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Von Obst- und Kräuterdächern

12.06.2013

Ungenutzte Stadtflächen lassen sich durch die vielen bisher brachliegenden Dächer erschließen und zur lokalen und nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln nutzen. Die Stadt versorgt sich selbst – schnell, effektiv, erlebbar. Urban Farming auf dem Dach nutzt das schon erworbene Grundstück ein zweites Mal und ermöglicht im Zuge einer intelligenten und nachhaltigen Nutzung auf einzigartige Weise die Lebensmittelversorgung in der Stadt.

Durch die Verlagerung der Produktionsstätten in die Stadt hin zum Bedarf werden auch Transportwege gespart und ein weiterer Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Obst- und Gemüseanbau wird erlebbar und fördert neben der gesunden und bewussten Ernährung auch das Miteinander und schafft soziale Netzwerke. Urban Farming auf Dächern ist Bestandteil einer zukunftsträchtigen nachhaltigen Stadtentwicklung, die Begrünung von Dächern ist ein wichtiger Gegenpol zur anhaltenden Versiegelung. Dabei leisten begrünte und genutzte Dächer noch viele weitere Vorteile wie zusätzliche Fläche als Wohnraum, Pausen-, Spiel- und Sportflächen, Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfelds, naturnahe Begegnungsstätten für Menschen aller Generationen, Verbesserung des Umgebungsklimas und Lärmminderung durch gute Schalladsorption.

 

Systemlösungen
Es gibt verschiedene Ansätze des Urban Farmings auf dem Dach – von privaten Bauherren, die auf ihrem Dachgarten unter anderem auch ein kleines Gemüsebeet anlegen, bis zu erwerbsgarten-bauähnlichen Unter-Glas- bzw. Offen-Kulturen. Fast alles ist möglich. In Abhängigkeit der möglichen Flächenlast, der geplanten Bewässerungsstrategie und der gewünschten Obst- und Gemüsesorten bietet sich etwa eine der beiden Varianten der Optigrün-Systemlösung „Gartendach Obst und Gemüse“ an. Diese Systemlösungen unterscheiden sich hauptsächlich in der Dränschicht und damit in Gewicht und möglicher Bewässerungsart. Abhängig von der möglichen Flächenlast und der geplanten Bewässerungsstrategie wird die Art der Dränageschicht ausgewählt. In der Praxis haben sich zwei Varianten bewährt:

 

Optigrün-Festkörperdränage Typ FKD 60 mit hoher Wasserspeicherfähigkeit mit oder ohne Wasseranstau und optional Bewässerungsmatte. Optigrün-Festkörperdränage Typ FKD 40 als leichtere Variante mit mittlerer Wasserspeicherfähigkeit ohne Wasseranstau (Bewässerungsmatte optional).

 

Die Substratschicht mit den Kultursubstraten Optigrün-Intensivsubstrat Typ i und dem eigens entwickelten Optigrün-Substrat Typ „Urban soil“ kann von sieben bis 35 Zentimeter variiert werden und richtet sich nach den Ansprüchen der Pflanzen. Das schon über viele Jahre bewährte Optigrün-Intensivsubstrat Typ i eignet sich vor allem für Obststräucher und Kleinbäume. Es entspricht mit seinen Kennwerten den Anforderungen der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie. Das speziell entwickelte Optigrün-Substrat Typ „Urban soil“ zeichnet sich aus durch eine hohe Wasserspeicherfähigkeit bei dennoch guter Wasserdurchlässigkeit und ausreichend hohem Luftporenvolumen. Auch der eingestellte hohe Nährstoffanteil ist für den Obst- und Gemüseanbau ausgelegt. Die Verwendung ausgewählter unbelasteter Zuschlagstoffe bildet die Grundlage für gesundes, frisches Gemüse und Früchte.

Die Pflanzen bestimmen mit ihren Ansprüchen die Höhe des Substrats und die Bewässerungsstrategie. Die Kategorien stellen unverbindliche Vorschläge dar, deren Eignung objektbezogen zu prüfen ist.

