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Das sind die Trends im Heizungsbereich

23.04.2014

Welche Heizform ist Derzeit die beliebteste in Österreich? Was ist der aktuelle Status quo in der Wärmeerzeugung, und wohin geht der Trend? Die „Gebäude Installation" hat dazu drei renommierte Vertreter der HeizungsIndustrie zum Interview gebeten.

Was war – Ihren Auftragsbüchern zufolge – die beliebteste Heizform bei heimischen Bauherren und Sanierern der vergangenen zwölf Monate?
 

Ing. Christian Hofer, Hoval: Wir bei Hoval sind sehr breit aufgestellt und haben daher keinen dominierenden Energieträger. Der Markt für (Brennwert-)Gaskessel bietet nach wie vor sehr interessante Stückzahlen, der Wärmepumpenmarkt schöne Zuwachsraten.
 

Ing. Peter Huber, Viessmann: Gas-Brennwerttechnik ist nach wie vor die gefragteste Heizungsform. Besteht die Möglichkeit, an ein Erdgasnetz anzuschließen, so wird das von einem Großteil der Anlagenbetreiber auch genutzt.

Mag. Rudolf Stelzl, Vaillant: Entsprechend dem allgemeinen Markttrend waren natürlich auch in der Vaillant Group die Gasgeräte die absolut beliebtesten, gefolgt von Wärmepumpensystemen. Bei Gas hat sich der Trend zu Brennwertgeräten weiter fortgesetzt.

 

Steigt aus Ihrer Sicht die Kombination von Gas- oder Öl-Brennwertkessel mit Solarthermieanlagen beziehungsweise generell Kombinationen aus unterschiedlichen Systemen?
 

Hofer: Bei uns steht die Lösung vor der Komponentenlieferung, wir sind ein Systemanbieter und kein Großhändler. Deshalb haben wir schon in der Vergangenheit einen hohen Anteil an Hybridlösungen verkauft. Wir beraten brennstoffneutral und gehen auf die Wünsche des Kunden ein. Das Interesse an effizienten Hybridlösungen nimmt definitiv weiter zu. Die intelligente und energieeffiziente Kombination mehrerer Energieträger wird bei Hoval durch fertige Systeme (bestehend aus genauer Funktionsbeschreibung, Hydraulikplan, Elektroplan, empfohlene Regelungseinstellungen) ermöglicht. Damit reduzieren wir deutlich den Planungs- und Koordinationsaufwand des Installateurs.

Huber: Hybridformen aus unterschiedlichen Primärenergiearten werden immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das gilt sowohl für die Kombination aus bivalenten Anlagen aus den Bereichen Wärmepumpe und Öl/Gas als auch in der Kombination mit Solarwärme beziehungsweise Solarstrom.

Stelzl: Thermische Solaranlagen stehen in der Gunst der Endgebraucher nicht mehr so hoch im Kurs wie vor vier bis fünf Jahren. Aus diesem Grund gibt es eine seit Jahren konstante Entwicklung in der Kombination Gas/Öl-Brennwertkessel mit Solarthermieanlagen. Generell steigt aber der „Systemausstattungsgrad", das heißt die Kombination verschiedener Wärmeerzeuger mit unterschiedlichen Unterstützungssystemen. So kommt auch die Luftwärmepumpe zur Brauchwassererwärmung wieder vermehrt zum Einsatz, aber auch Wärmepumpensysteme mit Photovoltaik.

 

Worauf führen Sie persönlich die derzeit relativ günstigen Energiekosten für Erdgas von rund sieben Cent pro Kilowattstunde – bei Brennwertgeräten –zurück? Spielt hier die zunehmende Versorgung mit verflüssigtem Erdgas aus Übersee eine Rolle? Sehen Sie diesen Preis mittelfristig stabil?
 

Hofer: Unser Kerngeschäft ist heizen, kühlen und lüften. Brennstoffhandel überlassen wir anderen, die das besser können. Wir beteiligen uns daher nicht an Spekulationen über Brennstoffpreise.

