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Klassisch gelöst

24.07.2015

Die Außendachentwässerung leistet einen wichtigen Beitrag zur einwandfreien Funktion eines Gebäudes. Aus gestalterischer Sicht wird sie allerdings oft vernachlässigt. Die Renovierung eines alten Ritterguts in Niedersachsen (D) zeigt exemplarisch, wie aus einer technischen Notwendigkeit ein architektonisches Detail werden kann.

Text: Uwe Nage

Das etwa sechs Kilometer von Wolfenbüttel entfernt liegende Rittergut Groß Denkte wurde um 1835 erbaut. Geprägt vom spätklassizistischen, italienischen Stil liegt das Gutshaus inmitten eines englischen Landschaftsparks, der mit seinem alten Baumbestand bereits von weitem beeindruckt. Das alte Herrenhaus stand in dem kleinen Ort in Niedersachsen über einen längeren Zeitraum leer, bis es dann vor einigen Jahren unter der Leitung des Architekten Hartmut Winter mit viel Gespür für die historische Substanz saniert werden konnte. Für die Bedachung verarbeiteten die Handwerker der Firma dach & fach aus Wittmar (D) VMZ-„Dexter“-Elemente in der Oberflächenqualität Quartz-Zinc. Das samtgraue Quartz-Zinc ist eine der sechs vorbewitterten Titanzink-Oberflächen von VMZinc. Es ähnelt der natürlichen Patina von walzblankem Zink, optisch ebenso wie in seiner Oberflächenbeschaffenheit. Die vorbewitterte Oberfläche ist bereits vom ersten Tag an homogen. Sie schafft wie die natürliche Patina eine Schutzschicht, die bei Verletzungen selbst heilt und einen Langzeitschutz gegenüber Einwirkungen von außen bietet.
Für ein optimales und harmonisches Zusammenspiel zwischen Bedachungsmaterial und Dachentwässerung wurden Rinnen, Rohre und Zubehörteile ebenfalls in Quartz-Zinc ausgeführt. Als Zubehörteile kamen dabei nicht nur allgemein verwendete Standardprodukte wie Winkel und Rinnenboden zum Einsatz. Es wurden auch Wasserfangkästen und Gliederbogen (auch bekannt als Schwanenhals oder Schweizer Bogen) eingesetzt. So wurde aus der am Gebäude rein funktional notwendigen Dachentwässerung ein gestaltendes, architektonisches Detail.

Die Grund­lagen der Bemessung
Für die Berechnung der Dachentwässerung ist eine Vielzahl an Faktoren zu berücksichtigen, womit sie zu einer komplexen Aufgabe wird. Die Grundprinzipien für Planung und Berechnung lassen sich aber allgemein beschreiben. Die Berechnung erfolgt heute nach DIN EN 12056-3 in Verbindung mit der DIN 1986-100. Sie basiert auf der Regenmenge am Standort des Gebäudes und einem hydraulischen Nachweis.
Bei Entwässerungssystemen wird grundsätzlich zwischen außenliegenden und innenliegenden Rinnen unterschieden. Für die Berechnung Ersterer wird der Berechnungsregen r(5,5) herangezogen. Dieser Wert gibt die maximale Regenmenge innerhalb von fünf Minuten in fünf Jahren am Standort an. Zum Vergleich: Innenliegende Rinnen hingegen werden mit dem Jahrhundertregen r(5,100) bemessen. Dabei handelt es sich um ein Starkregenereignis, wobei die maximale Regenmenge innerhalb von fünf Minuten in 100 Jahren herangezogen wird.
Klassisch gelöst –die außenliegende Rinne

Am Rittergut in Groß Denkte wurden außenliegende Rinnen eingesetzt. Für diese klassische Lösung empfehlen sich folgende Bearbeitungsschritte: Zunächst wird ein Entwässerungskonzept dem Gebäudeentwurf entsprechend erstellt. Gleichzeitig ist die Ermittlung der am Standort zu erwartenden Regen­ereignisse erforderlich. Im Anschluss erfolgt die Bemessung der Rinnengröße, wobei die Länge der Rinnen bis zu den jeweiligen Abläufen wichtig ist. Es gilt, je länger die Rinne ist, desto größer muss sie bemessen werden. Auch die Anzahl der Abläufe kann die Dimension der Rinnen beeinflussen. Je mehr Abläufe, desto kleiner kann die Rinne ausgeführt werden, denn zur Berechnung wird der Teil der Dachfläche herangezogen, der in das Rinnenteilstück bis zu seinem Abfluss entwässert wird. Bei der Restaurierung in Groß Denkte war die Lage der Fallrohre bereits vorgeben. Sie hatten damit einen entscheidenden Einfluss auf die jeweilige Größe der Rinnen.

Außenliegende Rinnen werden nur nach Berechnungsregen bemessen. Würde man das Starkregen­ereignis ansetzen, könnte dies dazu führen, dass das Wasser in der Rinne bei normalen Regen nicht mehr richtig ablaufen kann. Der Notüberlauf infolge eines Starkregenereignisses erfolgt bei außenliegenden Rinnen nach außen. Dies ist bei der Planung der Kelleröffnungen zu beachten, in die überfließendes Wasser strömen könnte. Gegebenenfalls ist in diesem Fall die Rinnengröße mit einer größeren Berechnungsregenspende zu ermitteln.
Einige Zubehörteile führen zu einer Verminderung des Wasserflusses und sind bei der Planung und Berechnung mitzuberücksichtigen. Rinnenwinkel beispielsweise stellen einen Strömungswiderstand mit einem Reduktionsfaktor von 0,85 dar. Aus diesem Grund sind Rinnenwinkel nicht in der Nähe der Fallleitung zu platzieren. Auch Laubfangkörbe am Anschluss von Rinne zu Rohr vermindern das Abflussvermögen um 50 Prozent. Einhangstutzen hingegen bieten ein besseres Abflussvermögen als Lötstutzen.

Vergleichsweise einfach –
die Dimensionierung der Fallrohre
Die Dimensionierung von Fallrohren ist im Gegensatz zu der von Rinnen vergleichsweise einfach. Hierbei ist im Wesentlichen nur zu beachten,
dass Fallleitungsverziehungen bereits mit einem Winkel kleiner als zehn Grad das Abflussvermögen hindern. In diesem eher seltenen Fall muss die
Fallleitung wie eine liegende Leitung bemessen werden.

Speziell entwickelt: ­vorbewitterte Dachentwässerung
Vorbewitterte Regenwassersysteme bieten eine vielseitige Auswahl an unterschiedlichen Oberflächen. Homogen vom ersten Tag an harmonisieren sie mit den verschiedensten Materialien wie Ziegel, Schiefer, Naturstein, Holz und Metall. Auch für die Dachentwässerung ergibt sich so eine Vielzahl an harmonischen wie auch kontrastreichen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Dimensionierung bleibt ein aufwendiges Thema. Speziell hierfür entwickelte Computerprogramme erleichtern die Bemessung dabei entscheidend. Sie liefern in der Regel auch die für die Berechnung notwendigen Regenmengen für die meisten Orte gleich mit.

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