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Hackl: „Mir ist es egal, ob wir wachsen oder nicht. Der Ertrag muss da sein.“

Haka-Chef Gerhard Hackl: „Die Regierung bringt die Tischler um!“

14.04.2015

„Die Regierung bringt die Tischler und die Wirte um“, meint Gerhard Hackl zur aktuellen Gesetzes-Lage. Er will dies für sich nutzen – indem er Tischler zu Haka-Partnern und Wirtshaus-Besucher zu Haka-Kunden macht. Was ihm seiner Meinung nach entgegenkommt: Händler wie Kunden setzen mehr auf heimische Fertigung.

Haka ist stark im oberösterreichischen Zentralraum verankert – vom Fußball-Sponsoring bis zur Zusammenarbeit mit dem Regional-Sender LT1.
Das Schaf mit den eigenwilligen Hörnern gehört auch zum Werk, ebenso wie Ziegen und Hühner.

Bodenständigkeit zeichnet den oberösterreichischen Hersteller Haka aus: Noch ehe man das Trauner Büro-Gebäude betreten hat, blöken einen die Schafe an. Ein paar Meter weiter liegt die Geiß mit ihren Zicklein in einem Unterstand, bewacht vom Ziegenbock. Diese Tiere gehören ebenso zum Haka-Werk wie Geflügel. Bodenständig präsentiert sich auch der Geschäftsführer im Gespräch: „Ich bin von ganzem Herzen Trauner“, meint er. Export ist für ihn kein Thema mehr, das Geschäft mit österreichischen Händlern umso mehr.

 

Alles Küche: Sie gehen immer mehr den Weg des selektiven Vertriebs. Warum?

Hackl: Der klassische Tischler, der früher unser Hauptkunde war, ist kaputt. Den gibt’s nicht mehr wegen der ganzen gewerberechtlichen Auflagen. Die Branche trudelt immens, viele werden heuer noch zusperren. So manche hauen sich daher auf den Handel und haben nebenbei ihr „Tischlereimuseum“. Hier sehe ich unsere Chance bei jenen, die sich auf Haka konzentrieren wollen.

Alles Küche: Die Großfläche beherrscht schon jetzt zwei Drittel des Marktes. Gerüchteweise hört man von weiteren Übernahmen. Laufen Sie da nicht Gefahr, in Schönheit unterzugehen?

Hackl: 1987 haben wir 55 Prozent unseres Umsatzes mit Leiner gemacht. Bei 56 Prozent wären wir pleite gewesen. Wir haben die Partnerschaft gestoppt und im Jahr darauf mehr Umsatz als vorher gemacht. Haka hat heute bessere Zahlen als alle anderen. Mir ist es egal, ob wir wachsen oder nicht. Der Ertrag muss da sein. Und wenn ich mit einem unserer Handelspartner fünf Stunden zusammensitze, ist das für mich auch okay.

 

Weitere Partner werden gesucht

 

Alles Küche: Wo suchen Sie zusätzliche Partner?

Hackl: Vor allem in Kärnten, der Steiermark, Wien und Vorarlberg. Wir wollen bei unseren Partnern exklusiv vertreten, quasi familiär mit ihnen verbandelt sein. Unsere Händler kennen und helfen einander. Wir fahren oft zu zwanzig Personen auf gemeinsam auf Urlaub.

Alles Küche: Wann sind neue Produkte von Haka zu erwarten?

Hackl: Wir bringen ständig Neues. Zu unserer Hausmesse im Herbst kommt eine besonders wohnliche Küche mit runden Formen und Holz als Material. Der Gesetzgeber vernichtet aktuell ja die Gastronomie, indem er sie als Steuer-Betrüger und Gesundheits-Schädling darstellt. Wir bringen daher das Gasthaus ins Eigenheim.

Alles Küche: Nach dem Wachstum des Online-Kanals in der Buch-, Musik- und Elektro-Branche erwartet Unito-Chef Harald Gutschi, dass in nächster Zeit das Möbel-Geschäft im Internet explodieren wird …

Hackl: Womit er vollkommen Recht hat.

Alles Küche: Die Online-Konkurrenz mag vor allem dort groß sein, wo’s um vergleichbare Produkte geht. Denken Sie nicht, dass das anders aussieht, sobald Planung und Dienstleistung hinzukommen?

Hackl: Dort hast du die Konkurrenz genauso. Es gibt Planungs-Software im Internet, es gibt Möglichkeiten der Planung via Skype oder iPad …

Ich denke, Planen wird in Zukunft eine Mischung aus Online und Offline. Der Auftrag wird regional ausgeführt, aber das Geschäft läuft übers Internet.

 

Export nein, österreichische Partner – ja!

 

Alles Küche: Auch Sie setzen stark aufs Regionale, wenn man sich Ihre Werbe- und Sponsoring-Aktivitäten ansieht. Vieles davon spielt sich im oberösterreichischen Zentral-Raum ab. Auf den Export wird ganz verzichtet.

