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Die Qualität der Produkte steigt, und viele Kunden bemerken, dass es mehr gibt als das 400-Euro-Fenster  aus dem Baumarkt.« Georg Pehn

Die Raumschiffe kommen

19.01.2016

Dachfenster ist nicht gleich Dachfenster. Vor allem, wenn man die technische Entwicklung der vergangenen 30 Jahre betrachtet. Wohin ging der Trend, wie setzt er sich fort? Und was hat die Raumfahrt mit Dachfenstern zu tun? Martin Roseneder beleuchtet diesen turbulenten Markt gemeinsam mit dem Dachfensterproduzenten Roto.

In den 1970er-Jahren des vergangenen Jahrtausends begann die Erfolgsgeschichte der Dachfenster in Österreich. Zu Tausenden wurden die kleinen Schwingfenster in Österreichs Steildächer eingebaut. Es gab wenige Produzenten, und die Dachelemente wurden meist ohne außenliegende Dämmung direkt auf die Dachlatten aufgesetzt. Nahezu unbeachtet blieben damals bauphysikalische Hintergründe wie zum Beispiel Winddichtheit, Taupunkt und Kältebrücken – was in der Folge zu starker Kondensatbildung führte. Was damals nur wenige interessierte, waren die Heizkosten, denn bei unsanierten Eigenheimen gingen rund 30 Prozent des Wärmeverlusts über die Dachfenster verloren. Gerade im Winter, wenn Schnee auf dem Dach lag und die weiße Pracht in den Bereichen um die Dachdurchdringungen abgetaut war, deutete das auf großen Wärmeverlust an diesen Stellen hin. Weitere Anzeichen für mangelnde Dichte waren die oft spürbare Zugluft. Die falsch ausgebildeten Innenleibungen unterstützten die Bildung von Kondensat enorm. Die Devise von früher – „Hauptsache es regnet nicht hinein“ – gilt 2015 definitiv nicht mehr.

Dachfenster 2.0

Die technische Revolution der Dachfenster schritt voran. Um die Jahrtausendwende sprangen Produzenten auf den Ökologie- und Dämmzug auf und entwickelten die „Dachfenster 2.0“ mit außenliegenden Wärmedämmblöcken, Kunststoff-Hohlkammerprofilen – wie im Fassadenfenster üblich – und Bedienbarkeit mittels BUS- und Fernsteuerungssystemen. Diese technologische Revolution, verbesserte Einbausysteme, Adaptierungen an der Verglasung sowie die Verwendung alternativer Materialien haben in den vergangenen acht Jahren zu einem Quantensprung in der Entwicklung von Dachfenstern beigetragen. Die Entwicklung kam gerade zur richtigen Zeit, denn seit einigen Jahren müssen mehr als eine Million Dachfenster der ersten Generationen generalsaniert werden. Die Nachfrage ist enorm. 
Der Markt schrumpft, aber ...

Georg Pehn ist mit seinen 39 Jahren ein routinierter Manager. Seit Juli 2014 leitet der Niederösterreicher die Geschicke von Roto Österreich und Slowenien. Er weiß wie kaum ein Zweiter über die Geschehnisse auf dem Dachfenstermarkt Bescheid. Und er weiß, welche Argumente überzeugen. „Man muss natürlich bei der Kaufentscheidung für alle Kundensegmente Vorteile bieten, denn letztlich ist nicht nur der Endkunde der Entscheider. Konsumenten verlassen sich in den meisten Fällen vertrauensvoll auf die Expertisen des Zimmerers, Dachdeckers oder Spenglers. Weitere wichtige Meinungsbildner sind ausschreibende Stellen, Architekten und natürlich, nicht zu vergessen, der Dachfachhandel“, erläutert Pehn. Kein leichter Spagat, wenn man die jährlichen Absatzzahlen von Dachfenstern beleuchtet, da der Markt allein in den letzten sechs Jahren um rund 18 Prozent zurückgegangen ist. „Aber paradoxerweise bietet gerade der schrumpfende Markt für gut aufgestellte Unternehmen Chancen, da im heißumkämpften Markt alle Kaufentscheider noch genauer auf die Vor- und Nachteile und vor allem auf die Margen der Produkte achten. Das wird die große Challenge für die nächsten Jahre“, ergänzt Pehn. 

