Direkt zum Inhalt

Dicke Luft in Österreichs Büros

09.01.2014

Mehr als 360 Büros wurden bei einer österreichweiten Erhebung auf wesentliche Indikatoren für gesunde Raumluftqualität untersucht. Am „Tag der guten Raumluft 2013“ präsentierte die Plattform MeineRaumluft nun Ergebnisse, die zum Nachdenken anregen. 

Die Untersuchung der Raumluftindikatoren zeigt: In fast allen Büros wurden während des Messzeitraumes Richtwerte für gesunde Raumluft zumindest punktuell über- bzw. unterschritten. Arbeitsmediziner geben die Folgen für den Einzelnen und die Wirtschaft zu bedenken: Ermüdung, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl sowie Leistungsabfall und Krankenstände. Als konsequenten, nächsten Schritt zur Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit, der Politik und v. a. der Betroffenen selbst unterschrieben namhafte Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft den MeineRaumluft-Appell „Gesunde Raumluft. Mehr Lebensqualität“.

 

Breitangelegte Messaktion in Büros
Seit Winter vergangenen Jahres (und noch bis einschließlich 30. März 2014) führt MeineRaumluft.at österreichweit Erhebungen zur Raumluftqualität in Büros durch. Dabei fanden zwei Untersuchungsreihen statt. Einerseits gab es mehr als 230 Spontanuntersuchungen in Büros, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Hoffmann & Forcher im Auftrag der Plattform. Andererseits wurden in der Folge Raumluftdaten in weiteren 130 Büros jeweils eine Woche lang durch Mitarbeiter der Betriebe oder Betriebsärzte selbst erhoben. Gemessen wurden zentrale Indikatoren für gesunde Raumluft: Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur, Luftaustauschrate, CO2-Gehalt sowie die Anzahl der Luftionen, die in Sondermessungen mit einem speziellen Ionenmessgerät ermittelt wurden.

 

Die Zwischenbilanz
Bei den 230 Spontanmessungen, die im Winter durchgeführt wurden, zeigt sich bei mehr als jedem fünften Büro, dass die Luftfeuchtigkeit zu gering und der CO2-Wert zu hoch ist. Die Anzahl der Luftionen unterschritt bei den Sondermessungen den Richtwert von 1.000 Luftionen pro cm³ sogar bei 80 Prozent der Büros. Darüber hinaus lag die Temperatur im Winter in rund jedem achten Büro unter erfrischenden 18 Grad. Das Resümee: Die Luft ist zu trocken und weist mit erhöhten CO2-Werten generell eine schlechte Qualität auf. In kaum einem der Büros lagen alle gemessenen Richtwerte im empfohlenen Bereich.
Bei den Wochenmessungen, die zwischen Frühsommer und Herbst 2013 stattfanden und in denen 130 Büros über einen Zeitraum von je einer Woche beobachtet wurden, zeigte sich hingegen folgendes Bild: Bei mehr als der Hälfte aller Büros (57,8 Prozent) lag die Luftfeuchtigkeit unterhalb des Richtwertes von 40 Prozent, bei jedem fünften Büro sogar unter 30 Prozent. „Dies ist deshalb bedenklich, da bei Verwendung von Klimaanlagen eine relative Luftfeuchtigkeit von zumindest 40 Prozent zu erreichen ist. Und dies war bei 80 Prozent der klimatisierten Büros nicht der Fall“, erklärt Schlatte. Die CO2-Werte waren bei den Wochenmessungen in jedem zehnten Büro zu hoch, das Gesamtergebnis war allerdings besser als bei den vorangegangenen Spontanmessungen. Grund dafür ist laut Schlatte einerseits der große Anteil an mechanischen Lüftungsanlagen, die bei regelmäßiger Wartung gut funktionieren, andererseits ist die Besserung hier auch jahreszeitenbedingt zu interpretieren, da im Sommer die Fenster länger offenstehen. Auch zeigte sich eine weitere positive Dynamik: „Die Tagesergebnisse im Vergleich zeigen, dass allein die Aufmerksamkeit, die durch das Leihmessgerät erzeugt wurde, die Faktoren positiv beeinflusst“, so Schlatte.
Während es im Winter zu kalt in den Büros ist, zeigen die Messungen im Sommer, dass die Luft nicht nur dick, sondern auch heiß sein kann: In jedem sechsten Büro lag die Temperatur über der 25-Grad-Marke.