Hackl: Wir haben früher mal international exportiert, letztendlich haben wir damit Geld ins Ausland geführt. Heute wissen wir, dass wir nicht 1.000 Positionen bedienen können, stattdessen setzen wir uns mit den Besten zusammen. Womit ich nicht einfach absolute Umsatz-Größen oder Bonitäts-Zahlen anspreche. Wichtiger sind mir der Unternehmer-Geist und das Potenzial des Partners. Wir agieren auf Augenhöhe mit unseren Händlern.

Dass wir zum Teil unmittelbar vor der Haustür werben, hat soziale und persönliche Gründe. Ich bin von ganzem Herzen Trauner. Unsere Mitarbeiter sind Vorbilder und Marken-Botschafter. Eine Folge davon ist natürlich, dass man uns in Oberösterreich besser kennt als etwa in Vorarlberg oder Wien. Am stärksten sind wir zwischen St. Pölten und Salzburg vertreten. In Nieder- und Oberösterreich würde ich unseren Marktanteil auf 25 Prozent schätzen, österreichweit vermutlich noch auf unter zehn Prozent. Aber jeder Händler kennt Haka und wird auch gerne von uns besucht.

Alles Küche: Haka wird als einer von wenigen heimischen Markt-Akteuren nicht auf den Salzburger küchenwohntrends zu finden sein. Warum eigentlich nicht?

Hackl: Die küchenwohntrends sind eine ursprünglich deutsche Messe, das sieht man auch an vielen Ausstellern. Ich glaube, in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit legt der Konsument wieder mehr Wert auf heimische Produktion. Im Lebensmittel-Handel werden regionale Produkte eingekauft, in Steyr ist man stolz, dass die BMW-Motoren dort gefertigt werden. Als rein österreichischer Produzent haben wir auf den küchenwohntrends nichts verloren.

Ich halte das auch im Fußball-Sponsoring so. Bei Haka Traun setzen wir auf regionale Talente, nicht auf Profis, die wir im Ausland zukaufen.

Alles Küche: Auf der Aussteller-Liste der Wohnen & Interieur fand sich Haka auch nicht …

Hackl: Wir waren sehr wohl dort. Wir hatten einen Stand, gemeinsam mit Bora. Die Messe-Gesellschaft wirbt halt eher mit denen, die so ungeschickt sind, sich von Haus aus anzumelden. Dabei wäre eine Wohnen & Interieur zum Listen-Preis gar nicht leistbar. Natürlich muss die Messe auch für den Veranstalter ein Geschäft sein, aber der Quadratmeter-Preis ist in Wien ein großes Thema. Was es weiters bräuchte, wäre eine Standplatz-Garantie.

 

„Eine Haka-Küche ist für alle leistbar“

 

Alles Küche: Der Preis ist auch für Ihre Kunden ein Thema. Ihre eigenen Markt-Forschungen haben gezeigt, dass Haka ein Hochpreis-Image hat. Handelt es sich um ein Kommunikations-Problem oder wird man mit den Durchschnitts-Preisen runtergehen?

Hackl: Ganz klar, das ist eine Kommunikations-Aufgabe. Eine Haka-Küche ist für alle leistbar. Viele sind überrascht, wenn sie erfahren, dass man eine echte Haka-Küche inklusive der Geräte schon um 10.000 Euro haben kann. Der Kunde glaubt ja oft auch, dass die kleinen Händler teurer sind als die Großflächen. Die Leute werden aber immer informierter, die Schein-Rabattitis hat keine Zukunft. Gerade weil TV-Beiträge und Preisvergleiche immer wieder zeigen, mit welchen Tricks die Möbelhäuser bei ihren Rabatten arbeiten.

Alles Küche: Ihre aktuelle Werbe-Linie, die unter anderem plakatiert wird, nennt Argumente, weshalb der Endkunde zu einer Haka-Küche greifen sollte. Welche Argumente sollen den Handels-Partner dazu bewegen, eine Geschäfts-Beziehung mit Ihnen einzugehen?

Hackl: Der Händler kann dem Kunden in seiner Region etwas bieten, das nicht jeder hat und wo er nicht ständig im Preis unterfahren wird. Er kann Vertrauen aufbauen und Wiederkäufer generieren. Er bekommt einen verlässlichen Partner mit einer grundsoliden Geschäfts-Politik und mit Lieferzeiten, die halten.

Was für uns spricht: Wer sich konzentriert hat, ist seit vielen Jahren unser Partner. Nur als Beispiel zwei Tiroler Betriebe: Die Tischlerei Krismer in Imst verkauft seit 50 Jahren Haka-Küchen, der Mühlegger in Kufstein arbeitet mit uns zusammen, seit er Handel betreibt. Wir stehen für Beständigkeit, in jeder Hinsicht: Ich selbst bin seit 37 Jahren in der Firma. Meine Tochter wird das fortführen. Mit der Hälfte der Händler ist sie schon per du.

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