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Die schematische Darstellung der Anteile der Wärmeverluste eines Wohnhauses.

Energetische Sanierung – Gewusst wie!

05.11.2015

Planer, die heutzutage modernisieren, müssen sich fragen: Was ist bei der Sanierung zu beachten und welche energetischen Maßnahmen sind sinnvoll? Abhängig vom Alter der Immobilie ergeben sich typische Lösungsansätze.

Prinzipiell erfolgt eine energetische Sanierung am besten im Zuge eines Umbaus oder bei ohnehin notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen. „Um ein Dach abzudichten oder Risse im Außenputz zu beheben, wird ein Gerüst gestellt. Dieses kann gleichzeitig für das Anbringen einer neuen Dämmung genutzt werden," sagen Ingo Lenz und Michael Keller, Geschäftsführer der Ina Planungsgesellschaft (ina) in Darmstadt, die Weiterbildungskurse zum Energieberater anbietet. "So muss der Bauherr die Kosten für das Gerüst von etwa 3000 Euro nur einmal zahlen." Baualtersklassen und charakteristische Konzepte Bestandsbauten verursachen gut dreimal höhere Kosten für Heizung und Warmwasser als Neubauten. Das jeweilige Sanierungskonzept hängt wesentlich vom Alter der Immobilie ab. Für vor 1950 errichtete Bauten sind kaum allgemeingültige Empfehlungen zu treffen, da hier der Denkmalschutz oft individuelle Kompromisse erfordert.

Aus ihrer Berufspraxis wissen Keller und Lenz aber, dass für Einfamilienhäuser je nach Baualtersklasse bestimmte Lösungen kennzeichnend sind. Gebäude aus den 1950er bis 1960er Jahren  haben mit gut 255 kWh/m2a den höchsten Heizwärmebedarf. „Ausgebaute Dachräume wurden damals mit zementgebundenen Holzwolleplatten gedämmt. Diese erfüllen keineswegs die heutigen Kriterien. Ähnliches gilt für die einschaligen Massivwände", erklären die Energieberater. „Der Wärmedurchgangskoeffizient einer Außenwand darf aktuell höchstens 0,24 W/m²K betragen." Allein eine 16 Zentimeter starke Dämmung erzielt hier einen Wert von rund 0,2 W/m²K.

Etwa 60 Prozent der Energie geht über die Außenflächen verloren. Deshalb sollten auch die oft vorhandenen Holzfenster mit einfacher Isolierverglasung (5,0 W/m²K) durch moderne Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasungen (1,30 W/m²K) ausgetauscht und in die Dämmebene versetzt werden. Für das Ganze sind rund 120 €/m2 für die Dämmung und 350 €/m2 für neue Fenster einzuplanen. Unter der Annahme einer Energiepreissteigerung von drei Prozent pro Jahr amortisieren sich die Investitionskosten für die Fassadendämmung in etwa in sechs Jahren. Eine wirtschaftlich optimale Dämmung nach der aktuellen Energieeinsparverordnung 2014 kann den durchschnittlichen Heizwärmebedarf auf zirka 65 kWh/m2a reduzieren. Mit der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 sank der durchschnittliche Heizwärmebedarf von Gebäuden auf 160 kWh/m2a, mit der letzten Novellierung 1995 auf 100 kWh/m2a. Etwa 15 Prozent der Wohnbauten fallen in diese Ära, in der mehrschalige Wandaufbauten die Regel wurden. „Der Energieverbrauch ließe sich wirtschaftlich auf rund 65 kWh/m2a drücken. Darüber hinaus ist die Energiebereitstellung zu prüfen", raten Ingo Lenz und Michael Keller. „Über ineffiziente Heizungen gehen etwa 30 Prozent Energie verloren." Gebäude ab 1990 werden überwiegend mit Öl und Gas beheizt. Moderne Niedertemperatur- oder Brennwertkessel leisten hier einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der Schadstoffemissionen. Alternativ können erneuerbare Brennstoffe, zum Beispiel Holzpellets, eingesetzt werden. Die Anschaffung einer solchen Heizung (etwa 7000 Euro) ist zwar teurer als vergleichbare Gas- und Ölheizungen, aber im laufenden Betrieb günstiger. Sie wird außerdem vom Bundesumweltministerium bezuschusst:

Für Pelletkessel mit einer Nennwärmeleistung von 5 bis 43,7 kW mit einem Pufferspeicher von mindestens 30 l/kW beträgt die Förderung 3.500 Euro. Eine Heizanlage amortisiert sich in etwa zwölf Jahren. Die etwa zehn Prozent der Bauten ab 2007 verfügen sowohl über eine gute Dämmung als auch eine moderne Anlagentechnik, wie Elektro-Direktheizungen, Wärmepumpen oder Anlagen zur kombinierten Erzeugung von Wärme und Strom. Einsparpotential bietet der Stromverbrauch, der über Energiesparlampen und Geräte der Effizienzklasse A+++ einfach zu reduzieren ist. Wärmeverluste können durch ein tägliches, zehnminütiges Stoßlüften bei offenen Fenstern und abgeschalteten Heizungen minimiert werden. „Parallel dazu ist hier der Einsatz netzgekoppelter Photovoltaik (PV) zu überlegen", so die Energieberater." Semitransparente Dünnschichtmodule erzielen bei einer optimalen Südausrichtung einen jährlichen Ertrag von etwa 40 kWh/m2, monokristalline Zellen sogar bis zu 130 kWh/m2." Damit können Bauherren den benötigten Strom selbst erzeugen und Überschüsse ins öffentliche Netz einspeisen. Als Faustregel gilt, dass pro kW Leistung etwa 7,5 m2-Modulfläche und 3000 Euro benötigt werden. Die Investition in eine PV-Anlage mit einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren amortisiert sich meist nach 18 Jahren.

Qualifizierte Energieberater

Jedes Gebäude benötigt aber ein individuelles Konzept. Wer sanieren will, sollte die Arbeit Fachleuten überlassen, um Fördermittel zu erhalten. Wer darüber hinaus neu bauen will, sollte sich auf verschärfte energetische Anforderungen einstellen: Nach der EU-Gebäuderichtlinie sind ab 2021 ausschließlich Gebäude zu errichten, die ihren sehr geringen Energiebedarf überwiegend selbst decken (Niedrigstenergiegebäude). Für öffentliche Bauten soll dies bereits ab 2019 der Fall sein. Dafür müssen Architekten und Ingenieure die Konstruktion der Gebäude und ihre Anlagentechnik optimal aufeinander abstimmen. 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Original erschienen am 05.11.2015: Elektrojournal.
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