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Strenge Anordnung: Neue Biber reihen sich in Kombination mit unterschiedlicher Schneesicherung, damit Saum- und Hängerinne möglichst störungsfrei entwässern können. Foto: Erlus.Partiell erneuert: Lediglich 15 laufende Meter Altdach wurden abgedeckt, um das bewohnte Gebäude vor Niederschlag zu schützen. Foto: Erlus.Last direkt aufs Tragwerk: Passend zum Rundschnitt-Biber ist die Gitterstütze auf einer farblich passenden Aluminiumgrundplatte befestigt. Foto: Erlus.Abschluss von Walm und First: „Erlus-Gratziegel Nr. 2“ liegen hier im Mörtelbett – eine vom Denkmalschutz häufig gestellte Forderung. Foto: Erlus.Vorsortiert aufs Dach: Anhand von Musterdeckungen entschied sich der Bauherr für eine Mischung aus drei verschiedenen Farben. Foto: Erlus.

Neue Klosterordnung

20.11.2014

Das Kloster Persenbeug aus der Habsburger Ära trotzt der Zeit. Dennoch benötigte das historische Gemäuer nach rund 70 Jahren dringend eine Neudeckung. Am äußeren Erscheinungsbild sollte sich dabei möglichst wenig ändern. 

Text: Thomas Dietrich

Dem Zufall sollte nichts überlassen bleiben. Bauherr und Dachdeckermeister wollten es genau wissen. Bevor der erste Ziegel aufs Klosterdach kam, fand eine sorgfältige Bemusterung auf dem Boden statt. Der Dachprofi baute dazu im Hof des Klosters drei Musterflächen von jeweils zwei Quadratmetern auf. „So konnte der Bauherr auf einen Blick sehen, welche Varianten bei der Gestaltung möglich sind“, sagt Wilhelm Böhm jr., Geschäftsführer des gleichnamigen Fachbetriebs in Ottenschlag. „Das Dach sollte nach der Neudeckung am besten so wie vorher aussehen. Deshalb haben wir uns bei der Farbmischung der Ziegel an der Altdeckung orientiert.“ 

Sanierung originalgetreu

Der planerische Aufwand war angemessen. Persenbeug ist schließlich kein Örtchen an der Donau, das sich mit romantisch anmutendem Flair schmücken möchte, sondern der Stammsitz des Habsburger Adelsgeschlechts. Daher gehörte es für die Besitzer der historisch bedeutsamen Immobilien rund um Schloss Persenbeug zum Selbstverständnis, das Aussehen der geschichtsträchtigen Gebäude möglichst originalgetreu zu erhalten und zu pflegen. Das Klostergebäude machte da keine Ausnahme, auch wenn es heute längst als Wohn- und Bürogebaude Verwendung findet. 

Altdeckung schadhaft 

Halbherzig an das Thema Denkmalschutz heranzugehen kam für alle Beteiligten nicht infrage. Sowohl Bauherr als auch Dachprofi verfolgten ein gemeinsames Ziel: Sie wollten erreichen, dass das inzwischen mehr als 70 Jahre alte Dach endlich von wiederkehrenden Schäden kuriert wird. Sturm, Stark­regen und Hagel hatten der Altdeckung in den vergangenen Jahren mehr und mehr zugesetzt. Eine Sanierung zeichnete sich als beste wirtschaftliche Lösung ab. 
Die Mischung macht’s Fest stand auch: Die in Würde gealterte Biberdeckung sollte nicht einfach gegen eine Neudeckung in leuchtendem Rot oder in einer anderen homogenen Färbung getauscht werden. Doch was dann? Böhms Musterflächen auf dem Klosterhof zeigten Alternativen auf: Farbnuancen verschiedener Rottöne – mal matt, mal mit Glanz versehen – lassen sich so gekonnt kombinieren, dass neuverlegte Erlus-Biber der Farbgebung einer über Jahrzehnte gealterten Dachlandschaft recht nahekommen. 

Unten mischen, oben verlegen

Bauherr und Dachprofi legten sich auf eine individuelle Mischung aus drei verschiedenen, 15 mm dicken Rundschnittbibern von Erlus fest. Zum Einsatz kamen 28.700 Stück helle „Historic-Biber“, 19.900 dunkle „Historic-Biber“ und 6.100 normale Sinterbiber in Sinterrot. Damit die Verteilung auf der 1.700 Quadratmeter großen Dachfläche hinterher auch stimmig wird, war zunächst Vorarbeit am Boden vonnöten. „Wir haben die Ziegel in der gewünschten Vorsortierung von den jeweiligen Paletten zusammengestellt und dann per Lastenaufzug in der passenden Reihenfolge aufs Dach befördert“, sagt Böhm. „So hatten wir stets für jeden Quadratmeter die richtige Mischung zur Hand.“

Tipps für Windsogsicherung 

Tragwerk und Ziegel bleiben von innen sichtbar und haben keine Unterspannung erhalten. Eine Dämmung hatte der Bauherr bereits mit der obersten Geschoßdecke kombinieren lassen. Die neuen Traglatten bestehen aus Fichte und wurden direkt auf die Sparren gesetzt.
Beim Thema Windsog kann Ziegelhersteller Erlus die Dachprofis bei der Planung unterstützen. Auf seiner Homepage www.erlus.de/Windsogsicherung-AT/ hält das Unternehmen beispielsweise einen Windsogrechner bereit, der projektbezogen Informationen liefert, wie Biber je nach Region und Beschaffenheit von Gebäuden fachgerecht befestigt werden können.

