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Die präventive Arbeit der 500 Mitarbeiter starken Finanzpolizei soll im Interesse des Arbeitsmarkts und des Wirtschaftsstandorts Österreich unfaire Konkurrenzverhältnisse infolge von Wettbewerbsvorteilen durch Schwarzarbeit, Sozial- und Abgabenbetrug verhindern. Unter anderem sorgt sie beispielsweise für die Aufdeckung von illegaler Gewerbeausübung nach der Gewerbeordnung durch Kontrollen von Tätigkeiten auf Vorliegen einer entsprechenden Gewerbeberechtigung sowie für die Aufdeckung von SozialbetrugDie Entwicklung der Schattenwirtschaft in Gesamtösterreich (= Geldsäcke ganz rechts) sowie in den einzelnen Bundesländern von 1990 bis heute. (Regionale) Wertschöpfung in der Schattenwirtschaft zu laufenden Preisen in Milliarden Euro.Zu- und Abnahme der Schattenwirtschaft in Österreich in Prozent.Tätigkeitsfelder der in Anspruch genommenen Pfusch-Arbeiten/Leistungen in Prozent der österreichischen Bevölkerung.

„Brauchens a Rechnung?“

11.03.2014

Aktuellen Studien zufolge sieht jeder zweite Österreicher „Pfuschen“ als Kavaliersdelikt. Zudem häufen sich in letzter Zeit die Fälle prominenter Personen, die es mit der Steuer nicht ganz so genau nehmen. DAMIT Dürfte das ohnehin nur schwach ausgeprägte Steuer-Rechtsbewusstsein von Herrn und Frau Österreicher noch Weiter sinken. Kein Wunder also, dass die Bundesregierung immer wieder nach neuen Hebeln zur Eindämmung der Schattenwirtschaft sucht. Nun wird mit dem im Sommer startenden Handwerkerbonus Ein neuer Anlauf genommen.

 

Im Juli soll er kommen, der „Handwerkerbonus“, der offiziell versteuerte Handwerkerleistungen mit 20 Prozent Steuerrückvergütung fördert (siehe Info unten). 

Das Team der „Gebäude Installation“ hat dies zum Anlass genommen, das Thema „Pfusch“ aus den verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Mit Unterstützung durch Prof. Dr. Friedrich Schneider, Österreichs profundestem Schattenwirtschaftsexperten, haben wir für Sie das Thema „Pfusch“ umfassend recherchiert. Nachfolgend lesen Sie die wichtigsten Ergebnisse seiner aktuellen Studie „Pfusch in Österreich“. Neben Finanzminister Dr. Michael Spindelegger, der uns im Interview die steuerpolitischen Zusammenhänge erklärt, haben wir auch noch weitere für das Thema wichtige Personen zum Interview gebeten. Unter anderem beispielsweise Wilfried Lehner, der uns als Leiter der Steuerpolizei verrät, mit welchen Strafen schwarze Schafe zu rechnen haben.

Status quo der heimischen Schattenwirtschaft

In Österreich werden das Ausmaß und die Entwicklung der Schattenwirtschaft (des Pfuschs) seit langem intensiv und kontrovers diskutiert. Bei den neuesten Berechnungen für 2014 wurden die Prognosen von Wifo und IHS berücksichtigt, die einen Anstieg des offiziellen BIPs um 1,6 Prozent ausweisen. Im Jahr 2014 wird es sowohl wegen der bereits gestiegenen und weiterhin zunehmenden Arbeitslosigkeit als auch wegen der immer noch hohen Steuer- und Sozialabgabenbelastung auf den Faktor Arbeit zum ersten Mal wieder auf 20,43 Milliarden Euro oder auf 7,84 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Der jährliche Zuwachs des Pfuschs 2014 beträgt somit 5,75 Prozent und erreicht damit den höchsten Wert seit 2001. Wie in Gesamtösterreich steigt auch die Schattenwirtschaft (Pfusch) in den einzelnen Bundesländern im Jahr 2014 erstmals wieder an. Quantitativ am bedeutendsten ist die Schattenwirtschaft in Wien mit 5,63 Milliarden Euro, gefolgt von Oberösterreich mit 3,42 Milliarden Euro. 

