Direkt zum Inhalt
 © Knut Häntzschel, FDT/Sven-Erik Tornow © Knut Häntzschel, FDT/Sven-Erik Tornow © Knut Häntzschel, FDT/Sven-Erik Tornow © Knut Häntzschel, FDT/Sven-Erik Tornow © Knut Häntzschel, FDT/Sven-Erik Tornow © Knut Häntzschel, FDT/Sven-Erik Tornow

Unikat aus DDR-Zeiten

07.06.2018

Fragt man nach typischer DDR-Architektur, dann fällt sofort der Begriff „Plattenbau“. Dabei gab es auch im sozialistischen Deutschland innovative Ansätze moderner Architektur. Dazu zählt zum Beispiel die Hyparschale – ein doppelseitig gekrümmtes, selbsttragendes Dachelement.

Maßgeblich entwickelt und realisiert wurde die Hyparschale in der DDR von dem Ingenieur und Bauunternehmer Ulrich Müther aus Binz. Zu den bekanntesten Betonschalenbauten dieser Art gehört – neben dem inzwischen abgerissenen „Ahornblatt“ in Berlin-Mitte – die am Ostseestrand des Rostocker Stadtteils Warnemünde gelegene Ausflugsgaststätte „Teepott“. Ihr markant geformtes Betonschalen-Dachtragwerk zierte noch über 70 weitere Bauten der ehemaligen DDR. Eines davon ist das heutige Wassersportzentrum Dresden-Blasewitz unmittelbar an der Elbe gelegen.

Als Leistungszentrum für Rudersport in den Jahren 1970 bis 1972 erbaut, bildet das Dach aus vier zusammengesetzten Hyparschalen die Form des Gebäudes. Die innen nach unten gekippten Schalen lassen viel Tageslicht durch die hohen Glasfassaden in den 36 mal 36 Meter großen Hallenbau fallen. Ursprünglich umfasste das Rudersportzentrum neben vier 1er-Wasserbecken ein 8er-Rudersimulationsbecken, eine kleine Sporthalle sowie Kraft- und Sanitärräume inklusive Sauna.

Sanierung nach Hochwasser

Mit der Wende wurde der Rudersport in Dresden neu strukturiert. So konnte ein Teil der vorhandenen Flächen auch anderen Sportarten zur Verfügung gestellt werden. Im Jahr 2002 sorgte das August-Hochwasser für erhebliche Schäden an der Gründung und den Gläsern der Fassaden. Eine Sanierung der Substanz war zwingend erforderlich. An den Sanierungskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro beteiligte sich mit 770.000 Euro der Aufbauhilfefonds-Hochwasser von Bund und Land, der Rest sind Eigenmittel der Landeshauptstadt. 

Von 2002 bis 2006 wurde das Bauwerk nach einem Architekturwettbewerb gemeinsam vom Ingenieurbüro Prof. Rühle, Jentzsch und Partner und dem Architekturbüro see architekten aus Dresden saniert. Ursprünglich war die Stahl-Glas-Fassade mit einer Industrieverglasung ausgestattet. Im Rahmen der Sanierung wurde diese gegen ein modernes Sonnenschutzglas in großformatigen und farbneutralen Fenstern ausgetauscht. Im Jahr 2008 stellte das Landesamt für Denkmalpflege das Gebäude unter Denkmalschutz. 

Komplette Dachsanierung

Undichtigkeiten an der Abdichtung der selbsttragenden Betonschale erforderten 2014 eine Sanierung der gesamten Dachfläche. Die ursprüngliche bituminöse Abdichtung wurde bis dahin immer wieder mit neuen Dachbahnen überschweißt. Um neben der Abdichtung auch die Dämmung des Daches dem aktuellen Stand anzupassen, wurde im Rahmen der Sanierung, die vom Architekturbüro see architekten, Dresden, geplant und durch die Dachdeckermeister Claus Dittrich GmbH & Co. KG, Dresden, ausgeführt wurde, das gesamte Dachschichtenpaket entfernt. 

