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Zwei Spitzgiebel und die schwarz-rote Sonderfarbe für die Fassadenverkleidung sorgen mitten im baulich eher tristen Gewerbegebiet von St. Valentin in Oberösterreich für architektonische Furore.

Knisterndes KnusperHäuschen

18.07.2017

Zwei Spitzgiebel und die schwarz-rote Farbe für die Fassadenverkleidung sorgen mitten im baulich eher tristen Gewerbegebiet von St. Valentin in Oberösterreich für architektonische Furore. Ein neuer Tabakshop zeigt, dass auch kleine Zweckprojekte Megaauftritte in Sachen Architektur hinlegen können, wenn Bauherr, Architekt, Verarbeiter und Materialproduzent sich für das Thema gemeinsam erwärmen.

Dass ein simpler Shop für Alltagsbedarf durchaus zum Brennpunkt für Ideenreichtum und handwerkliche Perfektion werden kann, dafür sorgt das dunkelrote „Prefalz“-Metallkleid vom Dach bis  zum Fundament.
Der dunkle Rotton ist eine Sonderfarbe und bringt mit der nachempfundenen Farbe der Glut einer Zigarette, Pfeife bzw. Zigarre auch die Fantasie zum Glühen.

Freude am Ausgefallenen, eine neu interpretierte Bauform und vom Thema inspirierter Mut zu einem ungewöhnlichen Material prägen den Neubau eines kleinen Tabakshops. Die gewissen Extras des Entwurfs der Poppe*Prehal Architekten schaffen eine knisternd-spannende Atmosphäre für einen banalen Zweckbau in dem an Architektur armen Gewerbegebiet.

Aufsteigender Rauch

Ob sich Bauherr und Architekt beim aufsteigenden Rauch einer Nachdenkzigarettenpause darüber gefunden haben, die flächige Struktur der faden Gewerbebauten ringsherum mit zwei hohen, spitzen Giebeln zu konterkarieren, wissen wir nicht. Dass der ungewöhnliche Baukörper und die schwarz-rote Metallummantelung des Knusperhäuschens in St. Valentin aus Prefa-Aluminium die Fantasie zum Glühen bringt, aber schon. Jedenfalls bewiesen die Architekten mit diesem Entwurf, dass auch ein Projekt mit überschaubaren Dimensionen eine spannende Herausforderung sein kann.

Im Brennpunkt

Dass ein simpler Shop für Alltagsbedarf durchaus zum Brennpunkt für Ideenreichtum und handwerkliche Perfektion werden kann, dafür sorgt das dunkelrote „Prefalz“-Metallkleid vom Dach bis zum Fundament. Die zweiteilige Bauform mit spitz zulaufenden Giebeln verleiht dem Shop nicht nur einen herausragenden, prominenten Auftritt im Brennpunkt der Ödnis von flachen Zweckbauten des Gewerbegebiets Herzograd im Enns-Donau-Winkel. Die kleine Trafik definiert sich damit auch als gemütliches „Glutnest“ der Kommunikation im hektischen Alltag.

Ziemlich schnell haben sich Bauherr und Architekt auch für ein ungewöhnliches Material entschieden. „Das ‚Prefalz‘-Material lässt sich wie eine Haut über Dach und Fassade spannen und das Gebäude abstrakt erscheinen“, argumentiert Poppe seine Entscheidung für die Verkleidung von Dach und Fassade mit den geschmeidigen, federleichten, aber robusten und wartungsfreien Aluminiumelementen. „Die Kantung des Falzes erzeugt eine unglaublich schöne Spannung“, sagt Poppe, der auch materialtechnisch gern bestehende Konventionen aufbricht und neu interpretiert. Deshalb sind auch die „Prefalz“-Elemente eine speziell angefertigte farbliche „Sonderedition“. Der dunkle Rotton der Pulverbeschichtung ist eine Sonderfarbe und der Glut einer Zigarette, Pfeife bzw. Zigarre nachempfunden. Jetzt bringt die Sonne das Schwarz-Rot der „Prefalz“-Spezialbeschichtung der 420 Quadratmeter Fassaden- und Dachfläche, die ineinander übergehen, zum Glühen.

Schmiegt sich geschmeidig an

Umgesetzt hat die gar nicht so einfache und detailreiche Aufgabe, die „Prefalz“-Elemente genau nach Architektenplan zu montieren, die Spenglerei Stefan Ertl aus St. Valentin, die die „Prefalz“-Bahnen auf 30 Millimeter Rauschalung mit Nirofix und Schubhafter exakt nach Plan gekantet und montiert hat. „Das geschmeidige Aluminiummaterial ist auch bei komplexer Aufgabenstellung des Architekten angenehm zu verarbeiten. Prefa schult exakt auf die Produkte ein und steht auch immer wieder beratend und für Rückfragen unterstützend zur Verfügung“, sagt Stefan Ertl, der die Außenhaut der Trafik, die aus 50er-Bandblechen bestand und vorher profiliert wurde, mit seinen vier Mitarbeitern in zwei Wochen montiert hat. „Der Effekt ist homogen vom Material her und spektakulär, was die Wirkung betrifft.“ Dass das Alumaterial, aus dem Dach und Fassadedeckung bestanden, insgesamt nur extrem wenig wiegt, macht darüber hinaus dem Verarbeiter das Leben auch noch leichter.

Überspitzte Mostviertler Bautradition

Die einzigartige mutige Erscheinung des kleinen Shops hat für viel Aufsehen gesorgt, schmunzelt Architekt Poppe: „So oder so war diese Trafik wochenlang Gesprächsthema über die Ortsgrenzen hinaus.“ Kostenlose Werbung für Bauherrn Roland Weichslbaum, dessen Vorgaben erst einmal vage waren: „Es gab eine bestehende Trafik und deren Einrichtung. Jetzt sollte sie an einen neuen Standort“, fasst Poppe das Briefing des Bauherrn zusammen. Der Grundriss bestand bereits. Mit zwei Giebeln, ungewöhnlichen sieben Metern Höhe und dem bis zur Spitze hin offenen Raum setzte Poppe pointiert Akzente. Die beidseitige Glasfront erzeugt viel spannendes Lichtspiel im Raum, weshalb sich der klar strukturierte und moderne Ladenbau des Innenraums funktional zurücknehmen kann.

„Zur Idee mit den zwei Spitzdächern kamen wir aus mehreren Gründen“, sagt Poppe: „Erstens haben wir die Bautradition, die für diese Region sehr typisch ist, übernommen und auf unsere Weise neu interpretiert. Zweitens entstand daneben ein Supermarkt, und damit die Trafik nicht untergeht, sind wir in die Höhe gegangen.“ Der Doppelbaukörper, der gleich zwei Knusperhäuschens nebeneinandersetzt, beruht auf der Idee einer praktischen Trennung zwischen Verkaufs- und Lagerraum. Geshoppt wird in der verglasten, transparenten Hälfte, gelagert werden Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren, Lottozubehör usw. im geschlossenen, intransparenten Bereich.

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