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Kalt appliziert, dauerhaft dicht: Flüssigkunststoff schützt Bauten im Bestand vor eindringender Feuchtigkeit.

Die Tücke liegt im Detail

25.07.2018

Die kritischen Punkte bei der Abdichtung von Balkonen und Terrassen sind Details wie Anschlüsse und Durchdringungen. Sie müssen sicher in die Abdichtung eingebunden werden. Aber genau hier kann es zu Problemen kommen, da zwischen den unterschiedlichen Baustoffen witterungs- und temperaturbedingte Bewegungen entstehen, die von der Abdichtung schadlos aufgenommen werden müssen. Dafür sind Systemlösungen auf Flüssigkunststoffbasis besonders gut geeignet.

Die kritischen Punkte bei der Abdichtung von Balkonen und Terrassen sind Details wie Wand- und Türanschlüsse, Durchdringungen von Geländerstützen, Entwässerungsrinnen und -abläufe, Regenfallrohre oder Fugen.

Die Einbindung der Details und Anschlüsse in die Abdichtung von Balkon- und Terrassen­oberflächen muss bei der Sanierung von Bestandsbauten situationsbedingt überprüft werden. Eine einzige planungs- und ausführungsbedingte Schwachstelle kann die Funktionstüchtigkeit des gesamten Aufbaus beeinträchtigen. Der Erfolg oder Misserfolg einer Sanierungsmaßnahme hängt deshalb wesentlich sowohl von der gewählten Abdichtungslösung als auch von einer präzisen Verarbeitungsweise ab. 

Flüssigkunststoff in den Regelwerken

Abdichtungslösungen aus Flüssigkunststoff sind seit vielen Jahrzehnten praxiserprobt und heute gängiger Stand der Technik. Die Planungs- und Verarbeitungssicherheit belegt die Aufnahme in die Regelwerke. Bei Balkonen oder Terrassen über genutzten Räumen gelten u. a. die Anforderungen der ÖNorm B3691. Die Eignung von Flüssigabdichtungen wird durch eine Europäisch Technische Zulassung (ETA) auf Basis der Zulassungsleitlinie ETAG 005 ausgewiesen. Die darin angeführten Klassifizierungen und Leistungsstufen, welche die eingesetzten Abdichtungen erfüllen müssen, ermöglichen den Vergleich verschiedener Flüssigkunststoffe und sind Bestandteil der ÖNorm. Die genutzten Flächen, zu denen Balkone, Loggien und Dachterrassen zählen, werden in den ÖNormen B 3691 und B 3692 behandelt. 

Spezialvlies nimmt Bewegungen auf 

Je komplizierter ein Detail ist, desto größer ist das Risiko, dass die Abdichtung fehlerhaft ist. Kritische Punkte bei der Abdichtung von Balkonen und Terrassen sind u. a. Wand- und Türanschlüsse, Durchdringungen von Geländerstützen, Gullys oder Fugen. Hier kommen immer häufiger Abdichtungslösungen aus Flüssigkunststoff zum Einsatz. Diese vliesarmierten Abdichtungen, beispielsweise auf PMMA-Basis, halten Bewegungen aus der Bauwerkskonstruktion, insbesondere bei Materialübergängen, sicher stand. Durch die Einarbeitung eines präzis zugeschnittenen Spezialvlieses in das Harz entsteht eine flexible Schicht, die dynamisch rissüberbrückend ist und Bewegungen der Konstruktion schadlos aufnimmt. Hersteller von Flüssigkunststoffen bieten maßgeschneiderte Lösungen für die detailreichen Stellen auf Balkonen und Terrassen an.

Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen 

Das Material schmiegt sich passgenau an jedes Detail an und dichtet es naht- und fugenlos ab. Es haftet vollflächig auf dem Untergrund, sodass in der Regel eine mechanische Befestigung nicht erforderlich ist. Flüssigkunststoffe werden im Neubau und in der Sanierung eingesetzt. Sie müssen auf einem trockenen und tragfähigen Untergrund appliziert werden. Die Hersteller definieren jene Untergrundvoraussetzungen, die eine sichere und langfristige Lösung gewährleisten. In manchen Fällen bieten sie auch Sonderlösungen an. Hier müssen die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt werden wie zum Beispiel ein durchfeuchteter Bestand, eine energetische Sanierung oder eine zu erwartende Rissbildung. 