Ausreichend gedämmt

Durch das Abtragen des gesamten Schichtenpakets bis zur Tragschale konnte einiges an Gewicht eingespart werden. Dies wurde beim neuen Dachaufbau genutzt, um die Dämmschicht ausreichend dick und leistungsfähig auszuführen. Zunächst mussten die Fachhandwerker von DDM Claus Dittrich jedoch das enorm dicke Abdichtungspaket samt darunterliegender Dämmschicht aus Polystyrol entfernen. Bei Dach­neigungen von bis 45 Grad kein leichtes Unterfangen. Aufgrund der geringen Dicke der Betontragschale von sechs Zentimetern kam nur ein komplett verklebter Aufbau für das neue Dachschichtenpaket in Frage. Nach dem Abriss erfolgte deshalb ein bituminöser Voranstrich auf der Betontragschale zur Haftvermittlung für die anschließend als Notabdichtung verklebte bituminöse Dampfsperre.

Durchdachte Vorgehensweise

Bereits bei der Verlegung der Dampfsperre mussten die Dachdecker aufgrund der besonderen Dachform und der wechselnden Dachneigungen ein sinnvolles Verlegemuster anwenden. Hilfreich war hierbei das Muster der alten Abdichtung. Die vier Hyparschalen bildeten dabei die vier Teilbereiche des Daches. Während der größte Teil der Teilflächen quer zur Längsachse abgedichtet wurde – klassische Firste oder Traufen gibt es bei dieser Dachform ja nicht – verlegten die Dachhandwerker am „steilsten“ Bereich die Bahnen parallel zur Längsachse.

Hochwertige Kunststoffdachabdichtung

Auf die bituminöse Dampfsperre folgte die Wärmedämmung aus Mineralwolle-Dachdämmplatten in 16 Zentimetern Dicke. Die im Verband verlegten Dämmplatten wurden mit dem entsprechenden Kleber auf der Dampfsperre verklebt. Mit ihrer oberseitigen Mineral-Vlies-Kaschierung bildet die Dämmschicht die Grundlage für die neue Abdichtung. Hier entschied sich der Bauherr für die Premiumdachbahn „Rhepanol fk SR“ der FDT FlachdachTechnologie GmbH & Co. KG. Als hochwertige Kunststoff-Dachabdichtung auf der Basis von Polyisobutylen (PIB) verfügt „Rhepanol“ sowohl über ein integriertes Kunststoffvlies als auch einen vorgefertigten Schweißrand. Dank ihrer rohstoffspezifischen Zusammensetzung ist die 1,05 Meter breite Dachbahn in nahezu jeder abdichtungstypischen Anwendung einsetzbar. Alle „Rhepanol“-Dachbahnen verfügen über ein sehr gutes ökologisches Profil. Sie sind frei von Weichmachern, Schwermetallen, Chlor, PVC und halogenen Brandschutzmitteln. 

Zur vollflächigen Verklebung der Dachbahnen trugen die Dachhandwerker den speziellen, für vlieskaschierte Kunststoff-Dachbahnen entwickelten FDT Dachbahnkleber auf die Dämmschicht auf und verteilten ihn. In den Kleber rollten sie anschließend die zuvor passend auf Länge zugeschnittenen Bahnen ein.

Dachüberstände mit Blechverkleidung

Die vier Hyparschalen sind jeweils an ihren Rändern durch einen durchlaufenden Oberzug eingegrenzt. Im Außenbereich kragen die Dachflächen dann noch über die Fassaden hinaus, aufgrund der gekrümmten Form am weitesten an den vier höchsten Punkten der Dachschale. Entsprechend der bisherigen Ausführung sollten auch mit der Sanierung die auskragenden Bereiche des Daches mit Blechen verkleidet werden. Hierdurch entstand ein spezielles Detail, dass die Dachdecker mit den zur Dachabdichtung passenden Verbundblechen lösten. 

