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Umfrage: Wie geht es der Dachbranche in der Corona-Krise?

26.03.2020

Wie handhaben Dachdecker- und Spenglerbetriebe die Umsetzung der Regierungsmaßnahmen? Gibt es noch Aufträge? Wenn ja, was wird am häufigsten gemacht? Müssen Mitarbeiter entlassen werden? Wir haben Unternehmen befragt und bringen hier ein laufend aktualisiertes Stimmungsbild der österreichischen Dachbranche.

Helmut Schabauer, Spenglerei/Dachdeckerei Schabauer, Graz/Stmk., 8 Mitarbeiter:
„Ich habe, nachdem es in Italien losging, meine acht Mitarbeiter am Montag den 16.03.2020 sofort abgemeldet, einvernehmlich und mit Wiedereinstellungszusage, was bis dato in der Branche im Winter auch üblich war. Es galt, meine Mitarbeiter und letztendlich auch andere am Bau und uns zu schützen! Das Kurzarbeitsmodell war zu diesem Zeitpunkt noch nicht soweit und ist ja täglich angepasst worden, außerdem passt es auch nicht für jeden Betrieb. Wir werden jeden gesunden Mitarbeiter und noch mehr nach der Krise benötigen!
Ich habe bei uns in der Steiermark durch unzählige Telefonate festgestellt, dass die meisten Betriebe auch geschlossen haben, aber natürlich gibt es einige Betriebe, die sich das gar nicht leisten können, z. B. wegen Liquiditätsproblemen oder Miet-/Pachtzahlungen etc.
Nun ist seit heute das Ergebnis der Verhandlungen der Bau-Sozialpartner da. Wir dürfen und sollen weiterarbeiten am Bau, damit nicht alles zusammenbricht – allerdings unter den vorgegbenen Maßnahmen wie z. B. 1 Meter Abstand auf Baustellen im Freien, Hygienevorgaben etc. Ich gehe aber davon aus, dass Großbaustellen bis auf weiteres still gelegt sind bzw. werden. Im Endeffekt wurde der Ball wieder uns Unernehmern zugespielt, ob wir weiterarbeiten. Ich bin gespannt, ob das Arbeitsinspektorat Baustellenkontrollen vornimmt und womöglich auch Strafen verhängt, wenn z. B. Mindestabstände nicht eingehalten oder Hygienevorschriften verletzt werden.“ (27.03.2020)

Peter Koch, Spenglerei Koch, Wien, 25 Mitarbeiter:
„Die Anfragen gehen derzeit auf Null. Wir haben seit einer Woche kurzfristig im Büro auf Homeoffice umgestellt. Gott sei dank beschäftigen wir uns seit mittlerweile über zwei Jahren mit papierlosem Büro. Somit waren viele Vorleistungen bereits vorhanden und die Umstellung ging relativ schnell. Wir haben versucht weiter zu arbeiten. Aufgrund der massiven Verschärfungen und einer gesetzlichen Aufarbeitung der Gesetze durch die Bauinnung habe ich für uns beschlossen ab 23.03.2020 den Betrieb bis auf weiteres einzustellen. Im Grund kann keiner garantieren, dass die Hygiene und die Abstandsregelung auf den Baustellen durchgehend und nachweisbar eingehalten werden können. Es bleibt also nur der Noteinsatz und den halten wir nach wie vor aufrecht.
Die häufigsten Tätigkeiten sind derzeit Notmaßnahmen und bis Mitte nächster Woche noch Fertigstellungsarbeiten für offene Dächer als Absicherung auf Dauer. Aufgrund der Unsicherheit von möglichen Verschärfungen ist das neu Beginnen einer Baustelle sehr risikoreich. Was ist, wenn nach einer Woche die Ausgangsperre verhängt wird und das Dach offen bleiben muss? Wer übernimmt die Verantwortung? Ich denke, nach Ostern wird sich herauskristallisieren, wie die Situation gehandhabt wird und wir können in eingeschränkter Form mit Zusatzmaßnahmen weiterarbeiten.
Bezüglich Mitarbeiter: Wir hatten Gott sei dank einen guten Winter und noch einiges an Urlaub und Gutstunden offen. Diese werden wir aufbrauchen und dann gesamt in Kurzarbeit gehen. Wie gesagt hoffe ich nur bis nach Ostern. Eingereicht haben wir bis Ende Mai. Ich hoffe, diese Maßnahme nicht ausnützen zu müssen. Ein großer Dank gilt meinem Team. Wir haben umgehende eine WhatsApp-Gruppe geründet und sind alle gut vernetzt. Ich versuche alle immer am neuesten Stand zu halten, und das Team ist froh, dass wir niemanden kündigen müssen.“ (26.03.2020)