Für die Abdichtung von Terrassen, Loggien oder Balkonen über genutzten Räumen sind Systemaufbauten mit einer vliesarmierten Abdichtung zwingend erforderlich. Daraus ergibt sich ein Systemaufbau mit vier Funktionsschichten: Grundierung, Abdichtung, Nutzschicht und Versiegelung. Bei auskragenden Balkonen wird in der Regel keine vliesarmierte Abdichtungslage benötigt, es sei denn, schwierige Übergänge lassen Bauwerksbewegungen erwarten. Ist die Oberfläche bereits schadhaft und weist Risse auf, ist zu empfehlen, diese mit einer vollflächig vliesarmierten Abdichtung und eventuell zusätzlich mit Rissbandagen zu sichern. Bei den Abdichtungssystemen sorgen pigmentierte farbige Versiegelungen für optisch ansprechende Oberflächen. Durch verschiedene Einstreuungen in die Versiegelung kann die Oberfläche unterschiedlich rau ausgebildet werden. Zudem eröffnen die modernen Abdichtungstechnologien zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, z. B. Bodentattoos in Form von Bordüre, Ornament, Fliesenmuster oder Bildmotiv. 

Maßgeschneiderte Lösungen für Details

Flüssigkunststoffabdichtungen gelten als einlagige Abdichtungen, bestehend aus einer Harzvorlage, einer Vlieseinlage und einer Deckschicht aus Harz. Diese drei Schichten werden in noch frischem Zustand verarbeitet. Ausgehärtet bilden sie eine Schichtdicke von ca. zwei Millimeter. Um dies zu erreichen, muss auf eine ausreichende Vorlage des Harzes geachtet werden, damit das Vlies vollflächig durchtränkt und später eine vollständige Aushärtung sowie eine ausreichende Haftung mit dem Untergrund gegeben sind. Nach dem Einbringen des Vlieses sollte direkt satt nachgelegt werden, sodass trockene Vliesbereiche in der Überlappung ausgeschlossen werden können. Bei der Verwendung von Flüssigkunststoffen zur Abdichtung von Details müssen diese mindestens zehn Zentimeter auf die bestehende und funktionstüchtige Flächenabdichtung – in der Regel Bitumen- oder Kunststoffbahnen – appliziert werden. Aber auch die vollständige Abdichtung auf der Fläche mit Flüssigkunststoff ist wie oben beschrieben möglich. Vor allem Details wie Wand- und Türanschlüsse, Durchdringungen von Geländerstützen, Entwässerungsrinnen und -abläufe, Regenfallrohre oder Fugen sind häufig auf Balkonen und nichtgenutzten Flächen aufzufinden. 

Barrierefreie Übergänge 

Für die Einbindung von Wand- und Türanschlüssen in die Abdichtung können mit Flüssigkunststoff maßgeschneiderte Lösungen realisiert werden. Bei Anschlüssen sind Abdichtungen laut Regelwerk mindestens 15 Zentimeter über Oberkante Belag hochzuziehen. Diese Forderung lässt sich im Bestand nicht immer umsetzen. Auch der zunehmende Wunsch nach barrierefreien Übergängen steht dem entgegen. Allerdings lassen die Regelwerke eine Reduzierung der Anschlusshöhe auf fünf Zentimeter zu, wenn bestimmte zusätzliche Maßnahmen zum Feuchteschutz getroffen werden wie zum Beispiel der Einbau einer Entwässerungsrinne vor der Balkontür oder ein ausreichender Überstand. 

Dauerhafte Sonderlösungen 

Ein weiteres Beispiel sind Entwässerungsrohre, deren Abstand zur aufgehenden Wand laut Regelwerk 30 Zentimeter betragen muss. Bei Bauten im Bestand befinden sich diese Rohre aus optischen Gründen jedoch häufig sehr nah am Rand, sodass eine effiziente Sonderlösung gefragt ist. Hier ist eine Detailabdichtung mit Flüssigkunststoff empfehlenswert, die zum einen die Funktion eines zuverlässigen Feuchteschutzes der Bausubstanz erfüllt und zum anderen den ästhetischen Ansprüchen des Bauherrn entspricht. 

Um eine funktionsfähige Abdichtung beispielsweise von Gullys zu gewährleisten, haben manche Hersteller Vlieszuschnitte im Programm, zum einen für die Einbindung des Gullys und zum anderen für den Übergang zur Fläche. Im Neubau werden besondere Gullys mit Flansch verwendet, auf die mit Flüssigkunststoff angebunden werden kann. Bei Sanierungen fehlt dieser Flansch häufig, sodass bis an die Abdichtung angebunden werden muss. 