Huber: Die Erdgasgewinnung durch Fracking in den USA und das hohe Angebot an Ökostrom aus Deutschland wirkt sich auf den Energiemarktpreis dämpfend aus. Nordamerika hat es in den vergangenen Jahren geschafft, vom Importeur zum Energieexporteur zu werden. Eine Preisentwicklung ist seriös nicht einzuschätzen, da die sensiblen Märkte erheblich von politischen Einflüssen getrieben werden.

Stelzl: Die Preisbildung bei Energieträgern ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Der gegenwärtige relativ niedrige Preis lässt sich aber nicht auf die zunehmende Versorgung mit Erdgas aus Übersee zurückführen. Grundsätzlich führt aber ein Überangebot an Erdgas – bedingt durch den generell sehr milden Winter – in Gesamteuropa zu relativ vollen Gasspeichern. Die vorhandenen Take-or-pay-Verträge sowie die konjunkturell bedingten geringeren Abnahmemengen der Industrie sowie das Eintreten von neuen Wettbewerbern setzen den kurzfristigen Gaspreis an den Börsen unter Druck. Betrachtet man allerdings den längeren Durchschnittspreis, ist erkenntlich, dass Gas relativ stabil geblieben ist, während sich alternative Energieträger deutlich verteuert haben. Eine ähnliche Relation ist gegenwärtig auch beim Ölpreis zu beobachten. Wenn man die Meinung der Fachleute zusammenfasst, wird sich mittelfristig an dieser Relation wenig ändern, wobei zu beachten ist, dass der Ölpreis immer eine politische und spekulative Komponente enthält, die in der Vergangenheit oft zu plötzlichen Ausschlägen geführt hat. Durch die Öl/Gas-Preisrelation ist auch Gas damit eventuell beeinträchtigt, allerdings in deutlich gedämpfterem und verzögertem Ausmaß.

 

Wie hoch ist der prozentuelle Anteil Ihres Absatzes an Wärmeerzeugern auf Biomassebasis? Ist dieser Wert stabil, oder lässt sich aus den vergangenen Monaten ein Trend erkennen?
 

Hofer: Der Anteil an Biomassekesseln ist 2013 bei Hoval gestiegen, jedoch noch nicht dort, wo wir bei Wärmepumpen, Gas und Öl stehen. Wir sehen daher weiteres Wachstumspotenzial.
 

Huber: Der Absatz von Biomasseerzeugern ist tendenziell eher rückläufig. Die aktuellen Rahmenbedingungen bieten Vorteile für andere Heizsysteme.

Stelzl: Der Anteil von Wärmeerzeugern auf Biomassebasis bewegt sich bei Vaillant traditionell im einstelligen Prozentbereich und entwickelt sich marktkonform. Ein besonderer Trend ist aus diesen Zahlen bisher nicht ableitbar.

 

Ab Ende September 2015 darf eine Heizungs-/Warmwasserbereitungsanlage bekanntlich nur noch mit dem Energielabel angeboten werden. Sind Sie mit der nun abgesegneten Form dieser Verordnung zufrieden?
 

Hofer: Das Energielabel, vor allem das Package­label bietet dem Konsumenten die Möglichkeit, neben dem Preis auch die Energieeffizienz seines Wunschsystems zu vergleichen. Wir sehen das als Vorteil, da unsere Lösungen üblicherweise ausgeklügelter und damit effizienter sind als andere.

Huber: Die Auswirkung des Energielabels auf den Käufer ist zurzeit schwer abschätzbar. Es ist auf jeden Fall ein wichtiger erster Schritt, die Energieeffizienz von Heizsystemen klar zu deklarieren.
 

Stelzl: Ja und nein. Ja, weil grundsätzlich eine ­Effizienzkennzeichnung von stark energieverbrauchenden Geräten sinnhaft ist und zur Einsparung von Ressourcen und Treibhausgasen führt. Nein, weil man versucht hat, zu viel auf einmal zu regeln. Eine Heizung ist kein Stand-alone-Produkt, sondern immer ein System aus verschiedenen Komponenten, die genau aufeinander abgestimmt sein müssen. Deshalb ist der Versuch, die dabei verwendeten Produkte – Kessel, Speicher, Regler, Hilfsaggregate – einzeln zu bewerten und daraus dann eine Gesamtbewertung zu errechnen, als extrem anspruchsvoll zu betrachten. Es stellt sich die Frage, ob der dafür notwendige Aufwand bei Industrie, und vor allem bei der Beratung im Fachhandwerk und der Erstellung der Angebote, in Relation zum erzielbaren Nutzen steht. Es bleibt abzuwarten, wie die Reaktionen der Konsumenten auf die teilweise verwirrende Labelvielfalt ausfallen werden.