 

Entscheidender Faktor für Arbeitsleistung
Arbeitsmedizinerin Dr. Eva Höltl verwies auf die gesundheitlichen Folgen und die wirtschaftlichen Aspekte: „Schlechte Raumluft kann umfangreiche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Allergien und Atemwegserkrankungen können die Folge sein. Hinzu kommt: Ist die Raumluft schlecht, sinkt die Leistungsfähigkeit. In einer Dienstleistungsgesellschaft, in der die geistige Leistung das eigentliche Produkt ist, müssen Unternehmen einfach darauf achten, welche Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeiter herrschen“, so Höltl. „Gezielte Vorsorge und professionelle Überlegungen sind für ein positives Raumklima unerlässlich. Gesunde Raumluft beginnt schon bei der Gebäudeplanung“, so die Expertin.
Optimale Raumluftqualität hängt aber nicht nur von den baulichen Maßnahmen ab, auch das Engagement und die Bewusstheit jedes Einzelnen kann viel dazu beitragen. Dies weiß auch Univ.-Doz. DI Dr. Georg Haberhauer, Vizerektor der Universität für Bodenkultur Boku: „Es gehört zum Selbstverständnis der Boku, achtsam mit der Gesundheit unserer Mitarbeiter umzugehen und diese zu fördern. Als Arbeitgeber von knapp 2.500 Mitarbeitern und Ausbildungsstätte für rund 12.000 Studierende haben wir eine große Verantwortung, derer wir uns bewusst sind. Daher haben wir neben umfassenden Sanierungsarbeiten auch Projekte initiiert wie zum Beispiel die Initiative ‚Gesunde Boku‘. Denn gesunde Mitarbeiter sind ein wesentlicher Faktor für den Erfolg unserer Universität.“

Wirtschaftstreibende rufen zum Appell
Laut der Europäischen Umweltagentur (EUA) sind rund 90 Prozent der städtischen Bewohner der EU schädlichen Luftverhältnissen ausgesetzt. Gesunde Luft ist unsere essenzielle Ressource – sowohl für den Einzelnen als auch für Unternehmen. Da die Raumluftqualität nicht nur jeden Einzelnen, sondern die Gesellschaft insgesamt betrifft, haben sich am „Tag der guten Raumluft“ namhafte Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft eingefunden, um gemeinsam mit der Plattform MeineRaumluft.at ihren Appell „Gesunde Raumluft. Mehr Lebensqualität“ an die breite Öffentlichkeit, die Politik, aber auch an Gesundheitsverantwortliche und schließlich jeden Einzelnen zu richten. Hierzu einer der Unterzeichnenden, Mag. Robert Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Schmid Industrieholding: „Mit diesem Appell wollen wir ein klares Statement setzen und jeden Angestellten, aber auch die Wirtschaftstreibenden zur Eigeninitiative auffordern. Als Lebensgrundlage eines jeden Einzelnen braucht gesunde Raumluft mehr Aufmerksamkeit.“
Unter andrem unterzeichneten den Appell: Mag. Robert Schmid, Geschäftsführender Gesellschafter Schmid Industrie SIH, DI Peter Tappler, Umweltanalytiker IBO Innenraumanalytik, DI Christof Braunegg, Geschäftsführer Troges, Mag. Georg Bursik, Geschäftsführer Wopfinger Baustoffindustrie, Ing. Sascha Deifel, Geschäftsführer Camfil Austria, Ing. Thomas Mader, Geschäftsführer Stiebel Eltron, DI (FH) Reinhard Böcskör, Marketing Wienerberger Ö.

 

Tipp: Unternehmen können bis einschließlich Ende März 2014 die Messgeräte zur Raumlufterhebung gratis bei der Plattform MeineRaumluft.at ausleihen.

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles
09.12.2011

Kontinuierliche Weiterbildung ist heute für jedes Unternehmen unverzichtbar. Die von Odörfer gemeinsam mit dem WIFI Steiermark initiierte Aus- und Weiterbildungsoffensive möchte Installateure ...

Aktuelles
10.10.2011

Das Linzer Musiktheater am Volksgarten, zukünftiges neues kulturelles Wahrzeichen der Stadt Linz und Oberösterreichs, wächst in die Höhe.

Aktuelles
09.08.2011

Die Fritz Holter GmbH, investiert rund 3 Millionen Euro in ein neues Bürogebäude an seinem Welser Firmenstandort.

Aktuelles
06.08.2010

Seit Anfang des Jahres präsentiert sich die Gemeinschaftsmarke OaseBad mit neuer Führung und einem neuen Marktauftritt. Die Anzahl der Mitglieder hat sich seit diesem Zeitpunkt fast verdoppelt. ...

Werbung