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Das Fazit aus diesem Fall: Verwendet bitte um die ­Gullys herum eine Körnung 70 bis 100 Millimeter im Durchmesser von einem Meter. So kann in Folge kein Kleinstkorn in die Leitung gelangen.

Kalter Winter, hitzige Diskussionen

25.05.2017

So mancher Bauwerksabdichter meinte in diesem strengen Winter, er weiß es besser und errichtete ein qualitativ hochstehendes Flachdach bei Temperaturen, die nicht nur gemäß ÖNorm B 3691 der Materialverarbeitung entgegenstehen, sondern auch von Lieferanten als abträglich und leistungshemmend bezeichnet werden.

Es gibt Auftraggeber (AG), die auf die Qualität des Produkts Flachdachabdichtung und die Übereinstimmung mit den Normen, Fachregeln und den Erzeugervorgaben großen Wert legen – und dies auch in den Werkverträgen mit dem beauftragten Handwerker festschreiben. Auch die örtliche Bauaufsicht (ÖBA) wird angehalten, dies zu kontrollieren und zu dokumentieren. Da gehen, wenn es um die Qualität der Ausführung und die Verlängerung der Gewährleistung im Zuge der Übergabe/Übernahme geht, die Meinungen auseinander. Der Ruf nach einem Sachverständigen wird laut. Im geschilderten Fall hat mich der Ruf aus Wien erreicht.

Die zwei Bilder zeigen eine Saugsystem Flachdachentwässerung, das bekanntlich mit Unterdruck arbeitet. Die Sauggullys waren korrekt an den Tiefpunkten eingebaut. Der Flachdachbauer hat keine Einlaufscheibe und keinen Kiesfang vom Haustechniker erhalten, der hat diese Elemente auch nicht ergänzt. Das Einbinden des Gullys in die Flachdachabdichtung war keine Aufgabe, wie es weiter ging, wusste offensichtlich keiner, und den Installateur oder die ÖBA zu fragen, kam, so scheint es, nicht infrage. Also wurde vom Bauwerksabdichter improvisiert. 

Damit keine Steine in das Rohr hineinfallen, ist ein Lochblech mit Lochdurchmesser von drei Millimetern über die Öffnung gelegt worden, ein Kiesfang aus einem Standardprogramm war auch noch irgendwo im Magazin zu finden, also zusammengebaut. Bei einem weiteren Gully gab es keinen Kiesfang mehr, also nur das Lochblech draufgelegt und mit Kies beschwert. Schon der erste leichte Schneefall hat zum Zufrieren der Öffnungen geführt – also meinte die ÖBA, da rinnt kein Wasser durch, der Aufstau sei vorprogrammiert. 

Es gab eine Besprechung mit allen Beteiligten vor Ort, teilte man mir mit. Das Ergebnis war für die Bauherren unbefriedigend, Bauwerksabdichter und Installateur meinten jeder für sich, wir haben unseren Auftrag erfüllt. Die Folge war, wie immer, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, der Rechtsfreund des AG teilte den Firmen mit, dass die bestellte Leistung nicht erbracht worden sei und das Gelieferte den bedungenen Zweck nicht erfülle. Ein Sachverständiger soll bestellt werden. Es werden keine weiteren Zahlungen erfolgen, die Erhöhung des Haftrücklasses, die Verlängerung der Haftzeit, und wenn binnen 14 Tagen keine fachgerechte Korrektur vorgenommen wird, die Fremdbeauftragung an ein anderes Unternehmen, wurden angedroht. Jetzt war für die Firmen im wahrsten Sinne des Wortes der Zug abgefahren.

Ortsaugenschein. Beim Ortsaugenschein habe ich, um Kosten zu sparen, die betroffenen Firmen und die Planer samt ÖBA gebeten teilzunehmen. Fast alle sind der Einladung gefolgt, einzig der Haustechnik-Planer glänzte durch Abwesenheit. Die Werkverträge und die Ausschreibungen waren mir mittlerweile auch vom AG zugegangen. 

Es war festzustellen, dass beim Bauwerksabdichter mit der Position „Einbinden bauseits beigestellter Einbauelemente“ das Einbinden der Gullys gemeint war. Weitere Montagen, wie das Liefern des Lochblechs oder des Kiesfangs, waren gar nicht bedungen – warum also machen?

Beim Haustechniker war das Saugsystem als Ablauf mit der Produktnummer des Grundelements und des Aufstockelements für die Einbindung in die Dachhaut in der Leistungsposition beschrieben. Es fehlten die Angaben der weiteren Produktnummern für die Einlaufscheibe und den Kiesfang. Offensichtlich hat der Planer nach dem Ersatzteilkatalog und eigenem Text das Leistungsverzeichnis verfasst und auf die beiden für die Funktion wichtigen Elemente vergessen oder diese übersehen. Nach einer kurzen Diskussion kam im Ergebnis zustande, dass die Haustechnikfirma die fehlenden Elemente nachlieferte und montierte und zerknirscht zur Kenntnis nahm, dass durch das Versäumen der Warn- und Hinweispflicht gemäß ÖNorm B 2110 das Verschulden und die Kosten auf ihrer Seite verblieben. 

Autor/in:
Gerhard Freisinger
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