Das Baugewerbe und der Handwerksbetrieb (inklusive Reparatur) halten mit circa 39 Prozent den größten Anteil an der Schattenwirtschaft. 2014 werden in Österreich in diesen Bereichen der Schattenwirtschaft 7,97 Milliarden Euro umgesetzt, in Wien 2,2 Milliarden Euro, in Niederösterreich 1,29 Milliarden Euro und in Oberösterreich 1,33 Milliarden Euro. Es folgen die sonstigen Gewerbebetriebe und haushaltsnahen Dienstleistungen mit 17 Prozent bzw. 3,47 Milliarden Euro in Österreich, in Wien 957 Millionen Euro, 563 Millionen Euro in Niederösterreich und 581 Millionen Euro in Oberösterreich. Danach folgen die Sektoren „andere Gewerbe- und Industriebetriebe“ und „Dienstleistungsbetriebe“ (Hotels, Gaststätten etc.), wobei in Österreich in beiden Sektoren je 3,27 Milliarden Euro umgesetzt werden. Den geringsten Anteil hat die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche mit 2,45 Milliarden Euro in Österreich.

Maßnahmen zur Reduktion des Pfuschs

Immer noch hat in Österreich sowie in den meisten OECD-Ländern die Schattenwirtschaft ein Ausmaß erreicht, das dringenden politischen Handlungsbedarf erfordert, um sie weiter zu reduzieren. Nur wenn es attraktiv ist, sich in der offiziellen Wirtschaft verstärkt zu engagieren, werden schattenwirtschaftliche und inoffizielle Aktivitäten überführt. Es ist die Aufgabe der staatlichen Institutionen, des Bundes, der Länder und der Kommunen, sich mit allen Maßnahmen für eine verstärkte (anreizorientierte) Bekämpfung der Schwarzarbeit einzusetzen. Welche konkreten wirtschaftspolitischen Maßnahmen könnten nun noch getroffen werden?

  • Befristete Mehrwertsteuerrückvergütung bei arbeitsintensiven Dienstleistungen;
  • Einführung der steuerlichen Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen und Investitionen im Haushalt (auf 2.000 Euro pro Haushalt pro Jahr);
  • Sperre von öffentlichen Auftragsvergaben für drei bis fünf Jahre für Firmen, die schwarz arbeiten (lassen!) sowie
  • Senkung der Lohnnebenkosten.

Wem nützt und wem schadet Pfusch?

Der größte Verlierer ist der Staat, dem hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge entgehen (Steuer- und Sozialversicherungsausfälle von 2,0 bis 3,5 Milliarden Euro pro Jahr), die Steuerverluste halten sich in Grenzen, da das schwarz verdiente Geld sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben wird. 

Ein weiterer Verlierer sind die Krankenversicherungen, die die erhöhten Kosten der zusätzlichen Unfälle bzw. Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher tragen.

66 Prozent der Wertschöpfung kommt von Pfuschern, die selbstständig oder unselbstständig beschäftigt sind, die einen offiziellen Job haben, die volle Steuer- und Abgabenlast tragen und „nur“ die „schwarzen“ Überstunden nicht versteuern. 16 Prozent der Wertschöpfung des Pfuschs geht auf die organisierte Kriminalität (Prostitution, Bau) zurück und 17 Prozent auf Arbeitslose und Frühpensionisten.

40 Prozent der Pfuschtätigkeiten sind komplementär, das heißt, sie würden in der öffentlichen Wirtschaft zu offiziellem Preis nicht nachgefragt; 35 Prozent sind substitutiv und 25 Prozent würden im Do-it-yourself-Verfahren erledigt.
Vom Pfusch profitieren die Wirtschaft und wir, das heißt jeder, der pfuschen lässt oder selbst pfuscht. Viele Häuser und Eigenheime gäbe es ohne Pfusch nicht.

Die Einstellung der Österreicher zu Pfusch

Aus der Studie lässt sich eindeutig erkennen, dass 2012 49 Prozent der österreichischen Bevölkerung meinten, dass man „Dinge im Pfusch erledigen lassen“ als Kavaliersdelikt betrachten kann. Dieser Wert hat gegenüber dem Jahr 2010 um drei Prozentpunkte abgenommen. Die Entwicklung der anderen Kategorien, die man als Kavaliersdelikte bezeichnen kann, ist unterschiedlich. 