Wilhelm Strasser, Dachdeckerei/Spenglerei/Zimmerei Strasser Dach, Eberstalzell/OÖ, 38 Mitarbeiter:
„Die Corona-Krise hat uns voll getroffen. Der vorangegangene milde Winter erlaubte uns zwar einige Arbeiten, jedoch ist der Winter nie die Zeit, um Geld zu verdienen. Wir haben aktuell eine gute Auftragslage und immer noch einige Angebote zu schreiben, leider haben wir aufgrund der Krise bereits einige Stornierungen. Wir haben viel Material auf Lager bzw. auf Zwischenlagern, da der Baufortschritt hinter dem Zeitplan ist.
Unsere Mitarbeiter bauen bis Ende März die Urlaube und Zeitguthaben ab und gehen dann mit April in die Kurzarbeit. Wir werden nur das Büropersonal und einen kleinen, zwei Mann starken Notdienst permanent beschäftigen. Wir hoffen, dass die derzeitige Situation  nicht länger anhält, denn jeder Tag kostet Geld.
Ein Appell an alle Branchen-Kollegen: Haltet euch bitte an die Beschränkungen, denn eine zeitlich begrenzte Betriebsunterbrechung ist wesentlich besser als eine anhaltende schleppende Einschränkung. Ein alter Spruch: Eine Zeit lang kein Geschäft zu haben kann man überleben, aber längere Zeit Geschäfte zu machen, die kein Geschäft sind, hält keiner aus!“ (26.03.2020)

Thomas Senn, Spenglerei Senn & Moll, Innsbruck/Tirol, 7 Mitarbeiter:
„Die Veränderungen für die Geschäftstätigkeit können wir noch nicht wirklich einordnen. Wir werden unsere Mitarbeiter aber für Kurzarbeit anmelden.“ (26.03.2020)

Ernst Zimmermann, Holzbau/Dachdeckerei/Spenglerei Zimmermann, Mattersburg/Bgld., ca. 120 Mitarbeiter:
„Wir sind jetzt in der zweiten Krisenwoche und wir Unternehmer sind immens gefordert. 
Aus eigener Erfahrung: Wir sind ein Betrieb mit rund 120 Monteuren, die auf Baustellen tätig sind. Dienstag vergangener Woche haben wir uns entschlossen, nachdem immer mehr Schließungen von Baustellen (im Objektbereich) bekannt wurden, die Arbeiten einzustellen. Nachdem aber in dieser Woche immer mehr Bauherren/Bauträger nervös werden und auf Arbeiten drängen, nahmen wir mit 25.3. den Betrieb wieder auf. Aber sehr stark reduziert. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter weigern sich aus gesundheitlicher Vorsorge die Arbeit wieder aufzunehmen. Persönlich verstehe ich das voll, die Sorge um die Familie steht vor der Arbeit. Diese Mitarbeiter sind jetzt in Kurzarbeit. Wobei auch anzumerken ist, dass die Mitarbeiter auf Baustellen von der Bevölkerung angepöbelt werden, und sogar mit Anzeigen gedroht wird.
Als Interessenvertreter muss ich nochmals darauf aufmerksam machen, dass die jetzige Regelung von einer praxisgerechten Lösung weit weg ist. Wenn jetzt aber schon angedacht ist, die Arbeiten ab Dienstag nach Ostern wieder voll aufzunehmen, ist sehr viel Aufklärungsarbeit, sowohl bei den Mitarbeitern, aber auch bei der Bevölkerung, notwendig, um die Angst zu nehmen, dass das Arbeiten mit Bedacht auf die Sicherheitsvorschriften bzw. Sicherheitsabstände wirtschaftlich notwendig ist." (26.03.2020)

Dachdeckerei/Spenglerei/Zimmerei, Niederösterreich, 25 Mitarbeiter:
„Mit dieser Situation hat niemand rechnen können. Somit gilt es, das Beste daraus zu machen. Zurzeit werden keine Besichtigungstermine bei Kunden abgehalten. Die  haben wir abgesagt und bis auf weiteres verschoben. Die wirtschaftliche Lage für den Betrieb gilt es zu bewältigen und die Kostenübersicht gut im Auge zu bewahren. Derzeit haben wir nur Notbetrieb und es werden lediglich notwendige Ausbesserungen gemacht. Die Mitarbeiter sind im Moment in Zeitausgleich und bauen Urlaube ab.“ (26.03.2020)