Robust gegen Hagel

Die Hauptflächen des Klosterdachs besitzen eine Neigung von 47 Grad. Damit die Biber festen Halt auf der Traglatte finden können, weist der Ziegelkopf eine zweifache Lochung auf. „In der Fläche haben wir jeden dritten Biber befestigt, am Dachrand und am Schopf jeden einzelnen“, sagt Böhm. Am Walm hängen die Ziegel mit einem Neigungswinkel von über 80 Grad. Zu First und Grat passt der „Erlus-Gratziegel Nr. 2“, der sich trocken verlegen lässt, doch auf dem Klosterdach ist er nach historischer Vorlage gemörtelt.
Die eingesetzten Ziegel besitzen eine Breite von 18 Zentimeter und eine Länge von 38 Zentimeter. Ihre Robustheit lässt das neue Klosterdach auch künftig Wind und Wetter widerstehen. Selbst vier Zentimeter dicken Hagelschloten können die Biber trotzen, wie aktuelle Testergebnisse offenbaren. Das sichert die Eintragung in die Hagelschutzklasse 4 (www.hagelregister.at). 

Schneefänge auf dem Dach

Den Schutz vor winterlichen Dachlawinen übernehmen 6.000 Schneestopper, die die Dachfläche mit einem strengen Raster überziehen. Dazwischen sind an etlichen über die Fläche verteilten Anschlagpunkten Leiterhaken befestigt, damit sich der angegurtete Dachprofi dort sichern kann. Um den Eingang und die Kehlbereiche am Anbau vor Dachlawinen zusätzlich zu schützen, wurden 30 laufende Meter Schneefanggitter auch auf dem neuen Ziegeldach montiert.
Die Halterungen für die Schneefanggitter haben die Dachprofis erst in der Höhe der fünften und sechsten Reihe angesetzt. An Traufbereichen, die keine Gitter aufweisen, bildet eine Reihe enggesetzter Schneestopper eine entsprechende Barriere. In welcher Konstellation Schneefänge am Dach installiert werden müssen, zeigt ein weiteres auf der ÖNorm B 3418 basierendes Rechnungsmodul des Ziegelherstellers, das der Dachprofi online unter www.erlus.com nutzen kann.

Ein Betrieb, zwei Gewerke

Für Traufe, Rundgauben und Kaminanschlüsse bringen Kupferbekleidungen eine dauerhafte Lösung. Auch hier konnte der Fachbetrieb Böhm seine Kompetenz anbieten, weil im Handwerksbetrieb Dachdecker und Spengler Hand in Hand arbeiten. Beim Kloster Persenbeug war der Baustellenalltag allerdings mit erhöhtem Aufwand verbunden. „Das Objekt blieb während der Renovierung bewohnt“, sagt der Ottenschläger Sanierungsexperte. „Somit konnten wir immer nur die Fläche bearbeiten, die wir am Ende des Tages auch wieder regensicher zurücklassen konnten.“ 

Hand in Hand arbeiten

Das hieß konkret: Das Team unterteilte die Fläche zwischen Traufe und First in Abschnitte zu je 15 laufende Meter. Sechs Dachdecker sorgten zunächst dafür, dass die Altdeckung entfernt und neue Traglatten gesetzt wurden. Danach wurde das Tragwerk durch Planen wetterfest geschützt, während sich die Spengler auf ihre Arbeit an Traufe, Rundgaube, Ortgang oder Walm konzentrierten. Sobald die Metallspezialisten einen von ihren Kollegen vorbereiteten Bereich fertiggestellt hatten, konnten die Dachdecker mit der Neudeckung beginnen. „Bei einem solchen Projekt ist es sicher von großem Vorteil, beide Gewerke im eigenen Betrieb zu haben“, weiß Böhm aus Erfahrung. „Die Kommunikation funktioniert schneller, und unsere Mitarbeiter können sich gegenseitig leichter helfen.“ Auch Details waren im Blickfeld der Sanierer. So bleiben beispielsweise Saum- und Hängerinnen in der bisherigen Anordnung, die 1940 durch die Erweiterung des Gebäudes mit seinem Spitzgiebel entstand. 

Historischen Charme erhalten 

Der Erfolg kann sich sehen lassen, auch wenn der Betrachter am Kloster Persenbeug auf einen ersten flüchtigen Blick nichts Besonderes erkennen mag. Gekonnt ahmen die neuen Rundschnitt-Biber den Charme der historischen Dachlandschaft nach – nichts anderes wollten Bauherr, Dachdecker und Spengler mit der Sanierung bezwecken. Damit kann die Zeitrechnung für das Kloster Persenbeug in Sichtweite des Habsburger Schlosses wieder von neuem beginnen. Das dürfte der Bedeutung und Attraktivität des Ortes entgegenkommen. 

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