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KNX-Standard fürs Riesenrad

09.03.2016

Traditionelles mit Modernem verknüpfen ist die hohe Kunst: Genau das passiert beim Wahrzeichen Wiens, dem 65 Meter hohen Riesenrad. Siblik, Smart-Home-Krainer und Elektrotechnik Ma-Zim kooperieren im Rahmen dieses prestigeträchtigen Projekts.

Er kennt das Riesenrad bereits von klein auf. Und zwar nicht als Fahrgast, sondern als jemand, der bereits im Alter von sechs Jahren hinter die Kulissen schauen durfte. Mit seinem Vater, dem damaligen Haus- und Hofelektriker des Wiener Wahrzeichens. Nun ist es Martin Zimmermann, Inhaber von Elektrotechnik Ma-Zim selbst, der bei sämtlichen elektrischen Fragestellungen beim Riesenrad den bestimmenden Ton angibt. Im Moment ist er mit der Modernisierung der Waggons beschäftigt.

Denn während die fünfzehn im Laufe des Jahres 2016 kommenden Fahrgast-Kabinen nach außen hin noch mehr auf alt – sprich auf wie ursprünglich aussehend – getrimmt werden, hält im Inneren moderne KNX-Technik Einzug. „Wir wollen den Besuchern ein unvergessliches Rundfahrtserlebnis in einem Wohlfühlambiente bieten: In angenehm temperierten Waggons, mit unterschiedlichen Beleuchtungsszenarien, mit individuell wählbarer musikalischer Untermalung und mit einigem anderen mehr“, verrät Smart-Home-Krainer-Geschäftsführer Stefan Krainer, der der Elektrotechnik Ma-Zim bei diesem Projekt bei der Planung und Programmierung zur Seite steht. „Martin Zimmermann und ich fanden einst über Siblik zusammen“, erinnert sich der Salzburger, der auch als KNX-Trainer tätig ist.

Wozu das Rad neu erfinden?

Wieso KNX im Riesenrad? „Weils praktisch ist, weil der Verdrahtungsaufwand bei einer herkömmlichen Installation viel größer wäre, weil dieses System zu vielen Komponenten, beispielsweise der Heizungssteuerung kompatibel ist, und weil sich alles visualisieren lässt“, argumentiert Martin Zimmermann, während Stefan Krainer die Herstellerunabhängigkeit von KNX in den Vordergrund stellt: „Ich bin schon lange in diesem Bereich tätig, habe im Laufe der Jahre viele Erfahrungen gesammelt und zahlreiche Unternehmen kommen und gehen gesehen. Mit KNX sind wir auf jeden Fall auf der richtigen Seite, denn es springen immer mehr Elektriker und Hersteller auf dieses Bus-System für Gebäudeautomation auf.“

Auch Siblik ist auf den zunehmenden Trend in Richtung KNX aufgesprungen. Beim Wiener Riesenrad war die einfache Bedienung wichtig. Schließlich gibt es unter den insgesamt fünfzehn Waggons mittlerweile sieben Kabinen, die sich für ein romantisches Dinner zu zweit oder für kleine Feiern stundenweise mieten lassen. Daher gestaltet sich auch die elektrotechnische Ausstattung der hinzukommenden Waggons unterschiedlich: Die Standard-Variante wird von außen bedienbar sein, während die Fahrgäste in den Luxus- beziehungsweise Gastro-Waggons über ein Elsner-Touchpanel in die Temperatur-, Licht- und Musikregelung eingreifen können.

Das Rad der Zeit dreht sich

Das Riesenrad zählt zu den größten Touristen-Attraktionen in Wien. Durchschnittlich drehen in diesem 1897 errichteten Wahrzeichen 600.000 Besucher pro Jahr eine Runde. Ursprünglich wurde das Wiener Riesenrad mit 30 Gondeln geplant und betrieben. Nach der fast gänzlichen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden aber nur noch halb so viele Waggons eingehängt – und das ist bis heute so geblieben.

