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Ein berechenbares Wagnis

18.04.2017

Als Wagnis könnte man das Projekt von Architekt Marc Hoffenscher und seinem Team in Hohenems beschreiben. Denn eigentlich hat sich in Vorarlberg vor allem der Baustoff Holz einen Namen gemacht. Warum ausgerechnet hier ein Gebäude mit einer Zinkfassade entstand, hat uns der Architekt erklärt.

Das Konzept verlangte eine Außenfassade, die keinen starken Alterungsprozess aufweist, nicht unter wesentlichen Verfärbungen leidet und leicht zu reinigen ist. Die optischen Kriterien verlangten eine möglichst genaue Planung der Tesselation der Paneele, daher gab es so einige offene Fragen am Anfang der Entwicklung. Jedoch konnten durch die Bemühungen von VMZinc alle Fragen geklärt und auch die Details entwickelt werden. Dabei wurden Modelle im Maßstab 1:2 erarbeitet, Visualisierungen halfen in der Formfindung. Eine derartige Aufgabe kann nur mit einem Partner funktionieren, der selbst immer an das Projekt glaubt und auch dafür selbst viel Engagement in die Waagschale wirft“, fasst Architekt Marc Hoffenscher das Projekt zusammen.

Die Tessellation der Paneele entstand durch die Zusammensetzung einer Pentagonform. Diese dreht sich jeweils um 90 Grad und erzeugt damit vier verschiedene Situationen. Diese vier Paneele mussten zuerst so gefalzt werden, dass jede Lage auch dementsprechend dicht ausgeführt werden konnte. Diese Tesselation wurde vom Mathematiker Percy Alexander McMahon 1921 erstmals dargestellt und aufgrund zweier Eigenschaften ausgesucht: Erstens erzeugt die Form auf das einzelne Paneel am meisten Fläche gegenüber einer quadratischen Form und ist in die Gesamtform des Gebäudes im Fugenverlauf besser einsetzbar, da es hier keine Rasterung erzeugte, die wieder auf die Flucht der verschiedenen Öffnungen Rücksicht nehmen muss. So „schweben“ die Öffnungen unabhängig von der Rasterung der Fassade darin.

„Das Projekt hatte aufgrund seiner Form und seiner Lage seine Anfangsschwierigkeiten. Insgesamt dauerte es etwa sechs Jahre, bis man das Gebäude fertigstellen konnte. Durch die Erarbeitung mit dem Gestaltungsbeirat und diverse Abstimmungen mit den Nachbarn konnte schließlich eine Einigung erzielt werden“, erzählt der Architekt. Auf rund 420 Quadratmeter Grundstücksfläche entstand so ein zweistöckiges Gebäude inklusive Tiefgarage mit sieben Parkplätzen. Im Erdgeschoß ist eine Ordination untergebracht, die einen Behindertenparkplatz und einen ebenerdigen, schwellenlosen Zugang benötigte. In den oberen beiden Stockwerken befindet sich eine Wohnung mit 150 Quadratmeter Wohnraum und zirka 110 Quadratmeter Terrrassenfläche.

Da die Fläche des Erdgeschoßes maximal ausgenutzt wurde und die Wohnung nicht mehr als 150 Quadratmeter haben sollte, wurde der Restraum geschickt mittels dreier Einschnitte in der Fassade in den Baukörper gesetzt. Diese Öffnungen erzeugen tiefe Balkone, die über alle drei Innenseiten durch große Glaswände die dahinterliegenden Innenräume belichten.

Die überdachten und geschützten Fassadenflächen sind mit einem Holzlattenrost belegt. Über LEDLichtbänder in den Zwischenfugen der Holzlatten werden Bereiche wie die Einfahrt, der Eingangsbereich und die Balkone belichtet. Das Gebäude wird über eine Fernwärmeanlage geheizt und erzeugt auf dem Dach mittels Sonnenkollektoren eigenen Strom.

Insgesamt wurde ein Gebäude geschaffen, das sich optimal in diesem Ort mit den vorgegebenen Funktionen platziert.

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