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Erneuerbares Gas als Energieträger der Zukunft

25.06.2019

Eine aktuelle Studie von Navigant unterstreicht, dass die Energiewende mit Gas viel günstiger als mit Strom alleine umsetzbar ist.

Carsten Petersdorff, Direktor bei Navigant (l.) und DI Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und stellvertretender Generaldirektor der Wiener Stadtwerke (r.)

Im Auftrag des Fachverbandes Gas Wärme (FGW) haben die Energie- und Klimaexperten von Navigant eine Studie zur Rolle der Gasinfrastruktur im zukünftigen Energiesystem erstellt. Das Ergebnis: Gas hilft beim Sparen.

Das Gasszenario spart im Vergleich zum Stromszenario jährlich Kosten in Höhe von etwa 2,9 Milliarden Euro. Bei der Betrachtung über den gesamten Zeitraum von heute bis 2050 verursacht das Stromszenario laut Navigant-Studie im Vergleich zum Gasszenario Mehrkosten in der Höhe von rund 56 Milliarden Euro.
Kostentreiber für das Stromszenario seien Technologiekosten im Gebäudebereich, die Elektrifizierung im Industriesektor, die benötigte konventionelle Erzeugungskapazität einschließlich der Reservekapazität und des Stromverteilnetzes, während im Gasszenario nur etwas höhere Kosten für Power-to-Gas und das Gasverteilnetz auftreten.

Verschiedene Szenarien untersucht

In der nun vorliegenden Studie haben Carsten Petersdorff, Direktor bei Navigant, und sein Team einen 100-prozentigen Dekarbonisierungspfad bis 2050 mit und ohne Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur für Endanwendungen berechnet.

Ein reines All-Electric-Szenario – die Elektrifizierung unter gänzlichem Verzicht auf die Nutzung der Gasinfrastruktur – wurde als technisch unrealistisch und praktisch unfinanzierbar eingeschätzt und nicht näher betrachtet.

•    Zum einen hat Navigant ein Stromszenario untersucht, bei dem bei den Endkunden ausschließlich Strom genutzt wird und Gas nur mehr zur Stromerzeugung bei Strom-Spitzenlasten eingesetzt wird. Laut Navigant-Studie führt dieses Szenario mit einer Umrüstung auf Strom im Verkehr, dem Wärmebereich und der Industrie zu extremen Nachfragespitzen und damit auch zu deutlich höheren Anforderungen an das Energiesystem. Petersdorff: „Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss eine höhere konventionelle Erzeugungskapazität zur Deckung der Residualnachfrage zur Anwendung kommen.“

•    Zum anderen haben die Energieexperten ein Gasszenario berechnet, in welchem die gesamte bereits vorhandene und gut ausgebaute Gasinfrastruktur bis hin zu den Gasendgeräten genutzt und diese mit Strom kombiniert wird. Ohne Erneuerbarem Gas ist die Versorgung der Nachfrage-Sektoren insbesondere in den Wintermonaten und in Perioden mit geringer erneuerbarer Erzeugung wirtschaftlich nicht machbar. Petersdorff: „Da Pump- und Batteriespeicher wirtschaftlich sinnvoll nur der kurz- beziehungsweise mittelfristigen Speicherung dienen, spielt Gas eine zentrale Rolle für die saisonale Speicherung.“

„Die österreichische Gasinfrastruktur ist die tragende Säule der Energiewende“, meint DI Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und stellvertretender Generaldirektor der Wiener Stadtwerke.  „Mit ihrem flächendeckenden Gasnetz, den großvolumigen Gasspeichern und den Gasendgeräten bleibt die Gasinfrastruktur Garant der Versorgungssicherheit und wird durch den Einsatz von Erneuerbarem Gas in Zukunft immer grüner“, zeigt Weinelt den Weg der Gaswirtschaft vor.  

 

Autor/in:
Bettina Kreuter
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