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Unternehmenserfolg trotz schwacher Konjunktur

01.12.2015

Die gedämpfte Nachfrage privater Auftraggeber, zurückhaltende Investitionen der Wirtschaft und Budgetrestriktionen der öffentlichen Hand sind für die Dachdecker nach wie vor unangenehme, für viele Betriebe existenzbedrohende Begleiter. Es gibt aber auch Unternehmen, die von der schwachen Konjunktur entweder gar nicht oder in deutlich geringerem Maße betroffen sind.

Zentraler Erfolgsfaktor dieser Top-Betriebe ist die größere Attraktivität. Die Attraktivitätsmerkmale betreffen ein branchenspezifisch unterschiedliches, jedenfalls aber sehr breites Spektrum. Beispiele reichen vom innovativeren Erscheinungsbild über die bessere Qualifikation und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über eine intensivere und professionellere Beratung und Betreuung der Kunden, ein höheres Maß an Zuverlässigkeit, Termintreue, Flexibilität, Seriosität etc. bis zu einzigartigen, unverwechselbaren Produkten und Dienstleistungen. Die größere Attraktivität ist der Motor einer Erfolgsspirale. Sie führt zu ­einer besseren Auslastung und vor allem dazu, dass der Preis als Verkaufs­argument an Bedeutung verliert. Bessere Auslastung und Preise bedeuten mehr Gewinn. Mehr Gewinn bedeutet mehr Eigenkapital. Mehr Eigenkapital heißt: keine oder weniger Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme und ausreichende Ressourcen, um rechtzeitig und in adäquatem Ausmaß in die Sicherung oder den Ausbau des Attraktivitätsvorsprungs investieren zu können. 
Analysen der KMU Forschung Austria ziehen als Maßstab für die Attraktivität die Ertragslage und als Indikator für die Ressourcen die Eigenkapitalquote heran. Danach ergibt sich bei einer Auswertung der Jahresabschlüsse von rund 400 Dachdeckerbetrieben folgende Verteilung:

• Neun Prozent zählen zu den Top-Betrieben. Sie haben mehr als 30 Prozent des Betriebsvermögens mit Eigenkapital finanziert und erwirtschaften betriebswirtschaftliche Gewinne von mehr als zehn Prozent der Betriebsleistung.

• 17 Prozent haben gute Voraussetzungen für eine Positionierung im Spitzenfeld (Gewinne über 5 Prozent, Eigenkapitalquote über 20 Prozent).

• 39 Prozent haben Verbesserungspotenzial im Ertragsbereich; sie verfügen zwar über mehr als 20 Prozent Eigenkapital, erzielen aber zu geringe Gewinne beziehungsweise arbeiten sogar mit Verlust. Die vorhandenen Ressourcen sollten zum Aufbau gewinnbringender Attraktivitätsmerkmale genutzt werden.

• Vier Prozent erwirtschaften zwar ausreichende Gewinne (über fünf Prozent der Betriebsleistung), haben aber zu wenig Eigenkapital (kleiner als 20 Prozent des Gesamtkapitals) oder das Betriebsvermögen sogar zur Gänze mit Fremdkapital finanziert. Zur Sicherung der Wettbewerbs­fähigkeit ginge es bei dieser Gruppe vor allem darum, die Qualität der Finanzierung zu verbessern.

• 22 Prozent haben sowohl im Finanzierungs- als auch im Ertragsbereich Verbesserungsbedarf (Gewinne zwischen null Prozent und fünf Prozent, Eigenkapitalausstattung null Prozent bis 20 Prozent). Um diese Situation zu verbessern, muss die Erhöhung der nicht entnommenen Gewinne (z. B. durch Verbesserung der Auslastung, Überprüfung der Kalkulation und Preispolitik) oberste Priorität haben.

• Neun Prozent befinden sich in einer betriebswirtschaftlich schlechten Situation. Sie sind überschuldet und können die Kosten nicht decken. In dieser Position sind in der Regel weitreichende Sanierungsmaßnahmen (Zuführung von Eigenkapital, Reduzierung der Fixkosten, strategische Neuausrichtung des Unternehmens etc.) erforderlich.

Detaillierte Branchenvergleichsdaten und Benchmarks zur Analyse der Stärken und Schwächen des eigenen Betriebs erhält man bei der KMU Forschung Austria. Nähere Informationen unter: www.kmuforschung.ac.at/index.php/de/bilanzdatenbank?id=161

Autor: Dr. Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria und ­Aufsichtsrat der Austrian Cooperative Research (ACR).

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