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DI Peter Weinelt, Obmann des Fachverband Gas Wärme und stellvertretender Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, Prof. Mag. Herbert Lechner, stellvertretender Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur und Mag. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverband Gas Wärme (v.l.n.r.)

Bis zu 10.000 Jobs durch Erneuerbares Erdgas

24.05.2019

Beachtliche Zahlen legt eine Studie der Österreichischen Energieagentur vor: 21 Milliarden Euro an österreichischer Wertschöpfung und bis zu 10.000 Arbeitsplätze bis 2050 durch die „Greening the Gas“-Strategie.

Der Fachverband Gas Wärme stimmt diesen Zahlen an sich zu, aber nur dann, wenn auch die Rahmenbedingungen passen. Um das enorme Potenzial an Erneuerbaren Gasen in Österreich vollständig nützen zu können, brauche es laut Fachverband „weder Gebote noch Verbote“, sondern „entsprechende Rahmenbedingungen im geplanten Erneuerbaren Ausbau Gesetz, in den Landesgesetzgebungen sowie entsprechende Anreize der Politik“. Zu begrüßen sind geplante Steuererleichterungen im Rahmen der Steuerreform. Das allein wird aber nicht ausreichen: „Wir brauchen kein Quotenmodell, das die Wertschöpfungseffekte exportiert, sondern vielmehr ein marktbasiertes Fördermodell, damit die Wirtschaftsimpulse und Wertschöpfung in Österreich bleiben.“

Volkswirtschaftliche Effekte

In der aktuellen Studie wurden die volkswirtschaftlichen Effekte des Ausbaus und Betriebs von Erzeugungskapazitäten für Erneuerbare Gase (Biomethan, Wasserstoff und synthetisches Erdgas) und deren Einspeisung in das Gasnetz analysiert. Fazit: Es handelt sich um ein kräftiges Konjunkturpaket für die heimische Volkswirtschaft. „Es leistet aber auch einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung unseres Energiesystems und ermöglicht es, mit Stromüberschüssen im Sommer Erneuerbares Gas zu erzeugen und für die Nutzung im Winter zu speichern“, erklärt DI Peter Weinelt, Obmann des Fachverband Gas Wärme und stellvertretender Generaldirektor der Wiener Stadtwerke.
Prof. Mag. Herbert Lechner, stellvertretender Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur, meint: „Die Investitionen im Zeitraum 2020 bis 2050 betragen 14,5 Milliarden Euro und sind zu drei Viertel für die österreichische Wertschöpfung und Beschäftigung wirksam. Für den Betrieb der Anlagen fallen weitere 14 Milliarden Euro an.“

In den Ausbau von Biomethan fließen laut Studie der Österreichischen Energieagentur insgesamt 4,5 Milliarden Euro. In einem ersten Schritt könnte etwa jede zweite bestehende Biomethan-Anlage umgerüstet und an das Gasnetz angeschlossen werden.
Weitere Biomethan-Potenziale liegen in der großflächigen Nutzung von landwirtschaftlichen Abfällen, Klärschlamm oder Speiseresten sowie in der Gewinnung von Holzgas. Holzgas wurde in der Studie der Österreichischen Energieagentur nicht berücksichtigt.

Für den Aufbau von Erzeugungskapazitäten von synthetischem Gas und Wasserstoff liegt das Investitionsvolumen bei insgesamt 10 Milliarden Euro. Um diese Umwandlungsprozesse von grünem Strom in Erneuerbares Gas effizienter und damit kostengünstiger zu machen, wird an Forschung und Innovation gearbeitet. Das betrifft auch die Biomethanherstellung aus unterschiedlichsten biogenen Abfällen in einer Anlage, bei der 2040 ein Technologiesprung erwartet wird.

Positiv für Arbeitsmarkt

Investitionen und Betrieb von Anlagen für Erneuerbares Gas hätten laut Lechner auch positive Effekte auf dem Arbeitsmarkt: „Schon in der Startphase 2020 bis 2030 werden durchschnittlich 2.500 Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert. Diese Zahl steigt im Endausbau 2040 bis 2050 auf 10.000 Vollzeitbeschäftigte.“

Durch all diese Maßnahmen können jährlich Erneuerbare Gase in der Größenordnung von rund zwei Milliarden Normkubikmeter Gas hergestellt werden. „Damit könnte im Jahr 2050 der Gasbedarf für den Raumwärmemarkt gedeckt werden“, sagt Weinelt.

Das Nutzen der bestehenden Gasinfrastruktur hätte noch einen weiteren positiven Effekt: Dadurch, dass Energie durch die gut ausgebauten Rohrleitungen fließen kann, kann der Ausbau des Stromleitungsnetzes ausbleiben. Die Gasnetze helfen also beim Sparen. Weinelt: „So lassen sich die Klimaziele günstiger erreichen.“

 

Autor/in:
Bettina Kreuter
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