss aus diesem Grund überarbeitet werden.

Konstruktionen fürs Steildach. Grundsätzlich sind alle zurzeit am Markt erhältlichen und normativ für die Steildachdämmung ausgewiesenen Wärmedämmstoffe dafür geeignet. Aufgrund der im europäischen Normenwerk festgelegten Eigenschaften müssen diese Dämmstoffe ihre Eignung über Zulassungen bzw. Prüfzeugnisse nachweisen. Im Zweifelfall sollte der Verarbeiter einen entsprechenden Nachweis vom Lieferanten verlangen. Denn der Verarbeiter haftet im Schadensfall, wenn er nicht normgerechte Baustoffe verarbeitet.

Generell unterscheidet man beim traditionellen Sparrendach je nach Anordnung der Dämmschicht nach Untersparrendämmung, Zwischensparrendämmung und Aufsparren-dämmung. Unter dem Aspekt des winterlichen und sommerlichen Wärmeschutzes ist die Aufsparrendämmung die bauphysikalisch beste Lösung. Die Zwischensparrendämmung bildet in diesem Sinne einen Kompromiss, wogegen die Untersparrendämmung lediglich den winterlichen Wärmeschutz verbessert. Alle Konstruktionen müssen zusätzlich luft- bzw. winddicht ausgeführt werden.

Bei der Sanierung von Altbauten gibt es oft Probleme mit der vorhandenen Sparrenhöhe, um nachträglich dicke Dämmstoffpakete, wie sie zur Energieeinsparung gefordert werden, einzubauen. Der Hersteller Protektor hat dafür eine einfache und für Dachhandwerker gut handelbare Lösung entwickelt: Ein Metallwinkelprofil wird mit seinem längeren Winkel an die Sparren geschraubt. Langlöcher und Rechtecklaschen ermöglichen die exakte Justierung und einen Höhenausgleich. In die kürzeren Winkelteile wird dann das notwendige Dämmstoffpaket eingebracht und mit einer Langlochzunge gegen Abrutschen gesichert. Das Profilsystem lässt sich auch zur Drempelausbildung einsetzen.

Konstruktion Flachdach. Hier gilt im Prinzip die gleiche Aussage, wie beim Steildach. Die Wärmedämmschicht möglichst nach außen über der Tragkonstruktion anordnen. Darauf wird die Eindeckung fachgerecht verlegt. Ist die Tragkonstruktion eine Betonplatte, wirkt sie mit als Wärme-puffer bei Sonneneninstrahlung. In anderen Fällen ist zu überlegen, wo zusätzlich eine Möglichkeit ist, eine wärmespeichernde Schicht anzuordnen, beispielsweise als raumseitige Deckenverkleidung.

Generell gilt für alle Dachkonstruktionen (und alle Außenbauteile) – egal ob Steildach oder Flachdach – dass sämtliche Anschlüsse, Durchdringungen und die gesamte Dachfläche gemäß den Anforderungen zur Energieeinsparung absolut luftdicht ausgeführt werden müssen.

Nicht umsonst fordern die Berichterstatter des UN-Klimaschutzberichtes eine geänderte Denkweise aller Bürger. Baufachleute müssen sich intensiver um Dachkonstruktionen kümmern, die mehr Schutz vor Kälte und Wärme sowie die anderen Umwelteinflüsse bieten. Schlechte Karten haben bei dieser neuen bautechnischen Betrachtungsweise alle „leichten” Dämmstoffe. Sie besitzen zwar beste Isoliereigenschaften gegen Kälte und Wärme, allein es fehlt ihnen die notwendige Masse, um eine Ausgleichfunktion bei hoher Wärmeeinstrahlung durch Wärmespeicherung zu bewerkstelligen.

Beispiel: Gemäß der Normen wird für Steildächer ein U-Wert ≤ 0,25 W/m²K gefordert. Empfehlenswert ist ein U-Wert von ≤ 0,2 W/m²K. Dieser Wert wird beispielsweise mit Mineralwolle-Dämmstoffen ( = 040 W/[mK]) von mindestens 200 Millimeter Dicke erreicht. Gleichzeitig ergibt diese Dämmung eine Amplitudendämpfung ≥15. Kombiniert man diese Dämmung mit einer schweren, wasserdichten Baustoffplatte als Unterdach (Aufsparrendämmung) sowie die raumseitige Anordnung einer doppelten GK-Platte (2 x 12,5 mm) wird die Aufheizung durch Wärmeeinstrahlung im Dachraum wesentlich verringert.

Dämmstoffe fürs Dach. Nachfolgend werden verschiedene Dämmstoffe und ihre Anwendung in Kurzform, die für die Dachdämmung geeignet sind. Reihenfolge und Darstellung stellen keine irgendwie geartete Wertung dar. Die Daten beruhen auf Herstellerangaben. Für deren Richtigkeit übernimmt der Autor keine Haftung.