Nun sollen die verbliebenen fünfzehn Kabinen nacheinander demontiert, restauriert und mit Komfortfunktionen versehen werden. „Damit auch im Winter ein zugfreies, angenehmes Wohlfühlklima in den Abteilen herrscht“, schmunzelt Martin Zimmermann von Elektrotechnik MaZim und ergänzt: „Die Arbeit hier hat schon ihren eigenen Zauber. Die alte Mechanik mit der neuen Technik zu verbinden – das ist schon etwas Besonderes. Und es macht stolz, für so ein Wahrzeichen tätig zu sein. Daher liegt es mir wirklich am Herzen, dass da alles funktioniert und passt.“

Bis ins kleinste Detail passen muss es auch für Stefan Krainer. Seine Philosophie bei KNX-Projekten wie diesen lautet: „Wir nehmen von jedem Hersteller ausschließlich die Geräte, die am besten zu den jeweiligen Anforderungen passen.“ Siblik ist ihm in dieser Hinsicht der beste Partner. „Weil Siblik als österreichweit tätiger Spezialist für Haus- und Installationstechnik ein spannendes Portfolio im KNX-Bereich anbietet. Da gibt es einen guten Mix aus renommierten großen und überaus innovativen kleinen Herstellern, auf die wir zurückgreifen können“, weiß der SmartHomeKrainer-Geschäftsführer aus Erfahrung.

Beim Riesenrad-Projekt entschied er sich unter anderem für Systemgeräte, Aktoren, Binäreingänge und Schaltuhren von Theben, für Touchpanels und Raumtemperaturregler von Elsner, für ein Audiosystem von Basalte und für das Schalterprogramm von Berker. „Theben, weil sich mit diesem System je nach Bedarf unterschiedliche Module, in unserem Fall beispielsweise ein Eingangsmodul, ein Schaltmodul und ein Dimm-Modul, zusammenstecken lassen; Basalte, weil dieses Audiosystem über einen Verstärker mit direkter KNX-Schnittstelle verfügt; Elsner, weil dieses Unternehmen ein Spezialist für den Bereich Messen und Fühlen ist und weil das Touchpanel der Firma auf einer einzigen Schalterdose Platz fand; Berker, weil die Schalterprogramme hochwertig und zeitlos sind“, begründet Stefan Krainer seine KNX-Produktauswahl.

Das große Umrüsten hat begonnen

Am 18. Jänner wurde der erste neue Waggon angeliefert. Seither wird installiert. Dank KNX halten in den neuen Gondeln nicht nur wohlige Temperaturen, sondern auch in den Komfort-Kabinen eine dimmbare Beleuchtung, eine Klimaanlage oder ein aus mehreren Quellen ansteuerbares Musiksystem. „Über einen Bluetooth-Empfänger kann hier sogar eigene Musik eingespielt werden. Wobei das System automatisch erkennt, von welcher Quelle ein Signal kommt“, beschreibt Stefan Krainer. Im ersten Bauabschnitt wird jeder einzelne Waggon KNX-fit und via Außentableau für das Riesenrad-Personal regelbar gemacht. Die Komfort-Kabinen erhalten zusätzlich noch ein Touchpanel im Waggon-Inneren, damit die Fahrgäste selbst ebenfalls über Klima, Licht und Musik mitbestimmen können.

Die KNX-Verknüpfung zwischen den einzelnen Gondeln folgt dann in einem weiteren Bauabschnitt. Da liegt dann laut Stefan Krainer die große Herausforderung in der Signalübertragung. „Es wird sich erst im Zuge der Umrüstarbeiten weisen, ob das über die Schleifringe zu schaffen ist oder ob es dazu eine Funk- oder WLAN-Unterstützung braucht“, bekennt er. Aber wie auch immer, eines scheint für alle Beteiligten am Riesenrad-Projekt gewiss: Letztendlich wird die Klima-, Licht- und Unterhaltungstechnik der Kabinen zusätzlich noch zentral von unten zu regeln sein.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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