Direkt zum Inhalt
Markus Miele, Chefdesigner Andreas Enslin, Reinhard Zinkann und Martin Melzer

„Österreich hat einen pro Kopf-Umsatz, der traumhaft ist“

14.04.2015

Im frisch erschienenen Elektrojournal sprechen die beiden Miele Chefs Markus Miele und Reinhard Zinkann sowie Miele Österreich Geschäftsführer Martin Melzer über die Preisentwicklung bei Hausgeräten und unterschiedliche Vertriebskanäle. Auf Elektrojournal Online lesen Sie nun das gesamte Interview.

Elektrojournal Online: Miele feiert heuer 60 Jahre Miele Österreich. Was haben die Österreicher besonders gut hinbekommen?

Reinhard Zinkann: Österreich hat einen pro Kopf-Umsatz, der traumhaft ist. Unser Marktanteil ist ebenfalls traumhaft. Das ist eine ganz tolle Leistung. Es wäre schön, wenn andere Länder diesem Beispiel folgen würden.

Markus Miele: Für mich ist die Durchdringung mit Dampfgaren faszinierend.

Martin Melzer: Wir haben bei Dampfgarern knapp 60 Prozent Marktanteil, obwohl inzwischen alle unsere Mitbewerber ebenfalls Dampfgarer anbieten.

 

Elektrojournal Online: Es wird einige Jubiläumsgeräte geben. Wird Miele dieses Mal auch bunte Weißware präsentieren?

Melzer: Nein. Wir müssen mit modischen Gags sehr aufpassen, weil unsere Geräte ja bei ihrer Lebensdauer 20 Jahre im Lebensbereich der Menschen stehen. Im Einbaubereich spielen Farben aber natürlich eine ganz andere Rolle, weil die sich immer in die Küchenumfelder einfügen müssen.

 

Elektrojournal Online: Miele Österreich konnte den Umsatz 2014 leicht steigern. Was ist 2015 möglich?

Zinkann: Natürlich ist Wachstum möglich. Ich möchte aber keine Umsatzprognosen abgeben. Es gibt geopolitische Einflüsse, die jedes Geschäft verhageln können.

Melzer: Unser Anspruch ist es aber immer, über Markt zu wachsen.

Miele: Wir wollen organisch wachsen. Und wenn wir am Ende ein ertragsauskömmliches Ergebnis haben, dann haben wir es richtig gemacht.

 

Elektrojournal Online: Wie gefährlich ist es, wenn eine Qualitätsmarke mit einem Produkt ihre Kunden enttäuscht. Wie wackelig ist das Ganze?

Miele: Sehr wackelig. Eine Marke ist wie eine Mauer. Wenn ich einen essentiellen Stein herausnehme, bricht die ganze Mauer ein. Gerade in Zeiten des Internets und der schnellen Verbreitung ist es enorm wichtig, Kunden nicht zu enttäuschen.

Melzer: Wobei wir auch erleben, dass viele Kunden bei einer übertriebenen Kritik im Internet aufstehen und sagen: „Bei mir war es ganz anders.“ Und das ist nicht von uns gesteuert.

Miele: Natürlich. Ich sprach jetzt von einem essentiellen Fehltritt, einem Fehler bei der Produktqualität, nicht von Einzelfällen, die passieren können. Dann ist es Aufgabe des Servicedienstes, das wieder in Ordnung zu bringen.

 

Elektrojournal Online: Miele ist ein Familienunternehmen unter Doppelführung. Bei Familienunternehmen spielt auch der emotionale Aspekt eine wesentliche Rolle. Bekommt man sich da nicht leicht in die Haare?

Zinkann: Genug Haare hätte ich noch. Aber in den gut 16 Jahren, in denen wir beide jetzt zusammenarbeiten, haben wir uns nie in die Haare gekriegt. Natürlich sind wir gelegentlich unterschiedlicher Auffassung. Wir wissen aber, dass wir uns in einer unscheidbaren Ehe befinden. Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein und wollen beide für das Unternehmen das Beste. Wir finden gemeinsame Wege und kommen immer zu einer gemeinsamen Entscheidung.  

Miele: Im alte Büro meines Großvaters steht ein Spruch: „Friede ernährt, Unfriede verzehrt.“ Es geht letztendlich immer ums Unternehmen. Im Bestreben das Unternehmen weiter zu entwickeln, sind wir vollkommen geeint.

 

Elektrojournal Online: Wie sind die Rollen zwischen Ihnen verteilt?

Zinkann: Mein Partner ist für Entwicklung und Werke zuständig, ich bin der Verkäufer.

 

Elektrojournal Online: Die Miele-Preisstrategien sind international einheitlich. Eure Partner dürfen ruhig etwas teurer verkaufen. Können sie die Preise stabil halten?

Miele: Der Preiswettbewerb ist sicher stärker geworden, wir sind davon allerdings nur mittelbar betroffen. Wenn sich im mittleren und Einstiegsegment etwas tut, bedeutet das fürs Premiumsegment erstmal nichts. Wenn aber der Abstand zum mittleren Segment zu groß wird, müssen wir leicht nachziehen. Man kann sich das wie ein Gummiband zwischen den beiden Segmenten vorstellen. Irgendwann wird der Abstand so groß, dass das Gummiband reißt. Deswegen monitoren wir den Preisabstand zu unseren A-Marken-Mitbewerbern – aber nur zu diesen - sehr genau. 

