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Effektiver Klimaschutz beginnt im Eigenheim

02.12.2019

Um Konsumenten im Kampf gegen den Klimawandel gezielt zu unterstützen, hat die heimische Wärmewirtschaft zahlreiche Tipps an die Regierung parat.

Nach anhaltend schlechten Klimaschutznoten sind sich Experten einig, dass bestehende Maßnahmen in Österreich nicht ausreichen werden, um gesetzte Klimaziele zu erreichen. Diese Meinung teilen auch wichtige Branchenvertreter der Wärmewirtschaft und übergaben der Politik geeint einen Maßnahmenkatalog: In einer Erklärung der sieben Verbände, die dem „Runden Tisch Wärmewirtschaft“ angehören, formulierten sie kürzlich einen dringenden Appell. „Die Heizungsmodernisierung ist für den Klimaschutz in den eigenen vier Wänden der wichtigste Hebel und kann den CO2-Ausstoß um 90 Prozent reduzieren. Bestehende Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, dem Verbraucher genügend unter die Arme zu greifen“, so die Verbände.

Übernahme von 30 Prozent der Investitionskosten

In dem Neun-Punkte-Dokument fordern die Verbände u.a. eine Verbesserung des Fördersystems: Nachdem der Sanierungsscheck nach erfolgreicher Aufstockung im September bereits nach knapp zwei Wochen erneut ausgeschöpft war, braucht es eine höhere und vor allem konstante Förderung. Darüber hinaus sollten die Förderungen aus Bundes- und Landesebene unbürokratisch und zentral über ein Webportal zu beantragen sein, ergebnisorientiert im Sinne einer CO2-Senkung strukturiert sein und mindestens 30 Prozent der Investitionen abdecken.

Steuersenkung für nachhaltige Heizinvestitionen

Weiter sollen eine Kombination aus steuerlichen Anreizen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen den Sanierungshunger der Österreicher neu entfachen. Eine intelligent gestaltete, aufkommensneutrale Steuer- und Abgabenreform als sinnvollste und letztlich unvermeidbare Maßnahme wird ergänzt durch eine Verkürzung der Abschreibedauer neuer Heizungsanlagen. Empfohlen wird zudem die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für nachhaltige Heizinvestitionen, während die derzeitige Förderung von Heizöl durch den erniedrigten Mineralölsteuersatz schrittweise abzubauen ist. Gleichzeitig empfiehlt die Branche den verpflichtenden Austausch veralteter Heizanlagen flankiert durch einen „Heizungs-Check“ aller Geräte in Österreich. Hierfür macht es Sinn, eine bundesweite Heizungsdatenbank zu etablieren, um die Klimaziele besser im Auge zu behalten.

Unterstützung sozial schwächerer Haushalte maßgeblich

„Bei all den vorgeschlagenen Maßnahmen ist wichtig, dass sie für den Verbraucher auch machbar sind – der Staat sollte allen Menschen die Möglichkeit geben, im Winter in angenehm temperierten Räumen zu leben, ohne durch die Nutzung ineffizienter Heizanlagen das Klima zu belasten“, so die übereinstimmende Meinung der Verbände. „Wir schlagen daher ein konkretes Maßnahmenbündel für sozial schwächer gestellte Haushalte vor, wie z.B. zinslose Darlehen, flexible Leasingmodelle und Haftungsübernahmen zur Refinanzierung von Energiesparmaßnahmen“. Damit diese Forderungen auch fachgerecht umgesetzt werden können, wünschen sich die Verbände zusätzliche Impulse zur Verbesserung der Energieberatung sowie eine breit aufgestellte Aus- und Weiterbildungsoffensive. Mit dem vorgestellten Forderungspapier übergibt die Branche der Politik alle Werkzeuge, die nötig sind, um dem österreichischen Sanierungsstau und dem Klimawandel effektiv entgegen zu wirken.

Über den „Runden Tisch Wärmewirtschaft“

Der Runde Tisch Wärmewirtschaft ist eine Plattform zahlreicher österreichischer Verbände der Wärmewirtschaft, die sich auf Initiative des Zukunftsforum SHL dem Austausch und der Koordination klimapolitischer Aktivitäten widmen. Sieben dieser Verbände haben sich auf einen „Maßnahmenkatalog für eine zukunftsfähige Wärmewirtschaft“ geeinigt: Austria Solar, Erneuerbare Energie Österreich, Österreichische Vereinigung des Sanitär- und Heizungsgroßhandels, Pro Pellets, VIZ (Verband der Installationszulieferindustrie), Wärmepumpe Austria und das Zukunftsforum SHL.


Der Maßnahmenkatalog im Überblick:

  1. Verbesserung des Fördersystems
    Konstante, modulare und unbürokratische Förderung aller CO2-senkenden Heizinvestitionen, die zentral in einem Portal zu beantragen sind und 30 Prozent der Investitionssumme sicherstellen.
     
  2. Fiskalpolitische Maßnahmen
    Intelligente, aufkommensneutrale Steuer- und Abgabenreform, Verkürzung der Abschreibedauer neuer Heizungsanlagen sowie die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für nachhaltige Heizinvestitionen. Die derzeitige Förderung des Mineralölsteuersatzes ist schrittweise abzubauen.
     
  3. Ordnungsrechtliche Maßnahmen
    Verpflichtung zum Austausch von Heizanlagen (ab 2020 30+ Jahre, ab 2025 25+ Jahre). Ab 2025 Erneuerbaren-Gebot beim Austausch von Heizanlagen unter Rücksichtnahme auf technische Möglichkeiten.
     
  4. Maßnahmen zur Vermeidung sozialer Härtefälle
    Allen Menschen nachhaltiges Heizen ermöglichen durch zinslose Darlehen, Leasingmodelle, Haftungsübernahmen oder Contractingmodelle zur Refinanzierung über Energieeinsparungen
     
  5. Erstellung einer bundesweiten Heizungsdatenbank
    Systematische Erfassung aller Heiz- und Kühlanlagen in einer einheitlichen Datenbank von Ländern und Bund bis 2022 inkl. jährliche Fortschrittsberichte.
     
  6. Schrittweise Umsetzung einer umfassenden Überprüfung aller Heizanlagen - „Heizungs-Check“
    2020 bis 2030 alle individuellen Heizanlagen in Österreich einer Untersuchung zu unterziehen und zumindest die dringendsten effizienzsteigernden Maßnahmen umzusetzen.
     
  7. Ausbau und Qualitätssicherung der Energieberatung
    Einheitliche Qualitätsstandards für Beratung und Ausbildung und verpflichtende Evaluierung der Energieausweisersteller. Beratung muss Bestandserhebung (Basis Energieausweis), Empfehlungen für Maßnahmen auf Basis einer standardisierten Checkliste und eine Berechnung der Kostenersparnis sowie der Reduktion von CO2 und Primärenergie enthalten.
     
  8. Aus- und Weiterbildungsoffensive
    Verbesserung des Aus- und Weiterbildungsangebots unter besonderer Berücksichtigung der Themen Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energie, inkl. verpflichtende Aus- und Weiterbildung für Gewerbeausübungsberechtigte.
     
  9. Umsetzung einer Kommunikationskampagne
    Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für die maßgebliche Rolle der Heizanlage als Kostenfaktor und CO2-Emittent schärfen.

     

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