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MHK-Chef Tanzler: „Das Geschäft machen die Hausgeräte-Lieferanten!“

20.03.2015

Seit Jahren steigen die Durchschnitts-Preise der Küchen, aber nicht die Erträge. Grund dafür: immer hochwertigere Einbau-Geräte, die mitverkauft werden und den Holzanteil auf unter 40 Prozent sinken ließen. Mit einer neuen Werbe-Linie will Ernst Tanzler seinen MHK-Mitgliedern in einem schärfer werdenden Wettbewerb den Rücken stärken.

Tanzler mit Werbesujet
35 Jahre MHK

Der Blick auf die Preis-Entwicklung von Küchen trügt: Steigende Preise bedeuten nicht automatisch, dass dem Händler auch mehr im Börsel bleibt, weiß Tanzler. „Dampfgarer, Flächen-Induktion und Co. sorgen beim Kunden für hohe Begehrlichkeit. Das ist gut, der Wert steigt trotz sinkender Stückzahlen. Schlecht ist aber, dass das Geschäft in erster Linie die Elektro-Lieferanten machen.“ Denn für Händler mit Planungs- und Tischler-Kompetenz bedeutet dies, dass sie in geringerem Ausmaß mit ihrer Leistung punkten können.

 

Verstärkt wird diese Entwicklung durch weitere Trends: „Früher wurden die Arbeitsplatten viel verspielter geplant, das geht zurück. Auch die Kunden-Vorliebe für Steinplatten erhöht zwar den Aufwand, verringert aber den Deckungs-Beitrag.“ Nicht zu vergessen: das Spannen-Problem bei Elektrogeräten, Spülen und Armaturen aufgrund der Preis-Situation im Internet-Handel. Auf der anderen Seite rückt die Küche vermehrt in den Lebens-Mittelpunkt, was einer Küchen-Kooperation wie MHK zugute kommt. „Reine Wohnmöbler sehe ich zurzeit eher auf der Verlierer-Straße.“ Tanzler sieht im Gegenzug Potenzial für Küchenstudios, die den Trend zur Wohnküche nützen und den Wohnbereich gleich mitplanen.

 

30 Neuzugänge in drei Jahren

 

Wenn das Umfeld schwierig wird, ist ein starker Verband umso wichtiger. „Beim MHK findet man kaum Insolvenzen oder todkranke Unternehmen“, versichert der Geschäftsführer. „Wir können negative Entwicklungen frühzeitig auffangen, da wir bei Problemen sofort mit dem Unternehmer und bei Bedarf auch mit der Bank, den Lieferanten oder dem Vermieter reden.“ Dank Zentral-Regulierung mit Delkredere bekomme die Industrie in jedem Fall verlässlich nach 30 Tage ihr Geld. Um gemeinsam noch mehr PS auf die Straße zu bringen, wurde kürzlich die neue Kampagne gestartet, die den regional verankerten Händler unter das rote Dreieck des MHK stellt (wir berichteten). Via Zeitschriften, Radio (Ö3) und Fernsehen (ATV1 und 2) wird so die Dienstleistung der „besten österreichischen Küchenhändler“ vermittelt.

 

Die Kampagne kommt für Tanzler im rechten Augenblick, er sieht eine Markt-Bereinigung anstehen. Zum einen drängen wesentlich mehr Kooperationen aus Deutschland nach Österreich, als dem kleinen heimischen Markt gut tun. Zum anderen liefert Ikea inzwischen die meisten Hochglanz-Küchen in Österreich aus, wogegen sich Kika-Leiner mit einem Positionierungs-Problem plagt. Kooperations-Konkurrenz hin oder her – die MHK-Reihen sind zuletzt angeschwellt: 2014 hat der Verband 13 Partner mit 24 Outlets hinzugewonnen und steht nun bei 122 Mitgliedern und 146 Standorten. Heuer kommen nochmals zehn, 2016 weitere sechs Händler hinzu.

 

Neues Online-Konzept zur Berliner Hauptversammlung

 

Dann sieht Tanzler den Plafond aber auch so ziemlich erreicht. Wobei interessierte Tischler oder Verkäufer mit Potenzial (Letztere etwa für die Franchise-Schiene Reddy) weiterhin in Frage kommen. Klar ist jedoch: „Die Zahl der unkooperierten Händler ist überschaubar, und Abwerben ist definitiv nicht unser Ziel.“

 

Die Ideen gehen dem Verband jedenfalls nicht aus. Rund 125 Österreicher bzw. 4.500 Gäste aus der MHK-Welt werden sich von 24. bis 26. April ein Bild davon machen können. Dann nämlich lädt der Vorstands-Vorsitzende Hans Strothoff nach Berlin, um 35 Jahre MHK zu feiern und bei der Gelegenheit auch gleich zu präsentieren, wie die Kooperation das Internet erobern will.

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