 

Elektrojournal Online: Die Durchschnittsverkaufspreise sinken also bei der Weißen...

Melzer: Zur Preisentwicklung der Weißware muss man zwei Dinge sagen: Wenn ich dasselbe Gerät und dieselbe Geräteausstattung miteinander vergleiche, ist die Weißware günstiger geworden. Gleichzeitig fand aber ein Trading-Up bei der technischen Ausstattung statt, zum Beispiel über Induktion und höhere Effizienzklassen. Das kompensiert den Preis-Rückgang. Wenn ich die Durchschnittspreise also vergleiche, bleiben sie konstant. Die Herausforderung für die Industrie heißt: fürs selbe Geld mehr Ausstattung zu bieten.

Zinkann: Bei Miele sprechen wir aber nicht über den Preis, wir sprechen über den Wert, über das, was das Gerät dem Kunden nützt. Wir wollen den Endverbraucher von der Preisdiskussion in die Wertdiskussion bringen.

 

Elektrojournal Online: Gerade bei den neuen Vertriebskanälen ist die Wertevermittlung nicht immer einfach.

Zinkann: Online ist nicht mehr wegzudiskutieren. Dem muss man so ins Auge sehen. Genauso wie vor 20 Jahren die Entwicklung der Großfläche. Wir müssen mit Online-Anbietern arbeiten. Es muss aber ein sauberes Geschäft sein. Wir leben von und mit dem Fachhandel und wollen ihn nicht schädigen.

 

Elektrojournal Online: Wie hoch ist der Online-Anteil von großen Hausgeräten in Deutschland?

Melzer: Etwa 16 Prozent.  

 

Elektrojournal Online: In Österreich steht der Online-Handel mit Großgeräten bei nur neun Prozent.

Melzer: Das ist aber sicher nicht das Ende. Ich persönliche rechne damit, dass sich der Wert bei 15 bis 20 Prozent einpendeln wird. Online-Handel ist ein Teil des Marktes. Das können wir auch nicht ändern. Aber auch im Online-Segment wollen wir nicht, dass der Wettbewerb über den Preis stattfindet.

Miele: Am Ende entscheidet der Kunde, welchen Kanal er nimmt. Wobei sich die Kanäle auch ergänzen. Wir müssen jedenfalls hinbekommen, dass unsere Kunden in allen Kanälen zufrieden sind.

Zinkann: Es wird aber immer Kunden geben, die das haptische Gefühl haben wollen und im Fachhandel kaufen. Gerade in Österreich gibt’s eine gewachsene Fachhandelstruktur. Natürlich müssen sich Fachhandel zeitgemäß aufstellen.

 

Elektrojournal Online: Wollen Sie noch irgendetwas den österreichischen Elektro- und Küchenhändlern ausrichten?

Zinkann: Wir bedanken uns für 60 Jahre Partnerschaft, für das gemeinsame Verständnis von Wert, Qualität und Marke. Und wir werden weiter alles tun, dass der Fachhandel erfolgreich ist, denn dann sind auch wir erfolgreich.

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
Original erschienen am 14.04.2015: Elektrojournal.
Werbung

Weiterführende Themen

Der Stand-Kaffeevollautomat CM6 mit 100 Euro Weihnachtsbonus.
Hausgeräte
12.11.2015

Für die neuen Stand-Kaffeevollautomat CM6 und CM7 bietet Miele jeweils einen 100 Euro-Weihnachtsbonus an, und für den Saugroboter Scout RX1 gibt es einen Weihnachtsbonus von 50 Euro. 

60 Jahre Miele in Österreich: Traditionsunternehmen feiert Firmenjubiläum
Hausgeräte
29.09.2015

Miele Österreich feiert sein 60-jähriges Bestehen und begeht dieses mit einer von umfangreichen Werbemaßnahmen flankierten Kampagne. Auf Elektrojournal Online können Sie sich die Radio-Spots ...

Die Miele-Geschäftsleitung mit Eduard Sailer, Markus Miele, Olaf Bartsch, Reinhard Zinkann, und Axel Kniehl
Hausgeräte
14.08.2015

Miele präsentiert saubere Konzern-Zahlen. Der Hersteller von Waschmaschinen, Geschirrspülern und Staubsaugern verzeichnete in seinem Ende Juni abgelaufen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von gut acht ...

Der Miele Nachhaltigkeitsbericht 2015 ist unter www.miele-nachhaltigkeit.de zu finden
Hausgeräte
10.08.2015

18 Prozent weniger Energieverbrauch seit 2000, zwei Drittel 63 aller Waschmaschinen A+++. Mit dem Nachhaltigkeitsbericht 2015, den Miele online veröffentlicht hat, betritt der Hausgerätehersteller ...

v.l. Alfred Fiedler (“Freunde der österreichischen Mehlspeiskultur“), Ernst Kronreif (Hohlwegwirt), Landesrat Josef Schwaiger, Martin Melzer (Geschäftsführer Miele Österreich), Christian Leeb, (Geschäftsführer SalzburgMilch) genießen österreichische Mehlspeisspezialitäten anlässlich der Pressekonferenz zum Weltmilchtag am 1. Juni in der Miele Galerie Wals
Hausgeräte
03.06.2015

Die  Initiative „Österreichs Mehlspeiskultur“ will heimische Mehlspeisen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken und in Konsequenz von der UNESCO als Kulturerbe anerkennen lassen. Politiker und ...

Werbung