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Energiesparen, quo vadis?

13.12.2005

Die Experten streiten sich derweil über Umsetzung und Durchführung. Im Rahmen des eintägigen Symposiums „Energieausweis für Wohnungen: Service oder Schikane?“ im Kunstmuseum Lentos in Linz, stellte sich eine handvoll Fachleute dieser Frage und versuchte Licht ins Dunkel zu bringen.
Im Jänner 2003 verabschiedete das Europäische Parlament eine Richtlinie um die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern. Hintergrund für die so genannte EU-Gebäuderichtlinie sind die Klimaschutzziele, die sich die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten im Rahmen des Kioto-Protokolls gesteckt haben. Demnach soll bis zum Jahr 2012 der Ausstoß klimaaktiver Treibhausgase um mindestens 5,2 Prozent zum Vergleichsjahr 1990 reduziert werden. Österreich hat sich im Rahmen des Kioto-Protokolls sogar zu einer 13-prozentigen Verringerung der Emission von Treibhausgasen bereit erklärt.
Die Senkung des Energieverbrauchs von Gebäuden wurde als effizienteste Möglichkeit zur Reduktion von Treibhausgasemissionen erkannt. Österreichweit gehen rund 35 Prozent des Energieverbrauchs auf das Konto von Wohn- und Nutzgebäuden. Im gesamteuropäischen Vergleich liegt dieser Wert sogar bei über 40 Prozent. Der Großteil der Energie wird dabei für die Raumheizung aufgewandt. Das zeigt das enorme Potential, dass beispielsweise in der thermischen Sanierung im Althausbestand oder der energetischen Optimierung im Neubaubereich steckt. Niedrigenergie und Passivhäuser übernehmen bezüglich Bautechnik und Bauphysik eine Vorreiterrolle.

Energieausweispflicht
Bis zum Jänner 2006 muss die EU-Gebäuderichtlinie von allen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Für Österreich bedeutet das im Konkreten, dass spätestens ab diesem Zeitpunkt beim Bau, dem Verkauf oder der Vermietung von Wohn- und Nutzgebäuden ab einer Größe von 1.000 Quadratmetern die Ausstellung eines Energieausweises verpflichtend ist. Ab dem Jahr 2007 gilt die Regelung auch für Sanierungen, ab 2009 für den gesamten Gebäudebestand, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich.
Obwohl nur noch wenige Monate bis zur Umsetzung der Gebäuderichtlinie und des Energieausweises bleiben, sind bislang immer noch viele Fragen offen. So ist beispielsweise nach wie vor nicht sichergestellt, ob der veranschlage Zeitplan und damit die tatsächliche Umsetzung mit Anfang nächsten Jahres eingehalten werden kann. Im Rahmen des Linzer Symposiums wurde versucht Bedenken und Vorurteile aus dem Weg zu räumen, Unklarheiten zu beseitigen und den Vor- und Nachteilen des Energieausweises objektiv auf den Grund zu gehen. So ist es im Rahmen der Veranstaltung jetzt erstmals auch gelungen, die vorrausichtlichen Kosten für die Erstellung in Erfahrung zu bringen. Diese dürften mit 200 bis 300 Euro beispielsweise für ein Einfamilienhaus durchaus verkraftbar sein, ist Rainer Mikulits, Geschäftsführer des Österreichischen Institut für Bautechnik (OIB), überzeugt. „Im Neubaubereich wird sich durch den Energieausweis nicht viel ändern“, verspricht Mikulits. Als Grundlage für Förderungen ist der Nachweis des Energieverbrauchs eines Wohngebäudes auch bislang schon Voraussetzung.
Neu im Bundesgesetz ist jetzt allerdings die Regelung, dass der Energieausweis nur für das gesamte Gebäude und nicht wie ursprünglich geplant für einzelne Wohnungen gelten wird. Das freut zwar die Hauseigentümer, vermindert gleichzeitig aber auch den Wert für den einzelnen Wohnungsinhaber oder Mieter, da die Energiekosten innerhalb eines Gebäudeverbandes für einzelne Wohnungen stark differieren kann.
Für Unmut in der Branche sorgt die Tatsache, dass es bis dato noch immer nicht gelungen ist, ein einheitliches Erscheinungsbild des Energieausweises zu realisieren. Es gibt zwar vom OIB eine Richtlinie, die von der Mehrzahl der Bundsländer in die Landesverordnungen übernommen wurde, doch nach wie vor legen sich Salzburg und Niederösterreich quer. Auf Unverständnis stößt diese Haltung bei Hermann Kepplinger, oberösterreichischer Wohnbaulandesrat: „ Es ist nicht sinnvoll, wenn die Bundesländer ihr eignes Süppchen kochen und wir dann neun verschiedene Normen haben.“ Sepp Eisl, Landesrat für Energie und Baurecht in Salzburg dazu: „Wir haben in Salzburg kein Problem mit einer Harmonisierung, aber wir haben auch keine Hemmungen, etwas nicht zu tun, wenn wir glauben, dass es nicht den erhofften Nutzen bringt – selbst dann wenn sieben andere Bundesländer dabei mitziehen.“ Uneinig sind sich die beiden Politiker auch bezüglich eines möglichen Rechtsanspruch, der sich aus der Erstellung des Energieausweises ergeben könnte. Viel wichtiger wäre es laut Eisl, dass der Ausweis von jedem Bürger verstanden wird. Er plädiert in diesem Zusammenhang für eine Entbürokratisierung. Für Kepplinger wäre ein Rechtsanspruch vorstellbar. Sinnvoll erachten beide Landesvertreter den Vergleich mit einem Gütesiegel. „Jeder weiß, was ein Drei-, Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel oder ein Haubenkoch ist. Das könnte auch der Energieausweis bieten“, so Eisl.
Unbeantwortet scheint auch noch die Frage zu sein, wer berechtigt ist den Energieausweis auszustellen. Zumindest für Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister der Bundesinnung Bau, ist diese Frage geklärt: „Qualifiziert sind jene Berufsgruppen, die ausgebildet und befugt sind, bauphysikalische Berechungen durchzuführen. Das sind Baumeister und Ziviltechniker.“
Trotz aller Zwistigkeiten ist Karl Wurm, Verbandsobmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, überzeugt, dass der Energieausweis Vorteile bringen wird und eine generelle Sensibilisierung auf das Thema Energiesparen in der Bevölkerung bewirken kann.

TEXT: TOM CERVINKA

Autor/in:
Redaktion Gebäudeinstallation
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