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Das Bad macht Geschichte

09.08.2011

Seit wann gibt es Badewannen? Wie sahen die ersten Bidets aus? Was war eine „Zimmerretirade“? Wie hat man sich bei Hofe gewaschen? Was befand sich in einem kaiserlichen Ankleidezimmer? Was hat Josef Hoffmann mit Sanitärmöbeln zu tun? Auf all diese und noch viel mehr Fragen, möchte die Ausstellung „Intime Zeugen. Vom Waschtisch zum Badezimmer“ Antwort geben, die ab 21. September in Wiener Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien eröffnet.

Gezeigt werden rund 90 künstlerisch teilweise sehr aufwändig ausgeführte Möbelstücke, zahlreiches Hygieneporzellan, Toilettegarnituren und Badewannen, mit denen man uns mit der Geschichte des Badezimmers in unterschiedlichsten Epochen anschaulich vertraut machen möchte. Bis in die Antike kann man die Anfänge von Badekultur und Körperhygiene zurück verfolgen; Kaum ein Lebensbereich betrifft alle Menschen gleichermaßen und beschäftigt sie täglich mehr, unabhängig von Stand und Geschlecht.

Vom mobilen Einzelstück zum fix installierten Badezimmer sind Hygienemöbel Zeugen der Kulturgeschichte. Der Körperreinigung am Hofe widmet sich die Ausstellung „Intime Zeugen“ anhand zahlreicher Einrichtungsgegenstände zum Waschen und Baden, die aus dem kaiserlichen Haushalt bis heute erhalten geblieben sind. Das Hautaugenmerk liegt hierbei in der Entwicklung der Hygienemöbel vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert und beschreibt den schrittweisen Wandel vom mobilen Stück zum fix installierten Badezimmer.

 

Vom „tragbaren“ Hygienemöbeln …

Bis weit ins 19. Jahrhundert war die Körperreinigung nur mit Hilfe von tragbaren Gerätschaften möglich. Jedem Appartement in Schönbrunn etwa war eine „Kammer“ zugeeignet, deren Personal sich nebst Kleider-, Bart- und Haarpflege auch um den An- und Abtransport des Wassers sowie die Entsorgung der Fäkalien zu kümmern hatte. Wasser musste oft einen weiten Weg bis zum Waschtisch zurücklegen, die Bequemlichkeit hielt sich also in Grenzen. Der verschwenderische Umgang mit Wasser, den wir heute gewohnt sind, war damals undenkbar.

 

… bis zum fix installierten Bad

Erst mit der Errichtung von kommunalen Wasserleitungen und dem Kanalsystem Ende des 19. Jahrhunderts wurde Wasser aus der Wasserleitung direkt ins Haus geleitet; wenn auch zunächst nur in den Wohnungen wohlhabender Kreise. Ab diesem Zeitpunkt waren fix installierte Badezimmer möglich und Sanitärkeramik, Armaturen und diverse Badezimmerutensilien wurden Thema für die Industrie und somit zur Massenware. Aber erst in den Fünfzigerjahren gehörten Badezimmer auch in Wiener Gemeindewohnungen zum Standard.

 

Möbel erzählen Geschichte

Beginnend bei den Thermenanlagen der Antike und den Badestuben des Mittelalters zeigt die Ausstellung den neuen Möbeltyp der Waschkästen von um 1500, Toilette und Waschtische sowie die dazu gehörenden Spiegel. Neben einem Jugendstil-Schlafzimmer mit Waschtisch von 1899 ist das Ankleidezimmer der Erzherzogin Maria Anna von Österreich, Gattin von Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand I., von 1831 mit Sicherheit eines der Highlights der Ausstellung.

Die unterschiedlichen Möbeltypen werden in Gruppen angeordnet und sollen einen anschaulichen Überblick über die historische Entwicklung ermöglichen. Ausgestellt sind somit etwa Tisch- und Standspiegel aus Empire, Biedermeier und Historismus, Toilettetische aus josefinischer Zeit ebenso wie von Josef Hoffmann aus dem Sanatorium Purkersdorf, Zimmerklos aus Nussbaumholz, Spucknäpfe, kunstvoll gestaltete Waschgarnituren aus der Silberkammer, Bidets aus Messing oder Ahorn. Highlights sind außerdem frühe Du Paquier-Porzellane aus dem MAK, Bourdalous aus der Sammlung Klauda, das goldene „Nachtzeug“ von Franz Stephan von Lothringen aus dem Kunsthistorischen Museum und Sisis Reisetoilettegarnitur aus Schönbrunn.

Am Ende veranschaulichen historische Fotografien und erhaltene Sanitärkeramiken, was um 1900 unter einem modernen Badezimmer verstanden wurde.

 

„Intime Zeugen. Vom Waschtisch zum Badezimmer“

von 21. September 2011 – 22. Jänner 2012

Hofmobiliendepot • Möbel Museum Wien, Andreasg. 7, 1070 Wien

www.hofmobiliendepot.at

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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