 

Kategorie 1: Substrathöhe ca. 7–12 Zentimeter, für Kräuter (z. B. Origanum, Thymian, Rosmarin, Lavendel), Feldsalat, Walderdbeeren
Kategorie 2: Substrathöhe ca. 13–25 Zentimeter, für Gemüse (z. B. Kopfsalat, Zucchini, Tomaten, Karotten), Beerensträucher
Kategorie 3: Substrathöhe ca. 26–40 Zentimeter, für kleine Obstbäume

 

Die Bewässerung erfolgt in Abhängigkeit der Pflanzenauswahl und Flächengröße gemäß den Wünschen des Bauherrn und wird objektbezogen ermittelt. Mögliche maximale Flächenlast, Nutzung von Wasserkreisläufen (Zisterne), Pflegeaufwand usw. spielen dabei eine wichtige Rolle:

1. Wässern per Hand (Schlauch, Gießkanne)
2. Anstaubewässerung (mit/ohne automatische Bewässerung)
3. Optigrün-Bewässerungsmatte

 

Urban Farming am Bodensee
Bei dem Projekt „Gerberareal“ in Radolfzell am Bodensee hatte der Auftraggeber Kupprion Immobilien GmbH aus Singen schon konkrete Vorstellungen zu den begrünten Dächern. Die Wohnanlage in der Stadtmitte umfasste insgesamt drei voneinander getrennte Dachbegrünungsflächen auf Ebene der ersten Obergeschoße. Diese waren vom Treppenhaus aus begehbar. Kupprion wollte nicht nur eine schöne Blumenwiese, sondern ein Dach mit essbaren Früchten und Kräutern. Den Bewohnern der Wohnanlage sollte mit den begehbaren Dachbegrünungen nicht nur ein optischer Blickfang, sondern darüber hinaus ein zusätzlicher Nutzen geboten werden. Die Dachflächen sind mit Beerensträuchern und -stauden sowie Gewürz- und Duftkräutern bepflanzt. Die Anwohner genießen die verschiedenen Sorten von Johannis-, Stachel-, Josta- und Erdbeeren, die sie von Juni bis August ernten können. Lavendel, Thymian, Origanum und Rosmarin vervollständigen den Obst- und Kräutergarten, der in Form einer „einfachen Intensivbegrünung“ vor zwei Jahren einfach und kostengünstig mit der Optigrün-Systemlösung „Gartendach Obst und Gemüse Lösung 1 (schwer)“ hergestellt wurde.

 

Der Gründachaufbau oberhalb der wurzelfesten Dachabdichtung sieht wie folgt aus:
Optigrün-Schutz- und Speichervlies Typ RMS 500
Optigrün-Festkörperdränage Typ FKD 60 (verfüllt mit Perl 8/16)
Optigrün-Filtervlies Typ 105
30 cm Optigrün-Intensivsubstrat Typ i-leicht
Stauden und Gehölze, vorrangig Küchenkräuter und Beerenobst

 

Die Menschen vor Ort nutzen die Obst- und Kräuterdächer bisher tatsächlich gern und intensiv, ernten jedes Jahr viele Beerenfrüchte und nutzen die frischen Kräuter für ihre Küche. Unter anderem hatte hier auch die „Gründach-Marmelade 3-Frucht“ von Optigrün ihren Ursprung. Auf einem der Dächer wurden im Juli Johannis-, Stachel- und Jostabeeren geerntet und von Mitarbeiterinnen der Optigrün international AG zu einer köstlichen Marmelade verarbeitet. Urban Farming auf dem Dach wurde damit mit allen Sinnen erlebbar!

 

Fazit
Urban Farming, natürlich mit Dachbegrünung – was könnte das Thema „Green Building“ und „Nachhaltigkeit“ besser verkörpern? Die Nutzung der vielen brachliegenden Dachflächen in der Stadt der Zukunft.

Text: Dr. Gunter Mann

Autor/in:
Redaktion Dach Wand
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