Spannendes Dachranddetail

Während die Wärmedämmung zunächst nur bis zu den Oberzügen verlegt wurde, reichten die anschließend ausgerollten Dachbahnen weit über diese hinaus. Zur Ausbildung einer Abschlusskante am fassadenseitigen Rand der Oberzüge fixierten die Fachhandwerker entsprechend abgekantete Verbundbleche im Untergrund. Hier war eine Verschraubung möglich, da die Betonaufkantung eine ausreichende Stärke aufwies. Entlang der äußeren Schenkel der neuen Verbundblechkante konnten die Klempner von DDM Claus Dittrich anschließend die Blechverkleidung der Dachüberstände hochführen. Im nächsten Schritt wurden die Bleche gekürzt und abgekantet, Wärmedämmung in passender Stärke auf den Oberzügen verklebt und eine Anschlussbahn vom fassadenseitigen Abschluss bis zur Dachfläche verlegt. Die Anschlussbahnen konnten auf der zuvor verlegten Dämmung vollflächig verklebt und am Rand zusätzlich in dem gekanteten Verbundblech verschraubt werden. Über die Verschraubung und die Blechverkleidung der Dachüberstände verlegten die Klempner anschließend ein weiteres Verbundblech mit Tropfkante. Es bildet den sichtbaren Übergang zwischen aufgehender Blechverkleidung und der Dachabdichtung. Ein Anschlussstreifen über Verbundblech und Anschlussbahn schützt das handwerklich erstellte Dachranddetail vor dem Hinterlaufen mit Wasser.

Sanierung statt Neubau

Bereits mit der Sanierung des Wassersportzentrums in den Jahren 2002 bis 2006 wurde der Grundstein für die Erhaltung eines der architektonischen Zeugnisse der DDR gelegt. Wenngleich die Sanierungsreihenfolge von „unten nach oben“ eher unüblich ist, konnte mit der 2014 erfolgten Dacherneuerung der einzigartige Betonschalenbau zukunftsfähig gemacht werden. Sowohl die Dachfläche als solche als auch die sich ergebenden Details forderten von den Dachandwerkern des DDM Claus Dittrich handwerkliches Geschick und Weitsicht. Alle Beteiligten, allen voran die Landeshauptstadt Dresden durch ihre Entscheidung für eine Sanierung statt eines Neubaus, haben durch das konstruktive Zusammenwirken dafür gesorgt, dass das Wassersportzentrum Dresden-Blasewitz nicht nur ansehnlich, sondern auch dauerhaft nutzbar bleibt.

Werbung

Weiterführende Themen

Leichte und langlebige Aluminiumschindeln schützen nun den Marstall und die große Reithalle.
Dach
31.05.2018

Wo einst die Elite der Herrenreiter auf den schönsten Pferden einer legendären Vollblutzucht im deutschen Mecklenburg-Vorpommern ihrer PS-Leidenschaft huldigte, soll in Zukunft bei Events und ...

Die Kombination aus einer tragenden Fichtenholzkonstruktion, einem Steildach aus schiefergrauen Tondachziegeln sowie einer zweigeteilten Ziegel- und Lärchenholzfassade, ergänzt um große Glasflächen, verleiht dem Gebäude ein modernes und luftiges Aussehen.
Dach
24.05.2018

Auf einer Anhöhe inmitten der saftig-grünen Hügel der Südsteiermark ist ein Einfamilienhaus entstanden, das sich durch seine ganz besondere Architektur und die perfekte Symbiose unterschiedlicher ...

Dach
11.04.2018

Diesmal behandelt Gerhard Freisinger einen in den Monaten vor dem Jahreswechsel und vor der Übergabe von gemischt genutzten Objekten oftmals beobachteten Fall: „Es wird nebeneinander, übereinander ...

Dach
03.04.2018

Nach den Gründen für Feuchtigkeitseintrag und Diagnosemaßnahmen beschäftigt sich Autor Wolfgang Hubner im dritten Teil unserer Serie mit verschiedenen Monitoringsystemen und deren Anwendung in der ...

Dach
27.03.2018

Im Rahmen der kontinuierlichen Dachinspektionen am Standort der Kukko-Werkzeugfabrik im deutschen Hilden wurden an drei Dachflächen Schäden festgestellt. Statt diese zu reparieren, entschied sich ...

Werbung