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Studienleiterin Dr. Iva Kovacic (oben) und Roswitha Wachtler von meinungsraum.at.Studienleiterin Dr. Iva Kovacic (oben) und Roswitha Wachtler von meinungsraum.at.

Leistbares Wohnen unterm Steildach

07.01.2015

Die TU Wien hat in einer Studie unterschiedliche Dachkonstruktionen im Lebenszyklus miteinander verglichen. Im Rahmen einer Pressekonferenz der Initiative Steildach wurden kürzlich die teilweise überraschenden Ergebnisse präsentiert.

Ein gemütliches Rückzugsgebiet im ausgebauten Dachgeschoß ist für viele Hausbesitzer ein Traum. Zahlreiche Hausbauer schrecken aus Kostengründen davor zurück, Raum unter dem Dach für die Zukunft „aufzusparen“ – zu Unrecht, wie eine Studie der TU Wien jetzt belegt. 
Die Studie des Forschungsbereichs für Industriebau und interdisziplinäre Bauplanung der TU Wien, durchgeführt von Dr. Iva Kovacic, hat anhand einer Fallstudie drei unterschiedliche Dachtypen – Flachdach, unausgebautes und ausgebautes Steildach – im Lebenszyklus verglichen. Die Ergebnisse fallen teilweise überraschend aus und belegen, dass das Steildach die Geldbörse nicht so enorm belastet, wie landläufig oft vermutet wird. Mittel- und langfristig betrachtet, erweist sich das Steildach sogar als günstiger als etwa ein Flachdach. 
Anlässlich der Präsentation dieser Resultate luden die Mitglieder der kürzlich gegründeten Initiative Steildach Bramac, Eternit, Tondach, Velux und Holzbau Austria gemeinsam mit dem Institut für Industriebau und interdisziplinäre Bauplanung der TU Wien zu einem Pressegespräch. 

Wartungsfreundliches Steildach 

Die Studienergebnisse im Detail: Betrachtet man die Kosten für den Bauteil Dach, also die Dachhülle inklusive der Konstruktion, ist das Steildach sowohl in der Anschaffung als auch im Lebenszyklus (50 Jahre) günstiger. Verglichen wurden folgende Konstruktionen: Steildach mit Holzunterkonstruktion, Steinwolldämmung und Ziegeldeckung vs. Flachdach mit Stahlbetonunterkonstruktion, EPS-Dämmung und Folie. 
Die höheren Gesamtkosten eines Flachdachs erläutert Studienleiterin Dr. Iva Kovacic: „Zum einen ist die Anschaffung etwas teurer, da für eine qualitativ hochwertige Konstruktion eine Stahlbetondecke, Aufbau samt Gefälldämmung und Folien verwendet werden müssen. Weiters fallen beim Flachdach nach 15, 30 und 45 Jahren Erneuerungskosten an. Darüber hinaus sind jährliche Instandhaltungskosten zu berücksichtigen, da diese Instandhaltung nach der ÖNorm B 3691 vorgeschrieben und somit möglicher Gegenstand der Versicherung ist.“
Die laufenden Kosten für ein Steildach seien hingegen relativ konstant, so Kovacic. „Erst nach zirka 30 Jahren fällt beim Steildach Erneuerungsbedarf an, das Flachdach beginnt bereits nach 15 Jahren, in den Erhaltungskosten zu steigen.“ Vor allem in Hinblick auf die Gesamtkosten liegt das Haus mit Steildach für die Professorin der Fakultät für Bauingenieurwesen der TU Wien vorn: „Durch das größere Platzangebot eines ausgebauten Steildachs beträgt die Ersparnis gegenüber dem Flachdach innerhalb eines Lebenszyklus mehr als 400 Euro pro Quadratmeter.“