In der Tabelle auf Seite zehn (oben) sind die Tätigkeitsfelder der tatsächlichen Inanspruchnahme von Pfusch-Dienstleistungen durch die Befragten im Jahr 2012 aufgeführt. Die Fragestellungen waren: „Es passiert ja hin und wieder, dass man auf ein Handwerk ohne Rechnung zurückgreift bzw. Dienstleistungen ohne Rechnung in Anspruch nimmt. In welchen Fällen haben Sie auf einen Handwerker / eine Dienstleistung ohne Rechnung zurückgegriffen?“ Dies bedeutet, dass hier die direkte Abfrage der Nutzung von Pfuschern untersucht wurde. Bei dieser Frage ist natürlich die Wahrscheinlichkeit hoch, dass nicht alle zugeben, Pfuscher in Anspruch genommen zu haben. Fasst man die Bereiche „Renovieren einer Wohnung oder eines Hauses sowie Hausbau“ (Hausumbau, größere Renovierung im Haus) zusammen, so werden am häufigsten Pfuscher in diesem Bereich (55 Prozent), gefolgt von der Inanspruchnahme von Elektroarbeiten, Installationen und Reparaturen (20 Prozent) und von Reparaturen am Auto (in 20 Prozent der Fälle) in Anspruch genommen. Danach folgen Kosmetik- und Friseurdienstleistungen (15 Prozent), die Inanspruchnahme von Nachhilfestunden und Hausarbeit mit elf Prozent sowie die Gartenarbeit mit neun Prozent. In fast allen Bereichen gab es gegenüber 2010 starke Zuwächse: Am Stärksten bei Reparaturen am Auto (+6 Prozent), Elektroarbeiten (+5 Prozent) und Renovierung im Wohnbereich (+4 Prozent).

Bei der Befragung zu bestimmten zentralen Aussagen über die Schwarzarbeit/Schattenwirtschaft (den Pfusch) zeigt sich, dass auf die Aussage „Ohne Pfuscher kann man sich heute vieles nicht leisten“ 59 Prozent der Bevölkerung mit „Ja“ antworten und dieser Wert gegenüber dem Jahr 2010 um vier Prozentpunkte gestiegen ist. Auf die Aussage „Der Staat ist eigentlich selbst schuld, dass es so viele Pfuscher gibt. Die Steuern sind einfach zu hoch“ antworten 2012 immerhin 52 Prozent der Bevölkerung mit „Ja“. Weiters geben 33 Prozent zu, dass sie in den vergangenen zwei bis drei Jahren auf einen Pfuscher zurückgegriffen haben. 20 Prozent meinen, dass durch den Pfusch dem Staat viele Milliarden an Steuereinnahmen entgehen, wobei auch dieser Wert um elf Prozentpunkte gegenüber dem Wert von 2010 gestiegen ist. Dies bedeutet, dass die Befragten stark wahrnehmen, dass der Staat der große Verlierer beim Pfuschen ist. Ganze vier Prozent meinen, dass man Pfuscher anzeigen sollte, und lediglich drei Prozent sind der Meinung, dass, wenn man sie erwischt, diese hohe Strafen erhalten sollten. Ergebnisse der letzten beiden Fragen verdeutlichen, dass sehr wenig oder kein Unrechtsbewusstsein zum Thema Pfusch/Schattenwirtschaft vorhanden ist. Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung (Pfuscher zeigt man nicht an, sollten nicht bestraft werden) über den Untersuchungszeitraum von elf Jahren (1998 bis 2008) sehr stabil ist, das heißt, dass hier kein Wertewandel stattfindet. 


Das ist der Handwerkerbonus

Eine steuerliche Entlastung soll es ab 1. Juli 2014 für ­Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten im privaten Haushalt geben.

20 Prozent der Arbeitskosten sind absetzbar, nicht aber das Material. Pro Förderungswerber und Jahr können maximal 3.000 Euro geltend gemacht werden. Ohne Umsatzsteuer gerechnet sind das somit 600 Euro. Insgesamt sind für diese Förderungen Mittel im Ausmaß von zehn Millionen Euro für 2014 und 20 Millionen Euro für 2015 vorgesehen. Vom Handwerkerbonus erwartet man sich auch ein deutliches Signal gegen Schwarzarbeit. 

Die Schattenwirtschaft verursacht im Handwerksbereich laut Wirtschaftsforschern einen Schaden von rund 7,5 Milliarden Euro. Die angestrebte Maßnahme „Handwerkerbonus“ könnte eine Verminderung um 100 bis 200 Millionen Euro bringen. 

Autor/in:
Christian Klobucsar
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