Direkt zum Inhalt
Die 300 Jahre alte Dachlandschaft des barocken Benediktinerstiftes Göttweig wurde in mehrjähriger Arbeit von der Holzforschung Austria begutachtet.

Unter den Dächern von Stift Göttweig

26.06.2018

Die Renovierung der rund 300 Jahre alten, historischen Dachflächen des 1083 gegründeten Benediktinerstiftes Göttweig in Niederösterreich wurde 2013 begonnen. 630.000 neue Dachziegel sollten montiert werden. Dafür wurde der Zustand der Dachstühle erhoben und schadhafte Konstruktionsteile erneuert. Die Begutachtung erfolgte abschnittsweise über mehrere Jahre durch Mitarbeiter der Holzforschung Austria.

Die sehr großen und auch hohen Dachstühle des rund 930 Jahre alten Benediktinerklosters Göttweig wurden nach einer Brandkatastrophe 1718 vollständig neu aufgebaut. Die meisten Dachziegel der ca. 18.000 Quadratmeter großen Dachfläche stammten direkt aus der Zeit des Wiederaufbaus 1720 bis 1740.

Die Konstruktionsteile der historischen Dachstühle wurden von den Mitarbeitern der Holzforschung Austria durch Augenschein sowie durch Anbeilen auf Schäden durch holzzerstörende Organismen (Pilze und Insekten) untersucht. Die Mauerbänke, die großteils nur an ein bis zwei Seiten halbwegs zugänglich waren, wurden neben dem Anbeilen auch mittels Bohrwiderstandsmessung (Resi PD300) untersucht. Wie sich zeigte, wiesen gerade die Mauerbänke in vielen Bereichen starke Fäulnisschäden auf, die zum Teil von außen nicht erkennbar waren. Hier war die Bohrwiderstandsmessung eine sehr hilfreiche Ergänzung der herkömmlichen Untersuchungsmethoden.

Bei den vorgefundenen Schäden handelte es sich in erster Linie um Fäulnisschäden, verursacht durch eingedrungenes Niederschlagswasser sowie Schäden durch Larven des Hausbockkäfers und des Gewöhnlichen Nagekäfers. Entsprechend der Regel, dass der Hausbockkäfer Holz, das älter als 60 Jahre ist, nicht gerne neu befällt, wurden, obwohl es zum Teil massive Schäden durch Hausbockkäfer-Larven gab, in den Dachstühlen nur an ganz wenigen Stellen Hinweise auf einen Lebendbefall gefunden. Demgegenüber wurde an einer Vielzahl von Konstruktionsteilen ein aktiver Befall durch den Gewöhnlichen Nagekäfer festgestellt. Obwohl die Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers über den gesamten Querschnitt der Kon­struktionsteile fressen können, sind die Schäden meist so gering, dass die statische Tragfähigkeit nicht beeinträchtigt ist. Um einen Austausch von derart geschädigten bzw. befallenen Konstruktionsteilen zu vermeiden, wurde ab 2013 ein mehrjähriges Monitoring mit stichprobenweisen Abklebungen der Hölzer durchgeführt. Jeden Herbst wird kontrolliert, ob bei den Abklebungen neue Ausschlupflöcher der Nagekäfer hinzugekommen sind, ein eindeutiger Beleg für einen aktiven Befall. Die bisherigen Auswertungen der Papierabklebungen zeigten, dass nur wenige Konstruktionsteile im gesamten Stifts-Dachstuhl stärkeren aktiven Befall aufwiesen. Dem Stift wurde empfohlen, diese einzelnen Konstruktionsteile lokal bekämpfend zu behandeln. Damit konnten der Austausch einer Vielzahl von Konstruktionsteilen sowie umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen bisher weitgehend vermieden werden.

Seit Beginn der Renovierungsarbeiten wurden in den Dachstühlen etwa 650 Kubikmeter Konstruktionsholz (ohne Lattung) neu eingebaut, die Prognose bis zum Ende der Arbeiten liegt bei etwa 700 Kubikmeter. Das verwendete Holz stammte zum Großteil aus den stiftseigenen Wäldern.

Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles
10.05.2016

Austrian Standards Institute setzt trotz erschwerter Bedingungen seine Arbeit als weiterhin rein österreichische Organisation fort – jetzt im Rahmen des Normengesetzes 2016, das in seinen ...

Markt & Menschen
19.12.2014

Mit Reinhard V. Mosser steht ein neuer Präsident an der Spitze des Trägervereins Holzforschung Austria – der Österreichischen Gesellschaft für Holzforschung. 

Markt & Menschen
27.10.2014

Am 2. und 3. Oktober veranstaltete die Holzforschung Austria (HFA) zum neunten Mal den Publikumsmagneten Holz_Haus_Tage in Bad Ischl. Internationale Experten brachten den rund 180 Teilnehmern ...

Werbung