 

Komplizierter wird es jedenfalls für den Installateur, der bei Systemen aus verschiedenen Komponenten ein Paketlabel zu erstellen hat. Wird es in diesem Zusammenhang eine Unterstützung durch Ihr Unternehmen geben – und wenn ja, wie könnte diese aussehen?
 

Hofer: Der Installateur wird von uns für das Hoval- Gesamtsystem automatisch und ohne Mehrkosten alle erforderlichen Labels und Berechnungen für das Angebot und in der Folge die Lieferung erhalten. Ein Installateur, der auf eine Hoval-Gesamtlösung vertraut, hat daher weder einen Mehraufwand noch zusätzliche Verantwortung. Wir erstellen die Berechnung des Systemlabels (Packagelabel) für das Hoval-Gesamtsystem und übernehmen selbstverständlich auch die Verantwortung für die korrekte Berechnung. Mit der Lieferung werden alle erforderlichen Labels ausgedruckt und mitgeliefert.
 

Huber: Als Komplettanbieter haben wir beste Möglichkeiten, schlüsselfertige Heizsysteme anzubieten. Wir gehen daher davon aus, dass der Trend zu „alles aus einer Hand" durch das Energielabel weiter verstärkt wird. Ein umfangreiches Dienstleistungs­paket zur Unterstützung unserer Kunden ist in Vorbereitung und wird rechtzeitig vor Einführung auf der ISH 2015 präsentiert.

Stelzl: Selbstverständlich wird es rechtzeitig entsprechende Schulungen und Systemunterstützungen für die Installateure geben. Diese befinden sich gegenwärtig in Ausarbeitung und Erprobung. Aufgrund der Vielzahl an Produkten, die in dieses System einfließen müssen, ist allerdings mit einer längeren und sehr sorgfältigen Vorbereitungszeit zu rechnen. Die Unterstützung wird sich quer durch den gesamten Marketingmix erstrecken, um dem Installateur wie bisher das Leben so einfach wie möglich zu machen. Wir werden unsere Fachpartner jedenfalls rechtzeitig mit allen „Werkzeugen" ausstatten, die sie ab Mitte 2015 benötigen werden.

 

Welche – weiteren – Impulse oder Anreize seitens der ­Politik würden Sie sich wünschen, um die Energieeffizienzbereitschaft von Herrn und Frau Österreicher bezüglich deren Heizungen zu steigern?
 

Hofer: Vor allem Bewusstseinsbildung. Bewusstseinsbildung, dass sich die Heizungsmodernisierung schneller rechnet als alle anderen Sanierungsmaßnahmen. Das hat die österreichische Energieagentur in einer Studie festgestellt. Am Ende des Tages ist doch das mit Abstand stärkste Argument, wie viel man sich mit Sanierungsmaßnahmen sparen kann. Und da spricht alles für die Heizungsmodernisierung. Außerdem wäre der Ruf nach staatlichen Zahlungen (zusätzlichen Förderungen) in Zeiten der Hypo-Pleite ohnehin nur ein frommer Wunsch.

Huber: Es reicht, die bestehenden Gesetzte konsequent zu exekutieren.

Stelzl: Ein sinnvolles Energieeffizienzgesetz, das den Austausch von ineffizienten beziehungsweise umweltverschmutzenden oder veralteten Systemen vorschreibt, aber auch sozial gestaffelt fördert. Um einen effizienten Betrieb eines Heizgerätes vor Ort zu gewährleisten, ist aber nicht nur die Planung und Systemauswahl von Bedeutung, sondern vor allem die optimale Einstellung im laufenden Betrieb. Dies ist nur durch die richtige Wartung des Systems zu erzielen. Deshalb sollte es auch für die Wartung verpflichtende Vorgaben geben, die neben der Erhöhung der Effizienz gleichzeitig auch eine Verbesserung der Betriebssicherheit und damit Unfallvermeidung bewirken würden.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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