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„Brauchens a Rechnung?“

02.04.2014

Aktuellen Studien zufolge sieht jeder zweite Österreicher „Pfuschen“ als Kavaliersdelikt. Zudem häufen sich in letzter Zeit die Fälle prominenter Personen, die es mit der Steuer nicht ganz so genau nehmen. DAMIT Dürfte das ohnehin nur schwach ausgeprägte Steuer-Rechtsbewusstsein von Herrn und Frau Österreicher noch Weiter sinken. Kein Wunder also, dass die Bundesregierung immer wieder nach neuen Hebeln zur Eindämmung der Schattenwirtschaft sucht. Nun wird mit dem im Sommer startenden Handwerkerbonus Ein neuer Anlauf genommen.

Im Juli soll er kommen, der „Handwerkerbonus“, der offiziell versteuerte Handwerkerleistungen mit 20 Prozent Steuerrückvergütung fördert.

Das Team der „Gebäude Installation“ hat dies zum Anlass genommen, das Thema „Pfusch“ aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Mit Unterstützung durch Prof. Dr. Friedrich Schneider, Österreichs profundestem Schattenwirtschaftsexperten, haben wir für Sie das Thema „Pfusch“ umfassend recherchiert. Nachfolgend lesen Sie die wichtigsten Ergebnisse seiner aktuellen Studie „Pfusch in Österreich“. Neben Finanzminister Dr. Michael Spindelegger, der uns im Interview die steuerpolitischen Zusammenhänge erklärt, haben wir auch noch weitere für das Thema wichtige Personen zum Interview gebeten. Unter anderem beispielsweise Wilfried Lehner, der uns als Leiter der Steuerpolizei verrät, mit welchen Strafen schwarze Schafe zu rechnen haben.

Status quo der heimischen Schattenwirtschaft
In Österreich werden das Ausmaß und die Entwicklung der Schattenwirtschaft (des Pfuschs) seit langem intensiv und kontrovers diskutiert. Bei den neuesten Berechnungen für 2014 wurden die Prognosen von Wifo und IHS berücksichtigt, die einen Anstieg des offiziellen BIPs um 1,6 Prozent ausweisen. Im Jahr 2014 wird es sowohl wegen der bereits gestiegenen und weiterhin zunehmenden Arbeitslosigkeit als auch wegen der immer noch hohen Steuer- und Sozialabgabenbelastung auf den Faktor Arbeit zum ersten Mal wieder auf 20,43 Milliarden Euro oder auf 7,84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Der jährliche Zuwachs des Pfuschs 2014 beträgt somit 5,75 Prozent und erreicht damit den höchsten Wert seit 2001. Wie in Gesamtösterreich steigt auch die Schattenwirtschaft (Pfusch) in den einzelnen Bundesländern im Jahr 2014 erstmals wieder an. Quantitativ am bedeutendsten ist die Schattenwirtschaft in Wien mit 5,63 Milliarden Euro, gefolgt von Oberösterreich mit 3,42 Milliarden Euro.

Das Baugewerbe und der Handwerksbetrieb (inklusive Reparatur) halten mit circa 39 Prozent den größten Anteil an der Schattenwirtschaft. 2014 werden in Österreich in diesen Bereichen der Schattenwirtschaft 7,97 Milliarden Euro umgesetzt, in Wien 2,2 Milliarden Euro, in Niederösterreich 1,29 Milliarden Euro und in Oberösterreich 1,33 Milliarden Euro. Es folgen die sonstigen Gewerbebetriebe und haushaltsnahen Dienstleistungen mit 17 Prozent bzw. 3,47 Milliarden Euro in Österreich, in Wien 957 Millionen Euro, 563 Millionen Euro in Niederösterreich und 581 Millionen Euro in Oberösterreich. Danach folgen die Sektoren „andere Gewerbe- und Industriebetriebe“ und „Dienstleistungsbetriebe“ (Hotels, Gaststätten etc.), wobei in Österreich in beiden Sektoren je 3,27 Milliarden Euro umgesetzt werden. Den geringsten Anteil hat die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche mit 2,45 Milliarden Euro in Österreich.

Maßnahmen zur Reduktion des Pfuschs
Immer noch hat in Österreich sowie in den meisten OECD-Ländern die Schattenwirtschaft ein Ausmaß erreicht, das dringenden politischen Handlungsbedarf erfordert, um sie weiter zu reduzieren. Nur wenn es attraktiv ist, sich in der offiziellen Wirtschaft verstärkt zu engagieren, werden schattenwirtschaftliche und inoffizielle Aktivitäten überführt. Es ist die Aufgabe der staatlichen Institutionen, des Bundes, der Länder und der Kommunen, sich mit allen Maßnahmen für eine verstärkte (anreizorientierte) Bekämpfung der Schwarzarbeit einzusetzen. Welche konkreten wirtschaftspolitischen Maßnahmen könnten nun noch getroffen werden?

• Befristete Mehrwertsteuerrückvergütung bei arbeitsintensiven Dienstleistungen;
• Einführung der steuerlichen Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen und Investitionen im Haushalt (auf 2.000 Euro pro Haushalt pro Jahr);
• Sperre von öffentlichen Auftragsvergaben für drei bis fünf Jahre für Firmen, die schwarz arbeiten (lassen!) sowie
• Senkung der Lohnnebenkosten.

Wem nützt und wem schadet Pfusch?
Der größte Verlierer ist der Staat, dem hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge entgehen (Steuer- und Sozialversicherungsausfälle von 2,0 bis 3,5 Milliarden Euro pro Jahr), die Steuerverluste halten sich in Grenzen, da das schwarz verdiente Geld sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben wird.

Ein weiterer Verlierer sind die Krankenversicherungen, die die erhöhten Kosten der zusätzlichen Unfälle bzw. Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher tragen.
66 Prozent der Wertschöpfung kommt von Pfuschern, die selbstständig oder unselbstständig beschäftigt sind, die einen offiziellen Job haben, die volle Steuer- und Abgabenlast tragen und „nur“ die „schwarzen“ Überstunden nicht versteuern. 16 Prozent der Wertschöpfung des Pfuschs geht auf die organisierte Kriminalität (Prostitution, Bau) zurück und 17 Prozent auf Arbeitslose und Frühpensionisten.

40 Prozent der Pfuschtätigkeiten sind komplementär, das heißt, sie würden in der öffentlichen Wirtschaft zu offiziellem Preis nicht nachgefragt; 35 Prozent sind substitutiv und 25 Prozent würden im Do-it-yourself-Verfahren erledigt.
Vom Pfusch profitieren die Wirtschaft und wir, das heißt jeder, der pfuschen lässt oder selbst pfuscht. Viele Häuser und Eigenheime gäbe es ohne Pfusch nicht.

Die Einstellung der Österreicher zu Pfusch
Aus der Studie lässt sich eindeutig erkennen, dass 2012 49 Prozent der österreichischen Bevölkerung meinten, dass man „Dinge im Pfusch erledigen lassen“ als Kavaliersdelikt betrachten kann. Dieser Wert hat gegenüber dem Jahr 2010 um drei Prozentpunkte abgenommen. Die Entwicklung der anderen Kategorien, die man als Kavaliersdelikte bezeichnen kann, ist unterschiedlich. 
 

Die gesamte Bestandsaufnahme und interessante Interviews lessen Sie in der Ausgabe 3 der Gebäude Installation

text christian klobucsar, Prof. Dr. Friedrich Schneider

 

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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