Wohnen braucht mehr Platz

Der unbestritten größte Vorteil eines Steildachs besteht in der Möglichkeit, die Bruttogeschoßfläche zu  vergrößern, die durch den Dachgeschoßausbau erreicht werden kann. Im Lebenszyklus eines Einfamilienhauses ändern sich das Nutzungsverhalten und der damit verbundene Wohnraumbedarf mehrfach. „Die Wahl eines Steildachs räumt den Hausbewohnern dafür größtmögliche Raumflexibilität bei größter Kosteneffizienz ein“, so Kovacic. Das kann entweder bereits zu Beginn bei der Planung berücksichtigt werden, wenn ein Haus bereits mit Dach ausgebaut oder ausbaufähig geplant wird. Das unausgebaute Haus mit Steildach ist anfänglich geringfügig teurer, aber günstiger im Lebenszyklus, da es wartungsarm ist. Und: Ein unausgebautes Steildach erlaubt auch nach Jahren eine hohe Flexibilität im Wohnraumausbau, da das Haus in der gleichen Bauklasse bleibt. 
Die Entscheidung für ein Flachdach ist, was das Platzangebot betrifft, eine endgültige. Sollte man zu einem späteren Zeitpunkt zusätzlichen Raum schaffen wollen, ist das nur extern möglich.

Die Kostenfrage

Immer wichtiger werden im Hausbau neben den Errichtungskosten die Lebenszykluskosten, also die Bau- samt Folgekosten. „Selbst wenn beim Steildach erst nach 15 Jahren ausgebaut wird, beläuft sich die Ersparnis im Lebenszyklus auf fünf Prozent gegenüber dem Haus mit Flachdach und gemietetem Lagerraum“, erläutert Dr. Iva Kovacic bei der Präsentation der Studie. Auch das ausgebaute Steildach bringt eine Kostenersparnis: „Geht man von einem Einfamilienhaus mit einer Grundfläche von 200 Quadratmetern aus, wird der Unterschied zwischen den Dachtypen deutlich: Auf den Lebenszyklus gesehen, liegt die Ersparnis des ausgebauten Steildachs gegenüber dem Flachdach bei 83.300 Euro und der Einsparung von 20 Tonnen CO2“, so die Studienleiterin.

Österreicher mögen Steildächer

„Die in der Vergleichsrechnung der TU-Studie belegten wichtigsten Vorteile von Steildachkonstruktionen decken sich mit den modernen Anforderungen der Österreicher an das Dach über dem Kopf“, leitete Roswitha Wachtler von meinungsraum.at zu ihrer im Sommer 2014 präsentierten Dachstudie über. „Mit den Ergebnissen der TU-Vergleichsstudie können viele Bauchentscheidungen von Bauherren nun durch Fakten belegt werden“, sieht sie ihre Ergebnisse bestätigt, nach denen acht von zehn Österreichern Häuser mit Steildächern bevorzugen. Befragt wurden 1.000 Personen sowie 395 Hausbauer beziehungsweise Sanierer. Grundsätzlich empfinden 95 Prozent der Befragten Langlebigkeit als sehr wichtig. Für 90 Prozent sind die Kosten von entscheidender Bedeutung. Und für 86 Prozent ist die Wohnraumnutzung sehr wichtig oder wichtig. 

Fazit: wenig Wartung, viel Platz

Laut der aktuellen TU-Studie ist das Steildach im Lebenszyklus auf 50 Jahre gesehen billiger und langlebiger. Es bestehen im Vergleich zum Flachdach nur geringe bis keine Wartungskosten. Beim unausgebauten oder ausgebauten Steildach besteht eine zusätzliche Raumnutzungsmöglichkeit – auch das ist den Österreichern wichtig, besagt die Studie von meinungsraum.at: 27 Prozent derer, die in den vergangenen fünf Jahren ein Haus gebaut haben, nutzen ihren Dachraum noch nicht, es ist also ein hohes Potenzial an Ausbaukandidaten vorhanden. Steile Aussichten. 

Autor/in:
Birgit Tegtbauer
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