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Hochzug der Dachabdichtung auf der Außenwand des Obergeschoßes, senkrecht endend auf der Türschwelle.

SV-Praxis - Der Holzriegelbau und seine Anschlussprobleme

28.01.2016

Diesmal habe ich einen Schadensfall mitgebracht, an dessen Entstehung wohl alle am Bau maßgeblich Beteiligten mitgewirkt haben. Dies sind: der Bauherr, sein Planer und Architekt, der auch die Bauaufsicht (ÖBA) innehatte, der Bauwerksabdichter und das Holzbauunternehmen als Teilgeneralunternehmer, das man nicht vergessen darf.

Ausgebaute Konstruktion der Wand unter der Türschwelle mit Blick in das Innere.

Das Wohnobjekt, ein Holzriegelbau mit WDVS-Fassade A1 und Decken aus Brettschichtholz-Platten (BSH-Platten), wurde zweigeschoßig errichtet. Die ausspringenden Flachdachteile wurden als Warmdach geplant und ausgeführt. Der Flachdachaufbau auf der BSH-Decke bestand aus einer SK-Aludampfsperre, der EPS-Gefälledämmung, der Dachhaut aus PVC-P-Folie 1,8 Millimeter dick und dem schweren Oberflächenschutz. Die Hochzüge ab OK der BSH-Decke betrugen ca. 50 Zentimeter, waren also ausreichend hoch bemessen. 

Auf dem ersten Bild ist zu sehen, dass der Hochzug für das Fenster-Tür-Element vertikal mit der Oberfläche des Staffels endet. Also kein Hineinziehen und Abdecken der Schwelle und kein Anschluss an den Kunststoffrahmen des Stockprofils. Die Attikahochzüge waren gleich ausgeführt, auch dort war die Abdichtung nicht über die Attikakrone hinausgeführt. Auf der Schwelle hatte der Holzbauer eine ca. drei Millimeter dicke SK-Bitumenbahn zum Schutz der Holz­oberfläche aufgeklebt. Abdichtung konnte das keine sein, die Montagefuge war ausgeschäumt zu sehen. Lediglich das zur Staffelabdeckung wie eine Fensterbank ausgeführte Abdeckblech aus Alu braun hätte also die Abdichtung bewerkstelligen sollen. 

Das zweite Bild zeigt die ausgebaute Wandkonstruktion mit der von Fäulnis und Schimmel befallenen Holzkonstruktion. Aber es ist auch festzustellen, dass vom Rauminneren eine PE-Folie blau, also geprüfte Dampfbremse, an der Holzriegelkonstruktion hochgezogen worden ist. Die Stöße sind nicht verklebt ausgeführt, und an einer Stelle ist eine Falte vorhanden, in die man mit der Hand hineingreifen kann. Direkt darunter ist auch eine besonders intensive Schädigung des Staffels festzustellen. Rechts im Bild, an der Eckausbildung, ist zu sehen, dass hier offenbar ein heftiger, oftmaliger Wassereintritt stattgefunden haben muss. An dieser Stelle darf ich anmerken, dass das Objekt im Jahre 2012 errichtet und übergeben worden ist. 

Der Raum im Inneren ist als Badezimmer genutzt, weist keine Duschtasse, sondern lediglich einen in den Fliesenbelag eingelassenen Bodenablauf auf. Die zweite festzustellende Schadstelle war das Badezimmer, in dem die PE-Folie als Primärabdichtung auf der BSH-Decke verlegt war. Also war das Obergeschoß in Summe bestehend aus drei Räumen – Badezimmer, Schlafzimmer und ein weiteres Zimmer – mit dem Gang auch zu sanieren. 

Angemerkt sei noch, als Entwässerung gab es einen abgewinkelten Gully ohne Aufstockelement, also keine eingebundene Dampfsperre und auch keinen Notüberlauf. 

Im Zuge der Sanierung kommt immer das, was kommen muss: Wer zahlt was? Wer trägt die Schuld am Versagen der Konstruktion? 

Als Erstes kam die Schuldzuweisung an den Bauwerksabdichter. Wie wir wissen, Wasser im Haus heißt, dass das Flachdach nicht dicht hergestellt ist. So ist das allerdings nicht immer. Auch in diesem Fall war wohl die Schuldzuweisung nicht ganz falsch, aber es waren auch die anderen am Bau Beteiligten nicht außer Acht zu lassen.

Der Bauherr wollte ein kostengünstiges Wohnobjekt errichtet haben, der Architekt als Planer hat rundum gespart, und der Bauwerksabdichter hat das gemacht, was angeschafft wurde, ohne zu hinterfragen, ob dies auch der ÖNorm entspricht. Gewarnt und/oder hingewiesen hat er auch nicht. 

Zu guter Letzt haben wir doch eine für alle Beteiligten brauchbare Lösung gefunden. Die tatsächlichen „Sowieso-Kosten“, wie das Herstellen des Notüberlaufes und Ändern der Ablaufsituation, hat der Bauherr gezahlt, auch haben ihn die Mehrkosten für das Herstellen der Attikahochzüge über die Krone und das Mehrmaterial für den Anschluss an die Fenster-Tür-Kombination getroffen. Der Bauwerksabdichter hat die Arbeitsleistung für die Neuherstellung der Abdichtung getragen, und der Holzbauer hat, eher aus Kulanz, die Erneuerung der Holzkonstruktion übernommen. Er hat als Teilgeneralunternehmer den Innenausbau in seinem Auftrag gehabt und es unterlassen, auf die Erfordernis der Abdichtung des Nassraumes mit einer dichten Primärabdichtung auf der Holzdecke hinzuweisen, wenn keine Duschtasse eingebaut wird.

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