Trend geht zu „Raumschiffen“

In den vergangenen Jahren ist ein Trend klar erkennbar: Es werden immer weniger handelsübliche 08/15-Fenster verkauft, sondern Kombinationen in Form von Zwillingen (nebeneinander), Tandems (übereinander) oder Fassadenanschlussfenstern. Neben verstärktem Einsatz von hochwertigen Kunststoff-Hohlkammerprofilen mit Stahlarmierung werden vor allem auch größere Dachfenster wie das Panoramadachfenster „Azuro“ von Roto verkauft. „Die normale Sparrenbreite hat mittlerweile so gut wie ausgedient. Mit Wechsel- oder Stahlkonstruktion werden oft spektakuläre Öffnungen geschaffen, sodass Dachfenster wie das 2,70 x 1,60 Meter große „Roto-Azuro“ Platz finden. Diese „Raumschiffe“ bieten komplett neue Perspektiven unter dem Dach“, so Georg Pehn.

Der Hauptgrund für die Beliebtheit der überdimensionierten Dachfenster und Dachfensterreihen liegt an der Verknappung der Wohnflächen in urbanen Räumen. Der ungenutzte Dachboden wurde schon längst als luxuriöses Penthouse erkannt, und nachdem die äußere Gebäudeform oft nicht maßgeblich verändert werden darf, ist das Dachfenster wieder stark in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. „Diese großflächigen Dachfenstersysteme werden natürlich mit optimalen Energiekennzahlen geliefert. Alles ist voll elektrisch und BUS-fähig bedienbar und mit Rollläden oder Markisen versehen. Die Qualität der Produkte steigt, und viele Kunden bemerken, dass es mehr gibt als das 400-Euro-Fenster aus dem Baumarkt“, weiß der Roto-Geschäftsführer. 

Innovationen am laufenden Band

Die ersten Dachfenster in den 1970er-Jahren wurden ausschließlich aus Holz gefertigt. Seit Jahren hat Roto zusätzlich zum Holzsegment auch reine Kunststofffenster im Sortiment. Die Entwicklung der Kunststoff-Hohlkammerprofile hat sich bezahlt gemacht – für Verleger und Endkunden gleichermaßen. Für die Fensterrahmen und Flügel wird ein mit Stahlarmierung versehenes Kunststoffprofil verwendet, das ähnlich einem Ziegelsystem die Luft einschließt und somit eine hohe Wärmedämmung garantiert. „Die Dämmwerte liegen weit über jenem von Holz. Zusätzlich liefern wir unsere Fenster mit vormontiertem Wärmedämm- bzw. Hitzeschutzpaketen. Danach kommt das Fenster via MDA-Rahmen in das Unterdach“, analysiert Georg Pehn.

Apropos Hohlkammerprofile, hier hat Roto ein eigenes Sanierungsprodukt auf den Markt gebracht. Innerhalb von acht Werktagen ist ein Maßfenster auf den Millimeter genau produzierbar. Dieses sogenannte „Maß-Renovierungsfenster“ ermöglicht den unkomplizierten Tausch von alten Dachfenstern innerhalb von wenigen Stunden, ohne an der Innenleibung größere Änderungen durchführen zu müssen.

Neben den Kunststoff-Hohlkammerprofilen, dem Alleinstellungsmerkmal der Firma Roto, sorgte eine Innovation im Jahr 2012 für Aufsehen: Die Entwicklung des Montage-, Dämm- und Anschlussrahmens (MDA) hat die Montage von Dachfenstern für Dachdecker und Zimmerer deutlich vereinfacht. Mit der Lancierung dieses Produkts kann ein sauberer Abschluss des Dachfensters an das Unterdach garantiert werden. Denn jeder weiß: Ein Dachfenster ist nur so gut, wie es eingebaut und an das Unterdach angebunden ist. 

Fazit

Obwohl der Dachfenstermarkt rückläufig ist, gibt es Jahr für Jahr einen großen Kuchen zu verteilen. Roto setzt weiterhin auf Wachstum: „Die zwei Schlüssel des Erfolgs sind für uns der weitere Ausbau des Vertriebsnetzes sowie die Intensivierung der Schulungen, um den Verarbeitern – meist in der Nebensaison von Jänner bis April – alle Neuheiten in unserer Zentrale in Loosdorf präsentieren zu können“, so Pehn. 
In diesem Jahr wurden rund 1.200 Dachdecker, Spengler und Zimmerer im Herzen von Niederösterreich geschult. Derzeit wird der RotoCampus ausgebaut und verdoppelt – damit auch die Raumschiffe Platz haben.
 

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