Holzfaserdämmplatte: Dämmstoff aus organisch-natürlichen, pflanzlichen Rohstoffen. Holzweichfaserplatten aus Hackschnitzeln bestehend aus Nadelholz-Restholz; thermisch-mechanische Zerfaserung der Resthölzer, der mit Wasser verdünnte Faserbrei wird gesiebt, Fasern zu Vlies verarbeitet, gepresst und getrocknet. Wärmeleitfähigkeit  = 0,040 [W/(mK)] WLG 0,040, spezifische Wärmekapazität c = 2100 [J/(kgK)], μ = 5 – 10, Roh-dichte ca. 160 bis 230 kN/m³, hohe Wärmespeicherfähigkeit, recyclebar.

Flachsfaser-Dämmplatte: Dämmstoff aus organisch-natürlichen, pflanzlichen Rohstoffen, Flachsfasern mit natürlichem Stärkekleber zu Platten verbunden. Wärmeleitfähigkeit  = 0,037 [W/(mK)] WLG 040,  = 1, Rohdichte 30 Kg/m³; bestehend aus Flachsfasern, Stärke, Borsalz, teilweise Wasserglas, recyclebar.

Cellulose-Dämmplatte: Dämmstoff aus Zellulose (Altpapier und Jute), Ligninsulfonat, Tallharz, Aluminiumsulfat (Bindemittel), Borax, Borsäure (Brandschutzmittel);  = 0,040 [W/(mK)], μ = 1, Rohdichte 70 – 100 kg/m³, hohe Wärmespeicherfähigkeit.

Celluloseflocken-Einblasdämmstoff: Einblasdämmstoff aus organischen pflanzlichen Rohstoffen, im Recyclingverfahren aus Tageszeitungspapier hergestellt. Geeignet zum Einblasen von Hohlräumen in Dächern, Wänden und Decken. Wärmeleitfähigkeit  = 0,040 [W/(mK)], μ = 1 bis 2, Rohdichte 35 – 80 kg/m³, nicht druckbelastbar, bestehend aus Recyclingpapier, Borax, Borsäure, gute Wärmespeicherfähigkeit, bei Verarbeitung hohe Staubentwicklung möglich.

Hobelspan-Einblasdämmstoff: Dämmstoff aus Hobelspänen, in einem Spezialverfahren aufbereitet und mit dünnem Zementsteinfilm umhüllt, einsetzbar als Schütt- und Blasdämmstoff in Dächern, Wänden und Decken. Wärmeleitfähigkeit  = 0,055 [W/(mK)], μ ≤ 2, Rohdichte 90 – 140 kg/m³, bestehend aus Hobelspänen aus Nadelholz-Resthölzern, Imprägnierung mit Molke, Soda oder Zement, gute Wärmespeicherfähigkeit.

Produktanwendungen. Das Unternehmen Isocell stellt aus zerfasertem Altpapier Zellulosedämmstoffe in Flockenform zur Wärmedämmung her. Die von zertifizierten Betrieben in Hohlräume eingeblasene Zellulosedämmung ermöglicht eine fugenlose Dämmebene. Nach Firmenangaben ist das Produkt verrottungssicher, brandbeständig und vor Schimmel- bzw. Ungezieferbefall geschützt. Mit der EN-Klassifizierung B-s2-d0 erreicht die Zellolusedämmung die bestmögliche Bewertung für brennbare Baustoffe. Für den mehrgeschossigen Holzbau wurden F30- und F90-Prüfungen erfolgreich durchgeführt. Ergänzend zur Dämmung werden Dachbahnen, Winddichtungen, Dampfbremsen und Klebesysteme zur Luft- und Winddichtigkeit geliefert.

Ursa Dämmsysteme Austria bietet als neues Produkt eine weiße Dämmwolle „PureOne”. Sie ist weiß, weich, hautkomfortabel und geruchsneutral. Die verbesserte Rückstell- und Spannkraft der Dämmwolle macht sie für den Einbau in Dachkonstruktionen guit handlebar. Die technischen Werte bezüglich Brand-, Schall- und Wärmeschutz entsprechen de-nen der bisher vom Hersteller vertriebenen Dämmwollprodukte.

Steinbacher Dämmstoffe bietet ein „Dachraumwohnelement F30” als Verbundelement aus Styropor und einer speziell beschichteten, leichten Schutzplatte. Es lässt sich relativ einfach und schnell auf der obersten Geschoßdecke verlegen.

Das Dämmelement „steinopor750” aus Polystyrol-Hartschaum läßt sich sofort nach Verlegung begehen. Die aufgebrachte Brandschutzplatte ist trittfest und es muss kein Estrich aufgebracht werden. Das Element im Format 1.000 x 500 Millimeter kann einfach mit einer Stichsäge zugeschnitten werden.


Hans Jürgen Krolkiewicz

Autor/in:
Redaktion Dach Wand
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