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Die IFD-Fassadenkommission arbeitet bereits an nächsten Themen. ­Toleranzen in VHF stehen  derzeit am Arbeitsplan.

Erste europäische Richtlinie für VHF

21.06.2018

Beim jüngsten IFD-Kongress in Wien im Oktober 2017 präsentierte Bernhard Brocza als Vorsitzender der IFD-Arbeitsgruppe Fassade die Schlussfassung der europäischen Richtlinie für Fassaden, die regionale Regelwerke vereinheitlichen soll. Inzwischen ist sie erschienen und ist damit die erste europäische Fassung zu vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF). 

Die Internationale Föderation des Dachdeckerhandwerks, kurz IFD, entwickelte sich ursprünglich aus einer internationalen Arbeitsgemeinschaft, die 1952 in München von vier nationalen Berufsverbänden des Dachdeckerhandwerks gegründet wurde. Heute sind weltweit aus der internationalen Bedachungsbranche zahlreiche Berufs- und Fachverbände, Unternehmen, Hersteller und Handelsorganisationen sowie Industrieverbände Mitglieder der IFD. In den letzten Jahren hat sich die IFD von einem reinen Dachdeckerverband zu einem Gebäudehüllenverband entwickelt. Neben dem Kernbereich Dach (Steildach, Flachdach/Abdichtung) wurde 2017 eine neue Sparte Fassade eingerichtet. 

Die IDF-Kommission Fassade hat sich der Aufgabe gestellt, eine europäische Richtlinie für hinterlüftete Fassaden zu erarbeiten. Vertreter aus sechs Ländern sowie zahlreiche Fachverbände waren an der Ausarbeitung der „Richtlinie für die Planung und Ausführung von vorgehängten hinterlüfteten Fassaden“ beteiligt. Als Basis wurden die bestehende IFD-Richtline aus dem Jahr 2012 sowie bestehende nationale Richtlinien verwendet. Die daraus entstandene Richtlinie soll diese nun ersetzten. 

Inhalte und einzelne Kapitel

Die wichtigsten Inhalte des neuen internationalen Leitfadens: eine Beschreibung des Bauteils Fassade, die Vorteile vorgehängter hinterlüfteter Fassaden im Vergleich mit anderen Systemen, die wichtigsten Begriffsdefinitionen, Werkstoffe und Anforderungen, die Ausführung, Toleranzen der fertigen Leistungen, Prinzipskizzen für Details und An- und Abschlüsse sowie Grundsätze der Verantwortung der beteiligten Personen. „Die Richtlinie ist ein lebendes Dokument und soll praktikabel sein“, erklärt Brocza. Sie ist in gedruckter und digitaler Form inklusive Suchfunktion erschienen. Die Kapitel im Einzelnen:  

1. Einleitung: In der Einleitung werden die VHF und ihre Vorteile, wie etwa dauerhafter Witterungsschutz, hohe bauphysikalische Funktionalität durch Hinterlüftung, Energieeffizienz, sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz, Brandschutz, Schallschutz und Blitzschutz, beschrieben. 

2. Allgemeines: Hier wird der Geltungsbereich, Begriffe sowie Grundsätze der Verantwortung von Bauherrn, Planer, Bauleiter und Ausführendem erläutert. Außerdem sind die allgemeinen Anforderungen an Gestaltung, Standsicherheit, Brandschutz, Feuchte- und Wärmeschutz, Luftdichtheit, Schallschutz, Blitzschutz, Formänderung und Toleranzen aufgelistet.

3. Werkstoffe und Anforderungen: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den verwendeten Werkstoffen und deren möglichen Wechselwirkungen. Bekleidung, Unterkonstruktion, Verankerungs-, Verbindungs- und Befestigungselemente werden ebenso behandelt wie die Wärmedämmung und das Tragwerk.

4. Ausführung: „Grundsätzlich sind bei der Ausführung einer VHF nationale Vorschriften und Normen zu beachten. Für den Fall, dass solche Vorgaben nicht bestehen, gelten die in dieser Richtlinie festgelegten Mindestanforderungen“, leitet dieses große Kapitel ein. Darin werden die verschiedenen Unterkonstruktionen, Fassadenbahnen mit unterschiedlichen Arten der Öffnungen inklusive erläuternden Abbildungen, der Hinterlüftungsraum und die Anforderungen und Ausführungen der Bekleidung im Detail beschrieben.

5. Toleranzen der fertigen Leistung: „Toleranzen sind zulässige Abweichungen einer (Teil-)Leistung vom Plan-Soll“, liest man in der Einleitung. „Ein wichtiges Kapitel“, ergänzt Bernhard Brocza. Denn Toleranzen bei Bauleistungen sind nicht vermeidbar und ergeben sich aus der Summe von Untergrund-, Produkt- und Montagetoleranzen. Sie betreffen meist die Dimension und die Position, aber auch die Oberflächenbeschaffenheit, den Glanzgrad, die Farbe und andere Eigenschaften von Bauteilen. Dieser Teil der Richtlinie umfasst auch Empfehlungen für Vereinbarungen über Toleranzen. Sie sollten bereits in der Planung berücksichtigt werden.

6. Wand/Anschlussdetails: Hier findet man Richtlinien zum unteren Abschluss, zur Ausführung der Gebäudeecken, Dachrandabschlüsse sowie An- und Abschlüsse.

7. Pflege und Wartung: „Hierfür wird der Abschluss eines Wartungsvertrages empfohlen. Pflege- und Wartungsmaßnahmen sind erforderlich, um eventuelle Veränderungen, Beschädigungen oder Folgeschäden an der VHF rechtzeitig feststellen zu können“, liest man in diesem kurzen Kapitel vor der Anführung der empfohlenen Wartungsmaßnahmen. 

8. Anhang A – Prinzipskizzen: Dieser Anhang veranschaulicht die textlichen Beschreibungen und zeigt zahlreiche Details von VHF für die Arbeitsausführung.

9. Anhang B – Literaturverzeichnis: Im letzten Kapitel findet man relevante europäische und ­nationale Richtlinien.

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