Für die Abdichtung von Fugen konzipieren verschiedene Hersteller gesonderte Lösungen. Bei Arbeitsfugen sind keine Bewegungen in der Konstruktion zu erwarten, sodass diese zunächst mit einem ca. 15 Zentimeter breiten Abdichtungsstreifen gesichert und anschließend mit dem Systemaufbau in der Fläche überarbeitet werden. Bei Bewegungsfugen werden in die Fugenabdichtung Schlaufen eingearbeitet. Diese können die zu erwartenden Bewegungen schadlos aufnehmen. Die weiteren Systemaufbauten werden bis an die Fugenflanken herangeführt. Neben der Möglichkeit, mit Flüssigkunststoffen Sonderlösungen zu realisieren, bieten die Systemkomponenten bestimmter Hersteller weitere wesentliche Vorteile: Einige Produkte sind werksseitig thixotropiert, damit das Harz selbst auf senkrechten Flächen appliziert werden kann, ohne abzugleiten. Für eine saubere und schnelle Detailabdichtung sind für die Außen- und Innenecken der Wandanschlüsse bereits zugeschnittene Vliesformteile erhältlich. Diese fügen sich passgenau an die komplizierten Geometrien an und helfen bei einer präzisen Verarbeitung. 

Prüfung des Untergrunds 

Letztlich ist eine erfolgreiche Verarbeitung auch von einer exakten Planung abhängig. Diese umfasst nicht nur die Erfassung und Bewertung aller Details, sondern auch die Analyse der Untergrundbeschaffenheit. Dazu sind Auftragnehmer laut ON B 2110 (Warn- und Hinweispflicht) verpflichtet – diese legt fest, dass etwaige Bedenken bezüglich der Haftung des gewählten Systems auf dem Untergrund dem Auftraggeber zu melden sind. Denn nur wenn der Untergrund sauber, trocken und frei von Zementschleiern, Staub, Öl und Fett sowie anderen haftungsmindernden Verunreinigungen ist, kann ein funktionstüchtiger Systemaufbau erzielt werden. 

Oft finden Verarbeiter einen Materialmix vor, zum Beispiel eine Kombination von Beton auf dem Boden und Blech an den Wandanschlüssen. In diesem Fall gilt es zu beachten, dass die Wärmeausdehnung bei jedem Material verschieden ist. Bewegungen in der Konstruktion, die sich daraus ergeben, müssen vor der Entscheidung für eine Abdichtungslösung in die Planung miteinbezogen werden. Nur so ist die schadlose Aufnahme von Bauwerksbewegungen langfristig gesichert. Die technischen Unterlagen der Flüssigkunststoffhersteller geben deshalb Hinweise darauf, welche Vorbehandlung des Untergrunds – je nach Werkstoff – notwendig ist, um eine vollflächige Haftung sicherzustellen. Ist diese gewährleistet, kann im Vergleich zu klassischen Bahnenabdichtungen auf eine mechanische Befestigung am oberen Rand verzichtet werden. 

Richtige Verarbeitung sichert Leistungsfähigkeit

Bei Einzelreparaturen oder einer Komplettsanierung können die Anzahl und die Komplexität der Details ausschlaggebend für den Einsatz von Flüssigkunststoff sein. Denn nur mit einer Flüssigkunststoffabdichtung lassen sich aufgrund ihrer Flexibilität problemlos Lösungen für schwierige Details erzielen. Aufgrund der besonderen Eigenschaften des Harzes sollte dieses ausschließlich von geschulten Fachunternehmen eingesetzt werden. 

Einige Hersteller bieten eine Fachberatung vor Ort an, um Detailfragen bei der Planung und in der Ausführung zu klären. Die fachgerechte Einweisung von Verarbeitern ist ein wichtiger Faktor, der die Dauer­haftigkeit der gewählten Systemlösung positiv oder negativ beeinflussen kann. Zudem ist eine regelmäßige Wartung und Pflege wichtig, damit Beläge auf PMMA-Basis langzeitsicher erhalten bleiben. Richtig verarbeitete Flüssigabdichtungen sichern die Leistungsfähigkeit und schützen auch die Gebäudekonstruktion dauerhaft vor Schäden infolge eindringender Feuchtigkeit.

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