Alexander Eppler, Spenglerei/Dachdeckerei Eppler, Wien, 9 Mitarbeiter:
„Wir haben mit 16. März die Arbeiten eingestellt und machen nur mehr die notwendigen Reparaturarbeiten. Mit 23. März haben wir mit allen Mitarbeitern Kurzarbeit vereinbart, haben aber bis heute, 26.03.2020, keine Bestätigung vom AMS erhalten. Generell ist zu sagen, dass es nur ein tagesaktuelles Stimmungsbild ist, das sich jederzeit ändern kann. Warten wir ab, was es für neue Ankündigungen der Regierung gibt.“ (26.03.2020)

Wolfgang Ebner, Dachdeckerei, Hof/Slbg., 13 Mitarbeiter:
„Unsere Firma hat die letzten 14 Tage geschlossen gehabt, um hier eine gewisse Sicherheit gegen eine Ansteckung zu gewährleisten. Ab nächster Woche wird mit Kleinpartien gearbeitet, um Sturmschäden sowie Fertigstellungsarbeiten durchzuführen. Großbaustellen werden nicht begonnen. Den Mitarbeitern wurde freigestellt mit wem oder ob sie überhaupt arbeiten möchten. Arbeitsbeginn und Arbeitsende wurden so aufgeteilt, dass immer nur eine kleine Anzahl von Mitarbeitern gleichzeitig in der Firma ist.“ (26.03.2020)

Dachdeckerei/Spenglerei, Niederösterreich, 8 Mitarbeiter:
„Wir haben die Geschäftstätigkeit fast auf Null runtergefahren. Gearbeitet wird nur im Notfall, sprich, wenn es einen Wassereintritt in ein Wohngebäude gibt. Bis auf zwei Mitarbeiter (ein Facharbeiter in Kurzarbeit, ein Lehrling ist in der Berufsschule bzw. im Homeoffice) haben sich die anderen beim AMS angemeldet.“ (26.03.2020)

Roman Moosbrugger, Dachdeckerei, Bezau/Vlbg., 6 Mitarbeiter:
„Nachdem wir als Arbeitgeber laut Baukoordinationsgesetz für die Sicherheit gegenüber den Arbeitnehmern verantwortlich sind, hatten wir letzte Woche unseren Betrieb bei voller Bezahlung unserer Arbeitnehmer geschlossen. Auch wollten wir uns solidarisch mit dem Tourismus und dem Handel zeigen. Nach Einzelgesprächen mit allen Mitarbeitern haben wir diesen Dienstag nach Möglichkeit der Einhaltung der Schutzmaßnahmen mit dem Baustellenbetrieb begonnen. Wir führen alle Tätigkeiten aus: Flachdach, Steildach usw. Wir organisieren, dass wir um unseren Arbeitsbereich die einzigen Personen sind, sonst sind unsere Mitarbeiten angehalten, die Baustelle zu verlassen. Das Wichtigste ist die Einhaltung der Schutzmaßnahmen, wobei wir das Hauptaugenmerk auf den Ablauf der Arbeiten – sprich wir sind alleine um unseren Bereich – gelegt haben.
Nachdem derzeit niemand sagen kann, wie lange uns die aktuelle Situation beschäftigt, werden wir soweit als möglich unsere Baustellen abarbeiten. Die Mitarbeiter wollen mithelfen und deshalb machen wir weiter. Kurzarbeit ist derzeit für unsere Mitarbeiter kein Thema.“ (25.03.2020)

 

Wie geht es Ihrem Unternehmen in Corona-Zeiten? Ihre Meinung zählt!
Schreiben auch Sie uns, wie Sie und Ihr Unternehmen diese herausfordernde Zeit meistern. Senden Sie dazu bitte ein kurzes Statement mit der Beantwortung folgender Fragen an b.tegtbauer@wirtschaftsverlag.at:

  • Was ändert die Corona-Krise an Ihrer Geschäftstätigkeit? 
  • Arbeitet Ihr Betrieb nach wie vor?
  • Wenn ja, was sind aktuell die häufigsten Tätigkeiten?
  • Wie haben Sie die Situation für Ihre Mitarbeiter geregelt?

Bitte auch um Info, wo Ihr Unternehmen ansässig ist und wie viele Mitarbeiter Sie beschäftigen.
Wenn gewünscht, veröffentlichen wir Ihr Statement anonym, nur mit Bundeslandangabe und Unternehmensgröße.

Danke für Ihren Beitrag – er hilft, ein Stimmungsbild der Branche wiederzugeben und ist interessant und vielleicht sogar hilfreich für Ihre Kollegen!

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